Bartenbach GmbH

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Bartenbach GmbH
Rechtsform GmbH
Gründung 1960
Sitz Wattens, Tirol
Mitarbeiter ca. 100 (2021)
Umsatz ca. 10 Mio. Euro (2021)
Branche Lichtplanung, Lichtforschung
Website https://www.bartenbach.com/
Stand: 2026 Vorlage:Infobox Unternehmen/Wartung/Stand 2026

Die Bartenbach GmbH ist ein Tiroler Unternehmen für Lichtplanung, Lichtforschung und Leuchtenentwicklung mit Sitz in Wattens in Tirol.

Das Unternehmen gilt als Pionier der modernen Lichtplanung und entwickelte mit der Dark-Light-Technik (1964) die erste blendfreie Beleuchtungstechnologie, die heute internationaler Industriestandard ist.[1] Seit 2021 gehört die Mehrheit der Unternehmensanteile zum Tiroler Leuchtenhersteller Eglo.[2]

Geschichte

Gründung und Anfänge (1960–1988)

Die Unternehmensgeschichte begann 1960, als Christian Bartenbach gemeinsam mit seinem Bruder Adolf Bartenbach die „Leuchtenfabrik Bartenbach Lichtsysteme" in Innsbruck gründete.[3] Bereits 1964 gelang mit der Entwicklung der Dark-Light-Technik der technologische Durchbruch. Die blendfreie Spiegelrasterleuchte erlebte während der Energiekrise der 1970er Jahre ihren kommerziellen Erfolg, da sie bei gleichem Lichtertrag weniger Energie benötigte.[4]

1976 gründete Christian Bartenbach in München das Planungsbüro „Lichtplanung Christian Bartenbach", das sich – anders als bisherige Leuchtenhersteller – ausschließlich mit herstellerunabhängiger Lichtplanung für die architektonische Gestaltung von Innen- und Außenräumen befasste.

Bartenbach LichtLabor (1989–2012)

1989 wurde das neue Stammhaus, das „Bartenbach LichtLabor", in Aldrans bei Innsbruck eröffnet. Das vom Architekten Josef Lackner entworfene Gebäude – ein Rundbau, der als architektonische Tageslichtskulptur konzipiert wurde – beherbergt den „Künstlichen Himmel" sowie Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Die Deutsche BauZeitschrift beschrieb es als „weltweit größtes Lichtplanungsbüro".[5] 2002 wurde mit Unterstützung der österreichischen Bundesregierung gemeinsam mit Zumtobel und Osram das Kompetenznetzwerk Licht gegründet, eine Forschungs- und Entwicklungseinrichtung für angewandte Lichtforschung.[6] 2003 folgte die Gründung der Lichtakademie Bartenbach. Gründungsmitglieder waren neben Christian Bartenbach der Kameramann Christian Berger, der Architekt Volker Giencke und Dieter Lorenz.[7]

2007 übergab der Gründer Christian Bartenbach die Unternehmensleitung an seinen Sohn Christian Bartenbach jun.[2]

Bartenbach GmbH (seit 2013)

2013 wurde das Unternehmen von „Bartenbach LichtLabor GmbH" in „Bartenbach GmbH" umbenannt und in die Divisionen Bartenbach lighting design und Bartenbach research & development gegliedert.[8] Im August 2021 erwarb der Tiroler Wohnraumleuchten-Hersteller Eglo die Mehrheit der Anteile an der Bartenbach-Gruppe. Das Unternehmen bleibt als eigenständiger und herstellerunabhängiger Dienstleister mit rund 100 Mitarbeitern bestehen.[2][9]

2024 verlegte das Unternehmen seinen Hauptsitz von Aldrans nach Wattens in ein ehemaliges Gebäude von Swarovski.[10]

Bedeutung für die Lichtplanungsbranche

Bartenbach gilt als Wegbereiter der Lichtplanung als eigenständige Fachdisziplin. Vor der Gründung des Unternehmens existierte Lichtplanung in der Architektur kaum als eigenständiges Berufsfeld; die Beleuchtung wurde meist von Elektrikern oder Architekten nebenbei geplant. Die Zeit beschrieb Christian Bartenbach 1998 als Spezialisten, der „für Moscheen und Museen, Parlamente und Paläste in aller Welt die optimale Beleuchtung ertüftelt".[11]

Technische Innovationen

Die 1964 entwickelte Dark-Light-Technik (Spiegelrasterleuchte) setzte erstmals den Grundsatz „Licht ohne Blendung" technisch um. Bei dieser patentierten Reflektortechnik wird der Betrachter weder von der Lichtquelle noch von deren Spiegelbild im Reflektor geblendet. Das Österreichische Patentamt würdigte diese Erfindung 2018 als Durchbruch, der Schulen, Flughäfen und Operationssäle auf der ganzen Welt erhellte und die Arbeitsbedingungen in Büros grundlegend verbesserte. Die Spiegelrasterleuchte wurde zum Vorbild für die gesamte Leuchtenindustrie.[1][12]

