Franz Kraus

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Franz Kraus (* 11. September 1838 in Wien; † 8. August 1900 ebenda) war ein österreichischer römisch-katholischer Priester, Pädagoge und Dechant der Erzdiözese Wien.

Leben

Herkunft und Ausbildung

Franz Xaver Kraus wurde in der Wiener Alservorstadt geboren und am 12. September 1838 getauft. Sein leiblicher Vater verstarb früh. Er wuchs unter der Obhut seiner Mutter Thekla (geb. Ruschitzka), einer Bindermeisterstochter aus Loibersdorf, und seines Stiefvaters Johann Thomas auf. Letzterer war ein protestantischer Bauerssohn aus Bayern, den Kraus zeit seines Lebens als „edlen Ziehvater“ tief verehrte und der ihm trotz bescheidener Mittel aus Handarbeit das Studium ermöglichte.

Kraus besuchte zunächst das Schottengymnasium, wechselte aber 1854 an das Piaristengymnasium in der Josefstadt. Inspiriert durch seine Lehrer trat er am 27. September 1857 als Novize in den Piaristenorden ein. Nach seinem Noviziat in Krems (1858) und der Matura im Jahr 1861 absolvierte er bis 1866 das Studium der Theologie an der Universität Wien. Parallel dazu belegte er Vorlesungen in Philosophie, römischer Geschichte und Philologie bei namhaften Professoren wie Robert Zimmermann und Hermann Bonitz. Am 24. Juli 1864 empfing er im Wiener Stephansdom durch Kardinal Rauscher die Priesterweihe.[1][2]

Pädagogische Laufbahn im Orden

Innerhalb des Piaristenordens war Kraus in verschiedenen Lehr- und Erziehungsämtern tätig: Er unterrichtete als Lehrer und Präfekt in Horn, Freistadt sowie im gräflich Löwenburg’schen Convict in Wien. Als Gymnasialprofessor für Griechisch, Latein und Französisch wirkte am Josefstädter Gymnasium sowie am Obergymnasium in Krems.[2]

Krise des Piaristenordens und Säkularisation

Um 1870 geriet der Piaristenorden in eine existenzielle Krise, als staatliche Subventionen gestrichen und Gymnasien unter Staatsverwaltung gestellt wurden. Da die beruflichen Aussichten für junge Ordensmitglieder schwand, riet die Ordensleitung zum Austritt. Kraus wechselte daraufhin in den Dienst der Erzdiözese Wien. Am 16. November 1871 begann er als Kooperator in Hainburg, wurde 1872 durch Papst Pius IX. offiziell säkularisiert und endgültig in den Weltklerus aufgenommen.[2]

Wirken als Rektor und Pfarrer

Sein Organisationstalent und seine pädagogische Vorbildung führten dazu, dass ihn Kardinal Rauscher am 5. Mai 1874 zum Rektor des fürsterzbischöflichen Knabenseminars im ehemaligen Karmeliterkloster St. Theobald in Wien VI., "Ob der Laimgrube ernannte.[3] Diese Position bekleidete er zehn Jahre lang mit großer Anerkennung. In dieser Zeit fiel auch die Übersiedlung des Seminar nach Hollabrunn. Durch ein schweres Augenleiden eingeschränkt schied Kraus seiner Position aus und Franz Reuckl übernahm die Leitung.

Ab 1884 widmete er sich ganz der Seelsorge: Ab dem 18. September 1884 wirkte er als Stadtpfarrer von Hainburg an der Donau und später als Dechant des Dekanats Hainburg.[4] Am 5. November 1891 wurde er zum Pfarrer der Kirche St. Johann Nepomuk in der Praterstraße berufen.[5]

Franz Kraus verstarb am 8. August 1900 im Alter von 61 Jahren bei seinem Sommeraufenthalt in Mayerling an einer Gehirnblutung.[6][7] In Nachrufen wurde er als „rastlos berufstätig“ und als eine in jeder Beziehung „hervorragende Persönlichkeit“ gewürdigt, die von Schülern und Weggefährten gleichermaßen geschätzt wurde.

Ehrungen

Für sein langjähriges Engagement in der Erziehung und der kirchlichen Verwaltung wurden Franz Kraus bedeutende Ehrentitel verliehen.

  • Im Zuge der Eröffnungen des Knabenseminar Hollabrunn wurde ihm am 2. Oktober 1881 der Titel des Fürsterzbischöflichen Konsistorialrates verliehen.[8]
  • Zudem wurde er in Anerkennung seiner Verdienste zum Fürsterzbischöflichen Geistlichen Rat ernannt.

Literatur

  •  Dr. Hans Groër: Hundert Jahre Knabenseminar der Erzdiözese Wien. Im Selbstverlag des e.b. Knabenseminars Hollabrunn, Hollabrunn 1956, S. 22-28, 147.

Einzelnachweise

  1. Zur Chronik der Erzdiözese. In: Wiener Diöcesanblatt / Wiener Diözesanblatt, Heft 21/1864, S. 8 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrd
  2. 2,0 2,1 2,2 Konsistorialrath Franz Kraus. In: Das Vaterland, 26. September 1900, S. 1 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/vtl
  3. Zur Chronik der Erzdiözese. In: Wiener Diöcesanblatt / Wiener Diözesanblatt, Heft 9/1874, S. 12 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wrd
  4.  Personal-Stand der Säcular- und Regular-Geistlichkeit der Weiner Erzdiözese im JAhre 1872. Verlag der fürsterzbischöflichen Ordinariats-Kanzlei, 1. Januar 1872, S. 68, 138.
  5.  Personal-Stand der Säcular- und Regular-Geistlichkeit der Wiener Erdiöcese. Verlag der fürsterzbischöflichen Ordinariatskanzlei, Wien 1892, S. 16, 50.
  6. Pfarrer Franz Kraus. In: Neuigkeits-Welt-Blatt / Neuigkeits-Welt-Blatt (Provinz-Ausgabe/Land-Ausgabe), 10. August 1900, S. 5 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nwb
  7. Kirche und Klerus. In: Wiener Salonblatt, 12. August 1900, S. 16 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/wsb
  8. Die Einweihung des neuerbauten fürsterzbischöflichen Knabenseminars in Oberhollabrunn. In: Das Vaterland, 3. Oktober 1881, S. 2 (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/vtl