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Die Würzburgermühle bestand im 14. Jahrhundert aus zwei Teilbetrieben. Einer gehörte Heinrich "''dem Mukel''", der 1394 seine Hälfte der Mühle an den Müllermeister Konrad von Würzburg verkaufte, dem die andere Hälfte der Mühle gehörte. Dieser verkaufte noch vor 1400 jene Hälfte der Mühle, die ihm bereits vorher gehört hatte, an seine Tochter Agnes. Durch einen Rückkauf im April 1400 kehrte sie in seinen Besitz zurück. Die Grundherrschaft über die Mühle teilten sich zu dieser Zeit das Zisterzienserinnenkloster St. Niklas, das im späteren [[Landstraße (Wien)|3. Wiener Gemeindebezirk]] reich begütert war, und Mert von Plankenstein. Meister Konrad dürfte als Müllermeister sehr erfolgreich gewesen sein. Nach seinem Tod erfuhr er eine gewisse Verehrung. Noch Jahre danach war seine Mühle als "Mühle des seligen Konrads von Würzburg" und dann als die Würzburgermühle" bekannt. Die Mühle dürfte zunächst im Besitz von seiner Familie geblieben sein.<ref name ="Lohmann20">vgl. Klaus Lohrmann: ''Die alten Mühlen an der Wien'', 1980, S. 20</ref> | Die Würzburgermühle bestand im 14. Jahrhundert aus zwei Teilbetrieben. Einer gehörte Heinrich "''dem Mukel''", der 1394 seine Hälfte der Mühle an den Müllermeister Konrad von Würzburg verkaufte, dem die andere Hälfte der Mühle gehörte. Dieser verkaufte noch vor 1400 jene Hälfte der Mühle, die ihm bereits vorher gehört hatte, an seine Tochter Agnes. Durch einen Rückkauf im April 1400 kehrte sie in seinen Besitz zurück. Die Grundherrschaft über die Mühle teilten sich zu dieser Zeit das [[Nikolaikloster (Wien 3)|Zisterzienserinnenkloster St. Niklas]], das im späteren [[Landstraße (Wien)|3. Wiener Gemeindebezirk]] reich begütert war, und Mert von Plankenstein. Meister Konrad dürfte als Müllermeister sehr erfolgreich gewesen sein. Nach seinem Tod erfuhr er eine gewisse Verehrung. Noch Jahre danach war seine Mühle als "Mühle des seligen Konrads von Würzburg" und dann als die Würzburgermühle" bekannt. Die Mühle dürfte zunächst im Besitz von seiner Familie geblieben sein.<ref name ="Lohmann20">vgl. Klaus Lohrmann: ''Die alten Mühlen an der Wien'', 1980, S. 20</ref> | ||
1467 gehörte die "Würzburgermühle", die nun "Radaunermühle" genannt wurde, Anna, der Ehefrau des späteren Wiener Bürgermeisters [[Leonhard Radauner|Lienhart Radauner]] († 1489), die sie in ihrem Testament dem Himmelpfortkloster zu Wien vermachte. Nach ihrem Tod missachtete ihr Ehemann diese Verfügung und verschrieb die Mühle stattdessen seiner zweiten Ehefrau Dorothea als Widerlage für deren Mitgift. Das Himmelpfortkloster protestierte dagegen, doch erst nach seinem Tod konnte es seine Ansprüche geltend machen und die Mühle in Besitz nehmen. Im Dezember 1491 wurde den Brüdern von Lienhart Radauner vom [[Friedrich III. (HRR)|Kaisers]] befohlen, ihre verwitwete Schwägerin mit der Rückzahlung ihrer Mitgift entschädigen. 1492 bestimmte der Kaiser dann, dass der Witwe für die Mühle ungenannter Ersatz zu stellen war. Letztmals ist die Mühle als "Paradeismühle" in einem Visitationsprotokoll aus dem Jahr 1577 genannt. Damals gehörte sie noch dem Himmelpfortkloster.<ref name ="Lohmann20"/> | 1467 gehörte die "Würzburgermühle", die nun "Radaunermühle" genannt wurde, Anna, der Ehefrau des späteren Wiener Bürgermeisters [[Leonhard Radauner|Lienhart Radauner]] († 1489), die sie in ihrem Testament dem [[Himmelpfortkloster]] zu Wien vermachte. Nach ihrem Tod missachtete ihr Ehemann diese Verfügung und verschrieb die Mühle stattdessen seiner zweiten Ehefrau Dorothea als Widerlage für deren Mitgift. Das Himmelpfortkloster protestierte dagegen, doch erst nach seinem Tod konnte es seine Ansprüche geltend machen und die Mühle in Besitz nehmen. Im Dezember 1491 wurde den Brüdern von Lienhart Radauner vom [[Friedrich III. (HRR)|Kaisers]] befohlen, ihre verwitwete Schwägerin mit der Rückzahlung ihrer Mitgift entschädigen. 1492 bestimmte der Kaiser dann, dass der Witwe für die Mühle ungenannter Ersatz zu stellen war. Letztmals ist die Mühle als "Paradeismühle" in einem Visitationsprotokoll aus dem Jahr 1577 genannt. Damals gehörte sie noch dem Himmelpfortkloster.<ref name ="Lohmann20"/> | ||
== Ungefähre Lage der Würzburgermühle == | == Ungefähre Lage der Würzburgermühle == | ||