Akademische Ausbildung

Mit der Gründung der Lichtakademie Bartenbach 2003 etablierte das Unternehmen erstmals einen akademischen Ausbildungsweg zum Lichtgestalter im deutschsprachigen Raum. In Kooperation mit der [w:Universität Innsbruck]] wurde über mehr als zehn Jahre der Universitätslehrgang mit dem Abschluss „Master of Light and Lighting" (MLL) angeboten. Dies trug wesentlich zur Professionalisierung und Anerkennung des Berufsbildes Lichtdesigner bei.[13]

Einfluss auf die Filmindustrie

In Zusammenarbeit mit dem österreichischen Kameramann Christian Berger entwickelte Bartenbach ab 2001 das Cine Reflect Lighting System (CRLS). Das System überträgt Prinzipien der architektonischen Lichtlenkung auf die Filmbeleuchtung: Mit einer einzigen Lichtquelle und speziellen Reflektoren (Paniflectors) werden organische Lichtstimmungen erzeugt, die nur ein Zehntel der üblichen Wattzahl benötigen. Das CRLS kam bei mehreren international beachteten Filmproduktionen zum Einsatz, darunter Michael Hanekes Das weiße Band (2009), für dessen Kameraarbeit Christian Berger eine Oscar-Nominierung und den ASC Award erhielt, sowie Happy End (2017).[14][15]

Forschungstätigkeit

Anders als die meisten Lichtplanungsbüros verfügt Bartenbach über eine eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilung mit interdisziplinären Teams aus Physikern, Psychologen, Architekten und Ingenieuren.[16] Die Forschungsaktivitäten werden regelmäßig durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert; in der FFG-Projektdatenbank sind mehr als 20 Projekte mit Bartenbach-Beteiligung verzeichnet.[17]

Lichtplanungsprojekte (Auswahl)

Das Unternehmen wurde für zahlreiche internationale Großprojekte als Lichtplaner beauftragt:

  • Royal Clock Tower Mekka (Saudi-Arabien): Für das mit 601 Metern zweithöchste Gebäude der Welt entwickelte Bartenbach in einem fünfjährigen Prozess die Lichttechnik für die vier Ziffernblätter (je über 40 Meter Durchmesser) und die Medienfassaden. Die Beleuchtung mit rund zwei Millionen LEDs ist aus acht Kilometern Entfernung sichtbar.[18][19]
  • Changi Airport (Singapur): Beleuchtungskonzept für einen der meistfrequentierten Flughäfen der Welt[3]
  • Olympische Sommerspiele 2012 (London): Lichtplanung für Teilbereiche der Olympischen Spiele[3]
  • Design Center Linz: Tageslichtführung, die als Referenzprojekt für die Integration von Tageslicht in Museumsarchitektur gilt[5]
  • Sheikh Zayed Desert Learning Center (Abu Dhabi): Ausgezeichnet mit dem Austrian Green Planet Building Award 2018[20]
  • Nørreport Station (Kopenhagen): LILA 2017 Public Choice Award, Dänischer Lichtpreis 2016, WAN Award 2016[21]
  • Psychiatrische Klinik Slagelse in Dänemark): MIPIM Award 2017, AR Healthcare Award 2016 – Referenzprojekt für therapeutische Lichtplanung[8]
  • Klubhaus St. Pauli (Hamburg in Deutschland): Deutscher Lichtdesign-Preis 2017, BDA Hamburg Architektur Preis, Medien-Architektur-Preis Sydney 2016[8]

Auszeichnungen (Auswahl)

Unternehmensauszeichnungen

  • 2014: Prix Lumière SLG
  • 2015: Iconic Awards Winner, European Steel Design Award
  • 2016: Dänischer Lichtpreis[22], AR Healthcare Award, WAN Award
  • 2017: LILA Public Choice Award[21], MIPIM Award
  • 2018: Austrian Green Planet Building Award[20]
  • 2021–2024: Mehrfach Deutscher Lichtdesign-Preis, darunter Lichtdesigner des Jahres (2021)[23][24]

Publikationen

Aus dem Unternehmen sind mehrere Standardwerke zur Lichtgestaltung hervorgegangen:

