Anton Grimm
Philipp Anton Grimm (* 21. Juni 1782 in Neckarbischofsheim, Großherzogtum Baden; † 7. Februar 1856 in Fischamend, Erzherzogtum Österreich unter der Enns, Kaisertum Österreich) war ein deutsch-österreichischer Zimmermann, Mühlenbauer, Müller, Erfinder und Unternehmer.
Leben
Anton Grimm kam im Sommer 1782 als Sohn des Müllermeisters Anton Grimm und seiner Gattin Katharina geb. Fuchs in Neckarbischofsheim im damaligen Großherzogtum Baden zur Welt und wurde in der dortigen Pfarrkirche nach römisch-katholischem Ritus getauft. Sein Vater verstarb noch vor seiner Geburt, sodass ihm seine Mutter allein großziehen musste. Die frühe Vaterlosigkeit prägte seine Jugend, aber sie hinderte ihn nicht daran, einen handwerklichen Weg einzuschlagen. Schon als junger Mann zeigte er großes technisches Interesse und handwerkliches Geschick, sodass er sich entschloss, in Heidelberg eine Ausbildung zum Zimmermann und Mühlenbauer zu absolvieren.
Wie damals üblich, begab sich Grimm nach Abschluss seiner Lehre auf die Walz. Seine Reise führte ihn zunächst in die Schweiz, wo er praktische Erfahrungen sammelte und sein technisches Wissen vertiefte. Im Jahr 1809 erreichte er schließlich Wien, das damals ein Zentrum für Handwerk, Handel und technische Innovation war. Da er sich auf das Reparieren und Optimieren von Mühlen spezialisiert hatte, bezeichnete er sich selbst als „Mühlenarzt“.
Nachdem Grimm in Wien angekommen war und rasch eine Arbeit gefunden hatte, wurde er schließlich nach Fischamend gerufen, wo er die Leitung einer Zimmerei in Schwadorf übernahm, die der Witwe Julie Konrad gehörte. Sie war zuvor mit zwei Zimmermeistern verheiratet gewesen und hatte vier Kinder. Grimm bewährte sich als äußerst fähiger und innovativer Zimmermeister und Mühlenbauer. Nach dem Tod der Zimmereibesitzerin ehelichte er am 6. Mai 1821 deren älteste Tochter aus erster Ehe, Elisabeth Pertl (1797–1851)[1] welche ihm sieben Töchter und zwei Söhne schenkte.
Gemeinsam mit seinen Schwägern führte er den Betrieb weiter, baute ihn erheblich aus, betrieb zwei Mühlen an der Fischa und kaufte 1836 die Winkelmühle in Traun, welche er gemeinsam mit dem Schweizer Spinnerei-Experten Rudolf Müller zu einer Spinnfabrik umfunktionierte.
Anton Grimm starb im Februar 1856 in Fischamend, wo er den Großteil seines Lebens verbracht und gewirkt hatte und wurde auf dem dortigen Friedhof zur letzten Ruhe bestattet[2]. Seinen Betrieb, die sich auf Mühlenbau spezialisiert hatte und zu dem auch ein großer Landwirtschaftsbetrieb gehörte, wurde nach seinem Tod von seinem Sohn, dem Zimmer- und Werkbaumeister Julius Anton Grimm (1833-1894) fortgeführt.
Sein Name blieb in der Region als Synonym für handwerkliche Qualität, technische Innovation und unternehmerischen Mut erhalten.
Erfindungen
Anton Grimm entwickelte mehrere technische Neuerungen, die in der Region und darüber hinaus Beachtung fanden:
- Automatische Getreidezufuhr - Eine Vorrichtung, die den Mühlentrichter selbstständig mit Getreide befüllte — eine erhebliche Arbeitserleichterung und Effizienzsteigerung
- Ziegelaufzug für Hochbauten - Ein mechanischer Aufzug, der als eine Art frühes Förderband funktionierte und den Transport von Baumaterialien erleichterte
- Dem „Holländer“ für die Papierherstellung - Ein Gerät zur Zerkleinerung und Aufbereitung von Faserstoffen, das u. a. in der Papierfabrik Schlöglmühl in Klein-Neusiedl eingesetzt wurde.
- „Wasserbagger“ - einer Maschine zur Räumung von Kanälen. Dafür erhielt er 1831 ein kaiserliches Patent. Der Wasserbagger fand u. a. bei der Kaiser-Ferdinands-Wasserleitung Verwendung.
- Mehlbeutelmaschine (Beuteltambour) - mit der Maschine konnten mehrere Sorten Mehl ausgesondert werden. Die Maschine wurde auf der Ersten österreichischen Gewerbeproduktenausstellung im Jahre 1835 ausgestellt
Literatur
- Österreichisches Biographisches Lexikon > Webseite
- Eintrag zu Anton Grimm in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online
- Graumann > Webseite