Die Buch- und Papierhandlung Mohr-Breininger wurde 1883 von Ferdinand Mohr sen. als Buchbinderei und Papierhandlung Mohr in Baden bei Wien, Pfarrgasse Nr. 12, gegründet und bestand bis in das Jahr 2011. Sie gehörte mit ihren 128 Bestandsjahren zu den Badener Traditionsbetrieben.

Ferdinand Mohr jun. (1886-1935) um 1923

Chronik

Ferdinand Mohr, Sohn des Bäckermeisters Franz Mohr und dessen Ehefrau Theresia Mohr, geb. Kratzel, einer Weberstochter, kam am 25. August 1855, in der Regierungszeit von Kaiser Franz Joseph I. in Österreichisch-Schlesien im Bezirk Freiwaldau zur Welt[1]. Mohr erlernte das Buchbinderhandwerk und ging als Geselle auf die Walz, zuerst nach Wien, dann nach Linz und hernach wieder nach Wien, bevor er sich mit seinen Brüdern Alois und Josef Anfang der 1880er Jahre in Baden niederließ und am 1. Mai 1883 in der Pfarrgasse Nr. 12 eine Buchbinderei mit angeschlossenem Papierwarengeschäft übernahm.[2]

Wenige Monate später, und zwar am 19. August desselben Jahres, ehelichte er in der Badener Stadtpfarrkirche St. Stephan seine Braut Theresia Schneller, einer Schuhmacherstochter aus dem damaligen ungarischen Ort Ritzing im Komitat Ödenburg[3], die ihm fünf Kinder schenkte, darunter seinen Nachfolger Ferdinand Mohr jun., welcher am 13. Oktober 1886 in der Pfarrgasse Nr. 12 das Licht der Welt erblickte[4], in seinen jungen Jahren die "Patzelt’sche Handelsschule" in Wien besuchte, im Anschluss eine Buchhandelslehre in Innsbruck absolvierte und danach von 1906 bis 1908 in der "Beck’schen Hof- und Universitätsbuchhandlung" (Besitzer Alfred Hölder) in Wien beschäftigt war, bevor er 1908 wieder ins Elternhaus zurückkehrte. Nach anderen Quellen absolvierte er in der alten Buchhandelsstadt Leipzig seine Lehrjahre.

Nachdem Ferdinand Mohr sen. 1909 schwer erkrankt war, verkaufte er die Buchbinderei seinem Buchbindergehilfen August Dürmoser, der den Betrieb Ende Juli 1909 käuflich erwarb[5]. Als dann im Oktober desselben Jahres Ferdinand Mohr sen. an seinem schweren Krebsleiden verstarb[6] und am Badener Stadtpfarrfriedhof bestattet wurde[7], führte seine Witwe die Papierwarenhandlung erfolgreich durch die Wirren des Ersten Weltkrieges weiter, in dem der Sohn Ferdinand junior aktiv von 1916 bis 1918 teilnehmen musste.

Zwölf Tage nach Ende des Ersten Weltkrieges ehelich Ferdinand Mohr jun. am 24. November 1918 in der Badener Stadtpfarrkirche St. Stephan seine Ehefrau Maria Christine geb. Breininger, eine Viktualien-Händlerstochter aus Tribuswinkel, die bereits in der Papierhandlung seiner Eltern ihre Einzelhandelslehre absolviert hatte[8]. Nach dem Krieg im Jahre 1919 erwarb Ferdinand Mohr jun. die Buchhandelskonzession und gliederte diese in seinem Geschäft ein. Auch gründete er einen Ansichtskartenverlag, dessen Postkarten Baden in der Welt weiter bekannt machte. In den 1920er war Mohr dem Zeitgeist entsprechend, jahrelang Mitglied im Badener "Turnverein 1862" und im "Deutschen -" und "Österreichischen Alpenverein" und begeisterter Kenner der Berge. Als Ferdinand Mohr jun. am 17. Juli 1935 mit nur 48 Jahren verstarb[9] führten seine Witwe Maria Christine Mohr (1893-1972) und seine jüngere Schwester Gabriele Mohr (1894-1961)[10] das Geschäft weiter.

Anno 1968 erwarb Maria Mohr’s Neffe August Breininger, der später langjähriger Badener Bürgermeister werden sollte, die Buch- und Papierhandlung, nachdem er zuvor eine Buch- und Papierhändlerlehre abgeschlossen hatte.1983 konnte die nunmehrige Buch- und Papierhandlung „Mohr-Breininger“ ihr 100-jähriges Bestehen feiern sowie auch das 300. literarische Treffen, in welchen Dichterlesungen mit Gegenwartsautoren unter dem Namen „Mohr-Meeting“ stattfand. Auch fand im selben Jahr eine Präsentation des hauseigenen Kunstverlages statt, in der Ernst Degasperi's seine Originalradierung „Baden und Wien 1683 bis 1983“, dem interessierten Publikum vorstellte. Bei den alljährlichen „Mohr-Meetings“ war 1976 auch der Sohn des letzten österreichischen Kaisers Otto von Habsburg-Lothringen, ein Politiker, Buchautor und glänzender Rhetoriker zu Gast. Es war somit die meistbesuchte Buchpräsentation aller Zeiten in Baden[11]. 1998 veräußerte August Breininger die Buch- und Papierhandlung Mohr Breininger an Robert Ivanchich, der den Betrieb noch einige Jahre weiterführte und ihn nach 128 Bestandsjahren 2011 auflöste[12]. Das Geschäftslokal wurde seitdem durch anderweitige Firmen genutzt.

Literatur

Einzelnachweise

Weblinks

  Buchhandlung Mohr-Breininger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

48.00912276138916.235633140161Koordinaten: 48° 0′ 33″ N, 16° 14′ 8″ O