  • Christian Bartenbach: Licht: Meine Erkenntnisse. Birkhäuser, Basel 2022, ISBN 978-3-0356-2293-5.
  • Christian Bartenbach, Walter Witting: Handbuch für Lichtgestaltung. Lichttechnische und wahrnehmungspsychologische Grundlagen. Springer, Wien, ISBN 978-3-211-75779-6.
  • Walter Witting: Licht. Sehen. Gestalten. Birkhäuser, ISBN 978-3-99043-658-5.
  • Christa Klingler (Hrsg.): Christian Bartenbach: Ein Meister des Lichts. Biografie. Müry Salzmann, Salzburg 2015, ISBN 978-3-99014-113-7.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Staatspreis Patent: Tiroler Lichtpionier Bartenbach für Lebenswerk ausgezeichnet. In: OTS. 8. November 2018, abgerufen am 18. Jänner 2026.
  2. 2,0 2,1 2,2 Deal fixiert: Tiroler Eglo Leuchten kauft Licht-Pionier Bartenbach. In: Tiroler Tageszeitung. 26. August 2021, abgerufen am 18. Jänner 2026.
  3. 3,0 3,1 3,2 Lichtpionier Christian Bartenbach gestorben. In: ORF Tirol. 12. August 2025, abgerufen am 18. Jänner 2026.
  4. in memoriam christian bartenbach – meister des lichts! (1930–2025). In: aut. architektur und tirol. Abgerufen am 18. Jänner 2026.
  5. 5,0 5,1 Christian Bartenbach (1930-2025). In: Deutsche BauZeitschrift. 2025, abgerufen am 18. Jänner 2026.
  6. Kompetenzentrum Licht. Abgerufen am 18. Jänner 2026 (deutsch).
  7. Bartenbach Academy. Abgerufen am 18. Jänner 2026.
  8. 8,0 8,1 8,2 Unsere Historie. In: Bartenbach GmbH. Abgerufen am 18. Jänner 2026.
  9. Eglo übernimmt Mehrheitsanteile der Bartenbach-Gruppe. In: HIGHLIGHT. 1. September 2021, abgerufen am 18. Jänner 2026.
  10. Stefan Lindner; tirol.ORF.at: Bartenbach bezieht Ex-Swarovski-Quartier. 6. Oktober 2023, abgerufen am 18. Jänner 2026 (deutsch).
  11. Uwe Prieser: Für Moscheen und Museen, Parlamente und Paläste in aller Welt ertüftelt Christian Bartenbach die optimale Beleuchtung. In: Die Zeit, 1998.
  12. Staatspreis Patent 2018. In: Österreichisches Patentamt. Abgerufen am 18. Jänner 2026.
  13. Why Michael Haneke's Cinematographer Christian Berger Invented Analog Tech to Preserve Natural Light. In: No Film School. 22. Dezember 2017, abgerufen am 18. Jänner 2026.
  14. Black and White In Color. In: ICG Magazine. 4. Juni 2014, abgerufen am 18. Jänner 2026.
  15. Bartenbach: Planerische Lösungen im Tages- und Kunstlichtbereich. In: Stylepark. Abgerufen am 18. Jänner 2026.
  16. Bartenbach GmbH – Projektbeteiligungen. In: FFG Projektdatenbank. Abgerufen am 18. Jänner 2026.
  17. The story of the Mekka Clock Tower. In: Bartenbach GmbH. 26. Juni 2025, abgerufen am 18. Jänner 2026.
  18. Tiroler Firma lässt weltgrößte Uhr in Mekka erleuchten. In: Kronen Zeitung. Krone Multimedia GmbH & Co. KG, 8. Oktober 2011, abgerufen am 18. Jänner 2026 (deutsch).
  19. 20,0 20,1 Sheikh Zayed Desert Learning Center. In: Austrian Green Planet Award. Austrian Green Planet Building, 2018, abgerufen am 18. Jänner 2026 (deutsch).
  20. 21,0 21,1 Nørreport Station. In: Landezine International Landscape Award. Landezine Media, 2017, abgerufen am 18. Jänner 2026 (english).
  21. Dänischer Preis für Tiroler Unternehmen. In: Die Presse. "Die Presse" Verlags-Gesellschaft m.b.H. & Co KG, 13. März 2018, abgerufen am 18. Jänner 2026 (deutsch).
  22. Bartenbach GmbH - Lichtdesign-Preis - Lichtdesign-Preis. In: Der deutsche Lichtdesign-Preis. Hüthig GmbH, 2021, abgerufen am 18. Jänner 2026 (deutsch).
  23. Lichtdesign-Preis 2023: Bartenbach erhält Auszeichnung. In: sicht & sonnenschutz. Holzmann Medien GmbH & Co. KG, 8. Mai 2023, abgerufen am 18. Jänner 2026 (deutsch).