Forschungsgruppe Psychoanalyse stuzzicadenti: Unterschied zwischen den Versionen

→‎Projekte (Auswahl): Rolle des Stuzzicadenti, als einer der Hauptveranstalter des internationalen Symposiums: “Mit der Vernunft schlafen. Zu den Herausforderungen der Psychoanalyse in der Gegenwart“ ergänzt.
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(→‎Projekte (Auswahl): Rolle des Stuzzicadenti, als einer der Hauptveranstalter des internationalen Symposiums: “Mit der Vernunft schlafen. Zu den Herausforderungen der Psychoanalyse in der Gegenwart“ ergänzt.)
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Im Zentrum der gemeinsamen Projektarbeit stand die Entwicklung einer eigenen Methode als neue Möglichkeit, Kunst und die Wissenschaft der Psychoanalyse (psychoanalytic research) so miteinander zu verbinden, auf dass dadurch hinkünftig das Unbewusste in ästhetischen und gesellschaftlichen Produktionen besser zugänglich gemacht werden kann. Die These ist, das künstlerische Arbeiten Formationen erzeugt, die dem Aufbau nach den Produktionen des Unbewussten ähneln. Denn die Analyse von unbewussten Phantasien lässt eine Analogie erkennen, die die Kur und das neurotische Symptom an die Kunst, die Kultur, die Philosophie und die Mythologie bindet, wobei es das gemeinsames Ziel im Projekt war, diese Ähnlichkeit konkret zu bestimmen.
Im Zentrum der gemeinsamen Projektarbeit stand die Entwicklung einer eigenen Methode als neue Möglichkeit, Kunst und die Wissenschaft der Psychoanalyse so miteinander zu verbinden, dass dadurch hinkünftig das Unbewusste in ästhetischen und gesellschaftlichen Produktionen besser zugänglich gemacht werden kann. Die These ist, dass künstlerische Arbeiten Formationen erzeugen, die dem Aufbau nach den Produktionen des Unbewussten ähneln. Denn die Analyse von unbewussten Phantasien lässt eine Analogie erkennen, die die Kur und das neurotische Symptom an die Kunst, die Kultur, die Philosophie und die Mythologie bindet, wobei es das gemeinsames Ziel im Projekt war, wobei es diese Ähnlichkeit konkret zu bestimmen gilt. Wichtig ist es hierbei jedoch zu beachten, dass durch diese Methode Kunst und Kultur nicht auf Symptome reduzieren werden. Im Gegenteil, denn es geht hierbei zwar um dieselben [[Libido|libidinösen]] Kräfte, aber nicht in derselben Wirkungsweise, was sowohl im Symptom, im Traum, in der Phantasie als auch in der Kunstausübung sowie in kulturellen Verfahren sichtbar gemacht werden kann. Sie alle sind das Produkt eines Konflikts und das Resultat eines Kompromisses zwischen unbewussten und bewussten Kräften, die das In-Szene-Setzen da wie dort bestimmen. Auf Grund dieser strukturellen Ähnlichkeit hat Stuzzicadenti diese Methode bewusst symptomatologisch (und nicht etwa eine symptomal) genannt.
Wichtig ist es hierbei jedoch zu beachten, dass durch diese Methode Kunst und Kultur nicht auf Symptome reduzieren werden. Im Gegenteil, denn es geht hierbei zwar um dieselben [[Libido|libidinösen]] Kräfte, aber nicht in derselben Wirkungsweise, was sowohl im Symptom, im Traum, in der Phantasie als auch in der Kunstausübung sowie in kulturellen Verfahren sichtbar gemacht werden kann. Sie alle sind das Produkt eines Konflikts und das Resultat eines Kompromisses zwischen unbewussten und bewussten Kräften, die das In-Szene-Setzen da wie dort bestimmen. Auf Grund dieser strukturellen Ähnlichkeit hat Stuzzicadenti diese Methode bewusst symptomatologisch (und nicht etwa eine symptomal) genannt.
 