Die Würzburgermühle befand sich etwas unterhalb des Schwarzenbergplatzes. Sie lag am Ufer des Mühlbachs, damals ein natürlicher Arm des Wienflusses, im "''Gereut'' vor dem Stubentor"<ref group="A">Das "''Gereut''" war im Spätmittelalter die Bezeichnung für die Gegend zwischen der späteren Stubentorbrücke und der Brücke vor dem Kärntnertor. Vgl. {{WiWi|Im_Gereut_(1)|Im Gereut (1)}}</ref>.<ref name ="Lohmann20"/> | Die Würzburgermühle befand sich etwas unterhalb des Schwarzenbergplatzes im Bereich des heutigen Stubenrings. Sie lag am Ufer des Mühlbachs, damals ein natürlicher Arm des Wienflusses, im "''Gereut'' vor dem Stubentor"<ref group="A">Das "''Gereut''" war im Spätmittelalter die Bezeichnung für die Gegend zwischen der späteren Stubentorbrücke und der Brücke vor dem Kärntnertor. Vgl. {{WiWi|Im_Gereut_(1)|Im Gereut (1)}}</ref>.<ref name ="Lohmann20"/> | ||
== Erinnerungen an die | == Erinnerungen an die Würzburgermühle == | ||
Die Würzburgermühle ist auf dem Plan von Bonifaz Wolmuet aus dem Jahr 1547 eingezeichnet.<ref name ="Lohmann">vgl. Klaus Lohrmann: ''Die alten Mühlen an der Wien'', 1980, S. 20, mit Planausschnitt, S. 15</ref> | Die Würzburgermühle ist auf dem Plan von Bonifaz Wolmuet aus dem Jahr 1547 eingezeichnet.<ref name ="Lohmann">vgl. Klaus Lohrmann: ''Die alten Mühlen an der Wien'', 1980, S. 20, mit Planausschnitt, S. 15</ref> | ||
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Aktuelle Version vom 16. November 2024, 20:41 Uhr
Die Würzburgermühle, später auch Radaunermühle und Paradeismühle genannt, ist eine abgegangene Mühle vor den Stadttoren von Wien.
Geschichte
Die Würzburgermühle bestand im 14. Jahrhundert aus zwei Teilbetrieben. Einer gehörte Heinrich "dem Mukel", der 1394 seine Hälfte der Mühle an den Müllermeister Konrad von Würzburg verkaufte, dem die andere Hälfte der Mühle gehörte. Dieser verkaufte noch vor 1400 jene Hälfte der Mühle, die ihm bereits vorher gehört hatte, an seine Tochter Agnes. Durch einen Rückkauf im April 1400 kehrte sie in seinen Besitz zurück. Die Grundherrschaft über die Mühle teilten sich zu dieser Zeit das Zisterzienserinnenkloster St. Niklas, das im späteren 3. Wiener Gemeindebezirk reich begütert war, und Mert von Plankenstein. Meister Konrad dürfte als Müllermeister sehr erfolgreich gewesen sein. Nach seinem Tod erfuhr er eine gewisse Verehrung. Noch Jahre danach war seine Mühle als "Mühle des seligen Konrads von Würzburg" und dann als die Würzburgermühle" bekannt. Die Mühle dürfte zunächst im Besitz von seiner Familie geblieben sein.[1]
1467 gehörte die "Würzburgermühle", die nun "Radaunermühle" genannt wurde, Anna, der Ehefrau des späteren Wiener Bürgermeisters Lienhart Radauner († 1489), die sie in ihrem Testament dem Himmelpfortkloster zu Wien vermachte. Nach ihrem Tod missachtete ihr Ehemann diese Verfügung und verschrieb die Mühle stattdessen seiner zweiten Ehefrau Dorothea als Widerlage für deren Mitgift. Das Himmelpfortkloster protestierte dagegen, doch erst nach seinem Tod konnte es seine Ansprüche geltend machen und die Mühle in Besitz nehmen. Im Dezember 1491 wurde den Brüdern von Lienhart Radauner vom Kaisers befohlen, ihre verwitwete Schwägerin mit der Rückzahlung ihrer Mitgift entschädigen. 1492 bestimmte der Kaiser dann, dass der Witwe für die Mühle ungenannter Ersatz zu stellen war. Letztmals ist die Mühle als "Paradeismühle" in einem Visitationsprotokoll aus dem Jahr 1577 genannt. Damals gehörte sie noch dem Himmelpfortkloster.[1]
Ungefähre Lage der Würzburgermühle
Die Würzburgermühle befand sich etwas unterhalb des Schwarzenbergplatzes im Bereich des heutigen Stubenrings. Sie lag am Ufer des Mühlbachs, damals ein natürlicher Arm des Wienflusses, im "Gereut vor dem Stubentor"[A 1].[1]
Erinnerungen an die Würzburgermühle
Die Würzburgermühle ist auf dem Plan von Bonifaz Wolmuet aus dem Jahr 1547 eingezeichnet.[2]
Literatur
- Klaus Lohrmann: Die alten Mühlen an der Wien (= (Wiener Bezirkskulturführer, H. 26). Verlag Jugend & Volk, Wien / München, 1980. ISBN 3-7141-6229-1. S. 20
Einzelnachweise
- ↑ Hochspringen nach: 1,0 1,1 1,2 vgl. Klaus Lohrmann: Die alten Mühlen an der Wien, 1980, S. 20
- ↑ vgl. Klaus Lohrmann: Die alten Mühlen an der Wien, 1980, S. 20, mit Planausschnitt, S. 15
Anmerkungen
- ↑ Das "Gereut" war im Spätmittelalter die Bezeichnung für die Gegend zwischen der späteren Stubentorbrücke und der Brücke vor dem Kärntnertor. Vgl. Gereut (1) Würzburgermühle im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien