Vivaldi-Projekt-Graz
Das Vivaldi-Projekt Graz ist ein Musikprojekt in Graz, das Kindern aus sozial benachteiligten Familien klassische Musik näher bringt. Seit 2022 erhalten Kinder kostenlosen Instrumentalunterricht, gleichzeitig sammeln Studierende erste praktische Unterrichtserfahrung.[1]
Ursprung und internationales Netzwerk
Den Anstoß zum Grazer Projekt gab ein Projekt in Düsseldorf, das von der US-amerikanischen Violinistin und Professorin Ida Bieler, die auch in Österreich wirkt, ins Leben gerufen wurde.
„Musik und die damit verbundenen sozialen Vorteile dorthin zu bringen, wo es nicht selbstverständlich ist, setzt unglaublich viel Energie frei. Und diese Energie schafft Zukunft“
ist diese überzeugt.
Ida Bieler gründete das erste „Vivaldi Program" im Jahr 2005 an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. Ziel war es, Musikstudierende als Lehrkräfte auszubilden und gleichzeitig Kindern aus sozial benachteiligten Familien Instrumentalunterricht zu ermöglichen. Das Projekt wurde 2011 mit dem deutschen Bundespreis „Ideen für die Bildungsrepublik" ausgezeichnet.[3]
Mit Bielers Berufung an die University of North Carolina School of the Arts (UNCSA) im Jahr 2010 wurde das Programm als „The Vivaldi Project at UNCSA"[4] auch in den USA etabliert.
Die Geigerin und Pädagogin Daniela Hölbling lernte das Konzept während ihres Studiums bei Ida Bieler kennen und initiierte folglich die Anpassung des Düsseldorfer Modells an die Grazer Gegebenheiten.[5] Das Grundprinzip – Studierende sammeln Unterrichtserfahrung, Kinder erhalten kostenlose Förderung – blieb dabei erhalten und veranlasste Klassikradio Deutschland zur Berichterstattung über das Projekt als „Win-Win-Situation für alle"[6].
Konzept und pädagogischer Ansatz
Namensgeber des Projekts ist der Komponist Antonio Vivaldi, der im 18. Jahrhundert als Musiklehrer in einem venezianischen Waisenhaus tätig war.
- Musikalische Förderung: Kinder im Alter von vier bis acht Jahren erhalten kostenlosen Einzel- und Gruppenunterricht auf der Violine. Die Instrumente sowie Unterrichtsmaterialien werden leihweise kostenlos zur Verfügung gestellt.
- Praxisnahe Ausbildung: Studierende der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (KUG) erteilen den Unterricht und sammeln unter ständiger Supervision erste praktische Unterrichtserfahrung.
Das Projekt verbindet mehrere Grazer Institutionen: Das Johann-Joseph-Fux-Konservatorium Graz gemeinsam mit der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (KUG) und der Stadt Graz ermöglichen den Kindern einmal wöchentlich, am „Vivaldi-Montag", Einzelunterricht im Jugendzentrum Funtastic. Mindestens einmal im Semester findet die „Geigenparty" statt, wo Erlerntes präsentiert und gemeinsam musiziert wird. Die Instrumente werden vom Konservatorium verliehen, Studierende der Kunstuniversität übernehmen unter Supervision die pädagogische Leitung.
Organisation und Standorte
Das Projekt ist eine Kooperation mehrerer Grazer Institutionen:
- Stadt Graz (Abteilung für Bildung und Integration)
- Universität für Musik und darstellende Kunst Graz (KUG)
- Johann-Joseph-Fux-Konservatorium Graz
- Jugendzentrum Funtastic
Auszeichnungen und Rezeption
In Zusammenarbeit mit dem Rapper Adam und Musikern des Jugendzentrums Funtastic entstand der Song „Was ist los mit dieser Welt"[7], für den „Adam & die funtastic-friends ft. Vivaldi stringX" der Steirische Preis gegen Gewalt „Rap! Not Rape!" (Jugend- und Publikumspreis) verliehen wurde.[8][9]
Im Rahmen des Festivals steirischer herbst 2023 wirkten Schüler und Schülerinnen des Projekts an der Veranstaltungsreihe „ORF musikprotokoll" mit. Die Zusammenarbeit mit internationalen Musikern unter dem Titel „konfrontationen 9: music – common language" wurde vom Sender Ö1 dokumentiert und übertragen.[10]
Die Fachzeitschrift Üben & Musizieren thematisierte mehrfach die Projektidee, jungen Menschen neue Perspektiven durch die Musik zu eröffnen.[1][11] Weitere Berichte erschienen in der Kleine Zeitung[12], der Kronen Zeitung[13] sowie bei Klassikradio Deutschland[6]. Im Herbst 2024 griff die Kleine Zeitung die überregionalen Pläne, das Konzept über die Städtepartnerschaft mit Lwiw in die Ukraine zu bringen, auf.[12]
Einzelnachweise
- ↑ 1,0 1,1 Daniela Hölbling: Herz und Verständnis für Musik öffnen. Im „Vivaldi-Projekt“ Graz erhalten acht Kinder kostenfrei Einzelunterricht an der Violine von Studierenden der Musikuniversität. In: üben & musizieren. 2023, S. 44, abgerufen am 21. Februar 2026 (deutsch).
- ↑ Ida Bieler: Zirkel des Guten – Das Vivaldi-Projekt. In: Zwischentöne. Abgerufen am 21. Februar 2026 (PDF, deutsch).
- ↑ vivaldi project | Violinist Ida Bieler. Abgerufen am 20. Februar 2026.
- ↑ Vivaldi Project. Abgerufen am 20. Februar 2026 (english).
- ↑ Stadtportal der Landeshauptstadt Graz, Sonja Tautscher: Start für das Vivaldi Projekt Graz. Abgerufen am 20. Februar 2026 (deutsch).
- ↑ 6,0 6,1 Vivaldi-Projekt Graz fördert Kinder & Studierende. In: Klassikradio Deutschland. Abgerufen am 20. Februar 2026 (deutsch).
- ↑ Jugend am Werk Steiermark: Was ist los mit dieser Welt. In: YouTube. 26. Mai 2023, abgerufen am 21. Februar 2026 (deutsch).
- ↑ steiermark ORF at red: Steirischer Preis gegen Gewalt für Rap-Talente. 28. Juni 2023, abgerufen am 20. Februar 2026 (deutsch).
- ↑ Hannah Michaeler: „Rap! Not Rape.": Sieger im Grazer Orpheum gekürt. 27. Juni 2023, abgerufen am 20. Februar 2026 (deutsch).
- ↑ konfrontationen 9: music – common language (?) – Mit Schüler:innen, Musiker:innen und Komponist:innen aus der Steiermark. In: steirischer herbst ’23 – ORF musikprotokoll. 5. Oktober 2023, abgerufen am 21. Februar 2026 (deutsch).
- ↑ Jörg Loskill: Von Vivaldi lernen. Ida Bieler startet in Düsseldorf das Vivaldi-Projekt für mittellose Kinder als Kooperation von Hochschule und Musikschule. In: üben & musizieren. 2010, S. 42, abgerufen am 21. Februar 2026 (deutsch).
- ↑ 12,0 12,1 Nina Müller: Projekt Vivaldi: Neue Staffel, neue Pläne. In: Kleine Zeitung. Abgerufen am 21. Februar 2026 (deutsch).
- ↑ Hannah Michaeler: Grazer Kinder bekommen gratis Geigen-Unterricht. 5. September 2023, abgerufen am 21. Februar 2026 (deutsch).