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In argumentativer Hinsicht hat Stuzzicadenti diese Methode auf drei Ebenen entwickelt:  
In argumentativer Hinsicht hat Stuzzicadenti diese Methode auf drei Ebenen entwickelt:  
* (1.) Psychoanalyse: Theoretisch bezog sich die Forschungsgruppe auf das Freudsche Werk und sein Konzept vom Unbewussten, wobei insbesondere die Begriffe der Magie, der [[Imagination]] und der [[Übertragung (Psychoanalyse)|Übertragung]] einer Relektüre unterzogen. Dies sind erkenntnistheoretisch mit der Lacanschen Unterscheidung der drei Register des Realen, Symbolischen und Imaginären verbunden worden, wodurch die Funktion, die Struktur und der Schauplatz von Symptomen besser bestimmt werden kann.  
* (1.) Psychoanalyse: Theoretisch bezog sich die Forschungsgruppe auf das Freud‘sche  Werk und sein Konzept vom Unbewussten, wobei insbesondere die Begriffe der Magie, der [[Imagination]] und der [[Übertragung (Psychoanalyse)|Übertragung]] einer Relektüre unterzogen wurden. Diese sind erkenntnistheoretisch mit der der Lacanschen Unterscheidung der drei Register des Realen, Symbolischen und Imaginären verbunden worden, wodurch die Funktion, die Struktur und der Schauplatz von Symptomen besser bestimmt werden kann.
* (2.) Kunst: Gleichzeitig hat die Forschungsgruppe Kunstwerke auf ihr unbewusstes Wirken und Wissen sowie auf ihre damit verbundene innovierende Sinn- und Bedeutungsproduktion hin befragt. Hierbei fungierte die Kunst als kritisches und prüfendes Gegenüber zur Theorie, wobei sie analysierend und gleichermaßen analysiert zur Klärung der jeweiligen Themenstellung eingesetzt wurde. Diese Verschränkung von künstlerischer und psychoanalytischer Erkenntnis ist zentral zum investigativen Einsatz gekommen und stellte somit das Herz des analytischen Vorgehens von Stuzzicadenti dar.  
* (2.) Kunst: Gleichzeitig hat die Forschungsgruppe Kunstwerke auf ihr unbewusstes Wirken und Wissen sowie auf ihre damit verbundene innovierende Sinn- und Bedeutungsproduktion hin befragt. Hierbei fungierte die Kunst als kritisches und prüfendes Gegenüber zur Theorie, wobei sie analysierend und gleichermaßen analysiert zur Klärung der jeweiligen Themenstellung eingesetzt wurde. Diese Verschränkung von künstlerischer und psychoanalytischer Erkenntnis ist zentral zum investigativen Einsatz gekommen und stellte somit das Herz des analytischen Vorgehens von Stuzzicadenti dar.
* (3.) Gesellschaft: Der Gewinn dieser Methode bewährt sich auch in der konkreten Anwendung an maßgeblichen Kreuzpunkten der gegenwärtigen Subjektkonstitution im gesellschaftlichen Feld: am Körper, am [[Biologisches Geschlecht|Geschlecht]] und an der sozialisierenden Wirkung wie z.B. der Triangulierung des Subjekts durch das Inzest- und Tötungsverbot in der Kultur (wie z.B. im Rahmen des [[Ödipuskomplex]]es).
* (3.) Gesellschaft: Der Gewinn dieser Methode bewährt sich auch in der konkreten Anwendung an maßgeblichen Kreuzpunkten der gegenwärtigen Subjektkonstitution im gesellschaftlichen Feld: am Körper, am [[Biologisches Geschlecht|Geschlecht]] und an der sozialisierenden Wirkung wie z.B. der Triangulierung des Subjekts durch das Inzest- und Tötungsverbot in der Kultur (bzw. im Rahmen des [[Ödipuskomplex]]es).


== Kooperationspartner ==
== Kooperationspartner ==
* [[Akademie der Bildenden Künste Wien]]
* [[Akademie der Bildenden Künste Wien]]
* Institut für Philosophie der [[Universität Wien]]
* Institut für Philosophie der [[Universität Wien]]
* [[Institut für Wissenschaft und Kunst]] (Thomas Hübel)
* [[Institut für Wissenschaft und Kunst]] Wien (Thomas Hübel)
* [[Universität für Angewandte Kunst]]
* [[Universität für Angewandte Kunst]] Wien
* Wiener psychoanalytische Akademie ([[August Ruhs]])
* Wiener psychoanalytische Akademie ([[August Ruhs]])


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* seit 2021: maßgebliche Mitarbeit an der Konzeption und Durchführung eines laufenden Forschungsprojekts „Neue Pathologien“ (im Rahmen des Wiener Arbeitskreises für Psychoanalyse). Zwischenbericht siehe: ''texte. psychoanalyse. ästhetik.'' kulturkritik. Heft 4/2022.
* seit 2021: maßgebliche Mitarbeit an der Konzeption und Durchführung eines laufenden Forschungsprojekts „Neue Pathologien“ (im Rahmen des Wiener Arbeitskreises für Psychoanalyse). Zwischenbericht siehe: ''texte. psychoanalyse. ästhetik.'' kulturkritik. Heft 4/2022.
* 2000–2021: Im Sinne des Vereinsziels, „einer drohenden fachwissenschaftlichen Verengung und Therapeutisierung der zeitgenössischen Psychoanalyse entgegenzuwirken“, war die Veranstaltung von Festen mit Ausstellungen bildender Kunst und Live-Musik ein integraler Bestandteil der Aktivitäten des Vereins.
* 2000–2021: Im Sinne des Vereinsziels, „einer drohenden fachwissenschaftlichen Verengung und Therapeutisierung der zeitgenössischen Psychoanalyse entgegenzuwirken“, war die Veranstaltung von Festen mit Ausstellungen bildender Kunst und Live-Musik ein integraler Bestandteil der Aktivitäten des Vereins.
* Mitorganisation und Kooperation bezüglich Konzeption des internationalen Symposiums: ''“Mit der Vernunft schlafen. Zu den Herausforderungen der Psychoanalyse in der Gegenwart“''<ref>{{Internetquelle |url=https://audiothek.philo.at/podcasts/mit-der-vernunft-schlafen?show=popular |titel=Symposium in Gedenken an / Symposium en mémoire de Michael Turnheim (22.10.1946 – 27.11.2009) Wien, Institut Français de Vienne, 28.1-29.1.2011 |werk=https://audiothek.philo.at |abruf=2024-02-24}}</ref> (internationales Symposium zum Werk [[Michael Turnheim]]s). Als einer von mehreren Hauptveranstaltern. Eine Veranstaltung des Institut francais de Vienne, des Instituts für Wissenschaft und Kunst, Wien und der Neuen Wiener Gruppe/Lacan-Schule mit Unterstützung der Stadt Wien / MA 7, Wissenschafts- und Forschungsförderung und des [[Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung]]. Aus der Tagung ist das Buch<ref>{{Internetquelle |url=https://www.diaphanes.net/titel/jenseits-der-trauer-au-dela-du-deuil-1201 |titel=Marcus Coelen (Hg.), Franz Kaltenbeck (Hg.), Dian Turnheim (Hg.)  Jenseits der Trauer / Au-delà du deuil Michael Turnheim |werk=https://www.diaphanes.net/ |sprache=de |abruf=2024-02-24}}</ref> hervorgegangen


== Auszeichnung ==
== Auszeichnung ==
Anonymer Benutzer