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Am 22. August 1914 wurde Hermann gemeinsam mit dem spätere Abt [[w:Karl Braunstorfer|Karl Braunstorfer]] in Heiligenkreuz eingekleidet; beide legtn am 8. September 1918 die Feierliche Profess ab. Am 24. Februar 1919 wurden Bruckner und Braunstorfer von Weihbischof [[w:Josef Pfluger|Josef Pfluger]] zu Priestern geweiht. | |||
Nach zwei Jahren des seelsorglichen Einsatzes als Kooperator im Neukloster und der Wienerwaldgemeinde Alland wurde Bruckner Wirtschaftsadjunkt im September, 1921. Im Jahr darauf wurde er Hospitant des dritten Jahrgangs an der höheren landwirtschaftlichen Schule Francisco-Josephinum in Mödling und später ordentlicher Hörer. Die Hauptprüfung am 2. Juli 1924 bestand der mit Auszeichnung. Von 1924-1951 und 1958-1968 war er Ökonomiedirektor in Heiligenkreuz und von 1936 bis 1945 Zentraldirektor. Er war Administrator in Mönchhof 1938-1968 (ebendort wirkte er als Prior 1954-1969) und ebenso Administrator im Weingut [[w:Freigut Thallern|Freigut Thallern]] von 1945 bis 1969.<ref>Heiligenkreuz, Stiftsarchiv, Series Professorum Hlawatsch, Pars 2, Eintrag 77.</ref> | |||
== Persönlichkeit == | |||
In seinem Taschenterminkalender für 1966 trug Bruckner ein Kärtchen mit folgendem Spruchaufdruck: „Besitz verlockt zur Sünde, und die Anhäufung von Reichtümern entsittlicht den Menschen; nur die einfache Arbeit gibt Glück und Zufriedenheit.“<ref>Heiligenkreuz, Stiftsarchiv 5–RHB.</ref> Er war sein Leben lang ein überzeugter [[w:Abstinenzbewegung|Antialkoholiker]]: 1953 erhöhte er im Konvent von Heiligenkreuz das Weingeld auf ÖS 150,-, „so dass jeder sich bei Abstinenz mehr ersparen kann.“<ref>Brief von Bruckner an Weingartshofer, Durchschlag datiert 3. März 1953. Heiligenkreuz, Stiftsarchiv 50-18-64.</ref> | |||
== Bruckners Umgang mit verfolgten jüdischen Mitarbeitern des Stiftes == | |||
=== Fritz Kanitz, Trumau === | |||
P. Robert vermittelte im Sommer des Jahres 1938 ein Ansuchen der [[w:American Friends Service Committee|American Friends Service Committee]], den „nichtarischen Christen“ Fritz Kanitz in Trumau im Milch- und Futterwesen umzuschulen; dadurch sollte eine Auswanderung für den aus einer jüdischen Familie stammenden Kanitz erleichtert werden.<ref>Emma Cadbury an Robert Bruckner, getippte Korrespondenz vom 16. Aug. 1938. Heiligenkreuz, Stiftsarchiv 5–RHB.</ref> Im Dankesbrief für die Vermittlung erwähnt die Beauftragte des Friends Service Committees, Emma Cadbury, die „Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft“ des Zisterziensers. Ihre Zeilen weisen daraufhin, dass es im Vorfeld mehrere Gespräche zwischen den amerikanischen Quäkern und Bruckner gegeben hatte. | |||
Kanitz wurde am Leopolditag (15. November) 1938 nach [[w:Konzentrationslager Dachau|Dachau]] deportiert und starb dort am 12. Jänner 1939.<ref>[http://www.doew.at DÖW Auskunft, abgerufen am 13. Jänner 2016]</ref> Cadbury (1875-1965) war seit 1924 im Quäker Büro in der Singerstraße 16/2 in Wien aktiv. In den Jahren unmittelbar vor ihrer Abreise aus Wien (1938) war sie die treibende Kraft dieser karitativen Einrichtung, die sich ab dem März 1938 bewusst und intensiv um Hilfeleistungen für „nichtarische“ Personen bemühte.<ref>Hans Schmitt, Quakers and Nazis: Inner Light in Outer Darkness (Columbia [Missouri] 1997) 85-86; Cadbury Nachlass in Haverford College Libraries, Special Collections, Emma Cadbury Papers, Ms. Coll. 1017; Mary Hoxie Jones, Emma Cadbury and the Wider Quaker Fellowship, in: Friends Journal (15. Mai 1964), S. 223-224.</ref> Um die 10 Personen waren dort beschäftigt. | |||
Im Laufe ihrer Bemühungen hatten die Quäker feststellen müssen, dass sie ihre Schützlinge selten über konfessionelle Grenzen hinweg platzieren konnten. Zum Beispiel wollte der schwedische Gesandte in Wien ausschließlich Protestanten als Flüchtlinge aufnehmen.<ref>Protokoll der Besprechung vom 15. Mai 1939, Maschinenschrift. Philadelphia, AFSC Archives, General Files 1939, Foreign Service Austria. Letters from Austria; AFSC Büro an Fred Tritton (London) vom 20. Juni 1938.</ref> | |||
=== Ludwig Engel, Mönchhof === | |||
Engel, ein Jude tschechoslowakischer Herkunft, war seit 1926 Pächter eines landwirtschaftlichen Hofes 5 km nordöstlich von der dem Stift Heiligenkreuz inkorporierten Pfarre [[w:Mönchhof|Mönchhof]], die im Mittelalter als [[w:Grangie|Grangie]] genutzt wurde und seither eine erhebliche ökonomische Bedeutung für das Wienerwaldkloster hatte. Durch die von Engel im Jahr 1927 errichtete Spiritus-Brennerei erreichte der Hof einen betrieblichen Aufschwung; ebenso steigerten sich die Arbeitsplätze. Die Anzahl der Hofbewohner war im Jahr vor Engels Übernahme 130; bis 1934 hatte sich die Zahl auf 180 vermehrt; für Kinder wurde eine Schulhaus mit einem Klassenzimmer am Hof errichtet; für den Erhalt war der Pächter zuständig. Zu dieser Zeit wurde in der Arbeiterbaracke wurde sonntags eine Messe gefeiert.<ref>Brettl, Meierhöfe Bezirk Neusiedl 129-140, Statistik auf 132.</ref> | |||
Die Betriebsführung ging mit Engels erzwungener Ausreise im Jahr 1938 wieder an das Stift Heiligenkreuz, allerdings ohne wirtschaftlichen Vorteil für das Kloster. Engel wurde Anfang Mai 1938 verhaftet und bis Ende Dezember 1938 zunächst in Eisenstadt, später in Wien inhaftiert. P. Robert Bruckner hat ihn in beiden Haftorten besucht und bei der Gestapo für seine Freilassung erfolglos interveniert.<ref>Zeugenaussage Konzept vom Juni 1962. Heiligenkreuz, Stiftsarchiv 50-18-5.</ref> | |||
Die Engel Familie ließ sich zunächst auf einem Bauernhof in Ungarn nieder, doch wurde die Familie nach einigen Jahren von dort in das Deportationslager für Juden in [[w:Kistarcsa|Kistarcsa]] bei Budapest verschleppt. Die Familie wurde getrennt und in Ungarn zerstreut, nach dem Krieg vereinigten sie sich in Budapest, zogen in die Slowakei und von dort im November 1948 in die Vereinigten Staaten. Sie ließen sich auf einem Bauernhof in New Berlin, New York nieder, wo sie als Eigentümer und Bauern noch 20 Jahre wirkten.<ref>[https://collections.ushmm.org/search/catalog/pa1165772 Foto der Familie in New York]</ref> | |||
Das Stift Heiligenkreuz bezahlte dem ehemaligen Pächter eine finanzielle Starthilfe in New York im Wert von US $ 3.000. Abt Karl Braunstorfer schrieb Engel im Herbst 1948 darüber; der Briefverkehr erstreckte sich über einige Wochen und ergab bald eine Überweisung.<ref>Heiligenkreuz, Stiftsarchiv R50-18-112.</ref> Bruckners Korrespondenz mit Engel setzte sich bin in die 1960er-Jahre fort. | |||
== Literatur == | == Literatur == |
Version vom 13. August 2019, 07:15 Uhr
Pater Robert Hermann Bruckner O.Cist. (* 3. Juli 1895 in Haslach an der Mühl; † 21. Juni 1969 in Wien), war Priestermönch des Stiftes Heiligenkreuz, Zentraldirektor der Stiftsökonomie und Prior in Mönchhof.
Herkunft und Familie
Bruckner kam aus einer außerordentlich kirchlich gesinnten, oberösterreichischen Bauernfamilie unweit vom Stift Schlägl. Sein leiblicher Bruder, P. Ferdinand Bruckner, trat vor ihm in das niederösterreichische Stift Heiligenkreuz ein, was wahrscheinlich den Anlass dafür gab, dass Hermann zum Gymnasium nach Wiener Neustadt geschickt wurde und im zu Heiligenkreuz gehörenden Neukloster wohnte.
Zusätzlich zu den zwei Zisterzienserpatres wurde ein dritter Sohn aus der Familie Jesuit und wirkte in China als Missionar.
Leben
Am 22. August 1914 wurde Hermann gemeinsam mit dem spätere Abt Karl Braunstorfer in Heiligenkreuz eingekleidet; beide legtn am 8. September 1918 die Feierliche Profess ab. Am 24. Februar 1919 wurden Bruckner und Braunstorfer von Weihbischof Josef Pfluger zu Priestern geweiht.
Nach zwei Jahren des seelsorglichen Einsatzes als Kooperator im Neukloster und der Wienerwaldgemeinde Alland wurde Bruckner Wirtschaftsadjunkt im September, 1921. Im Jahr darauf wurde er Hospitant des dritten Jahrgangs an der höheren landwirtschaftlichen Schule Francisco-Josephinum in Mödling und später ordentlicher Hörer. Die Hauptprüfung am 2. Juli 1924 bestand der mit Auszeichnung. Von 1924-1951 und 1958-1968 war er Ökonomiedirektor in Heiligenkreuz und von 1936 bis 1945 Zentraldirektor. Er war Administrator in Mönchhof 1938-1968 (ebendort wirkte er als Prior 1954-1969) und ebenso Administrator im Weingut Freigut Thallern von 1945 bis 1969.[1]
Persönlichkeit
In seinem Taschenterminkalender für 1966 trug Bruckner ein Kärtchen mit folgendem Spruchaufdruck: „Besitz verlockt zur Sünde, und die Anhäufung von Reichtümern entsittlicht den Menschen; nur die einfache Arbeit gibt Glück und Zufriedenheit.“[2] Er war sein Leben lang ein überzeugter Antialkoholiker: 1953 erhöhte er im Konvent von Heiligenkreuz das Weingeld auf ÖS 150,-, „so dass jeder sich bei Abstinenz mehr ersparen kann.“[3]
Bruckners Umgang mit verfolgten jüdischen Mitarbeitern des Stiftes
Fritz Kanitz, Trumau
P. Robert vermittelte im Sommer des Jahres 1938 ein Ansuchen der American Friends Service Committee, den „nichtarischen Christen“ Fritz Kanitz in Trumau im Milch- und Futterwesen umzuschulen; dadurch sollte eine Auswanderung für den aus einer jüdischen Familie stammenden Kanitz erleichtert werden.[4] Im Dankesbrief für die Vermittlung erwähnt die Beauftragte des Friends Service Committees, Emma Cadbury, die „Liebenswürdigkeit und Hilfsbereitschaft“ des Zisterziensers. Ihre Zeilen weisen daraufhin, dass es im Vorfeld mehrere Gespräche zwischen den amerikanischen Quäkern und Bruckner gegeben hatte. Kanitz wurde am Leopolditag (15. November) 1938 nach Dachau deportiert und starb dort am 12. Jänner 1939.[5] Cadbury (1875-1965) war seit 1924 im Quäker Büro in der Singerstraße 16/2 in Wien aktiv. In den Jahren unmittelbar vor ihrer Abreise aus Wien (1938) war sie die treibende Kraft dieser karitativen Einrichtung, die sich ab dem März 1938 bewusst und intensiv um Hilfeleistungen für „nichtarische“ Personen bemühte.[6] Um die 10 Personen waren dort beschäftigt.
Im Laufe ihrer Bemühungen hatten die Quäker feststellen müssen, dass sie ihre Schützlinge selten über konfessionelle Grenzen hinweg platzieren konnten. Zum Beispiel wollte der schwedische Gesandte in Wien ausschließlich Protestanten als Flüchtlinge aufnehmen.[7]
Ludwig Engel, Mönchhof
Engel, ein Jude tschechoslowakischer Herkunft, war seit 1926 Pächter eines landwirtschaftlichen Hofes 5 km nordöstlich von der dem Stift Heiligenkreuz inkorporierten Pfarre Mönchhof, die im Mittelalter als Grangie genutzt wurde und seither eine erhebliche ökonomische Bedeutung für das Wienerwaldkloster hatte. Durch die von Engel im Jahr 1927 errichtete Spiritus-Brennerei erreichte der Hof einen betrieblichen Aufschwung; ebenso steigerten sich die Arbeitsplätze. Die Anzahl der Hofbewohner war im Jahr vor Engels Übernahme 130; bis 1934 hatte sich die Zahl auf 180 vermehrt; für Kinder wurde eine Schulhaus mit einem Klassenzimmer am Hof errichtet; für den Erhalt war der Pächter zuständig. Zu dieser Zeit wurde in der Arbeiterbaracke wurde sonntags eine Messe gefeiert.[8] Die Betriebsführung ging mit Engels erzwungener Ausreise im Jahr 1938 wieder an das Stift Heiligenkreuz, allerdings ohne wirtschaftlichen Vorteil für das Kloster. Engel wurde Anfang Mai 1938 verhaftet und bis Ende Dezember 1938 zunächst in Eisenstadt, später in Wien inhaftiert. P. Robert Bruckner hat ihn in beiden Haftorten besucht und bei der Gestapo für seine Freilassung erfolglos interveniert.[9] Die Engel Familie ließ sich zunächst auf einem Bauernhof in Ungarn nieder, doch wurde die Familie nach einigen Jahren von dort in das Deportationslager für Juden in Kistarcsa bei Budapest verschleppt. Die Familie wurde getrennt und in Ungarn zerstreut, nach dem Krieg vereinigten sie sich in Budapest, zogen in die Slowakei und von dort im November 1948 in die Vereinigten Staaten. Sie ließen sich auf einem Bauernhof in New Berlin, New York nieder, wo sie als Eigentümer und Bauern noch 20 Jahre wirkten.[10]
Das Stift Heiligenkreuz bezahlte dem ehemaligen Pächter eine finanzielle Starthilfe in New York im Wert von US $ 3.000. Abt Karl Braunstorfer schrieb Engel im Herbst 1948 darüber; der Briefverkehr erstreckte sich über einige Wochen und ergab bald eine Überweisung.[11] Bruckners Korrespondenz mit Engel setzte sich bin in die 1960er-Jahre fort.
Literatur
- Ela Hornung–Ernst Langthaler–Sabine Schweitzer, Zwangsarbeit in der Landwirtschaft, in: Die deutsche Kriegsgesellschaft 1939 bis 1945, herausgegeben von Jörg Echternkamp (Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg 9/2, München 2005), 577–666.
- Eleonore Lappin-Eppel, Ungarisch-Jüdische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen in Österreich 1944/45. Arbeitseinsatz – Todesmärsche – Folgen (Austria: Forschung und Wissenschaft Geschichte 3, Wien 2010).
- Herbert Brettl, Von Albrechtsfeld bis Ziegelhof. Die Meierhöfe im Bezirk Neusiedl am See (Halbturn 2009) [der Heiligenkreuzer Besitz Edmundshof auf 129-140.
- Placide Vernet, Als „Zwangsarbeiter“ in Österreich. Erinnerungen an die Begegnung mit Heiligenkreuz. Sancta Crux 61/117 (2000) 207–215.
- Österreichs Stifte unter dem Hakenkreuz. Zeugnisse und Dokumente aus der Zeit des Nationalsozialismus 1938 bis 1945, zusammengestellt und bearbeitet von Sebastian Bock, hrsg. von der Österreichischen Superiorenkonferenz (Ordensnachrichten 34/4A, Wien 1995) 83-86.
Einzelnachweise
- ↑ Heiligenkreuz, Stiftsarchiv, Series Professorum Hlawatsch, Pars 2, Eintrag 77.
- ↑ Heiligenkreuz, Stiftsarchiv 5–RHB.
- ↑ Brief von Bruckner an Weingartshofer, Durchschlag datiert 3. März 1953. Heiligenkreuz, Stiftsarchiv 50-18-64.
- ↑ Emma Cadbury an Robert Bruckner, getippte Korrespondenz vom 16. Aug. 1938. Heiligenkreuz, Stiftsarchiv 5–RHB.
- ↑ DÖW Auskunft, abgerufen am 13. Jänner 2016
- ↑ Hans Schmitt, Quakers and Nazis: Inner Light in Outer Darkness (Columbia [Missouri] 1997) 85-86; Cadbury Nachlass in Haverford College Libraries, Special Collections, Emma Cadbury Papers, Ms. Coll. 1017; Mary Hoxie Jones, Emma Cadbury and the Wider Quaker Fellowship, in: Friends Journal (15. Mai 1964), S. 223-224.
- ↑ Protokoll der Besprechung vom 15. Mai 1939, Maschinenschrift. Philadelphia, AFSC Archives, General Files 1939, Foreign Service Austria. Letters from Austria; AFSC Büro an Fred Tritton (London) vom 20. Juni 1938.
- ↑ Brettl, Meierhöfe Bezirk Neusiedl 129-140, Statistik auf 132.
- ↑ Zeugenaussage Konzept vom Juni 1962. Heiligenkreuz, Stiftsarchiv 50-18-5.
- ↑ Foto der Familie in New York
- ↑ Heiligenkreuz, Stiftsarchiv R50-18-112.