Franz Werndl


Franz de Paula Werndl (* 30. März 1833 in Steyr, Erzherzogtum Österreich ob der Enns, Kaisertum Österreich; † 21. Dezember 1907 ebenda, Österreich-Ungarn) war ein österreichischer Industrieller aus Steyr, der vor allem als Drahtstift und Drahtwarenfabrikant sowie als Bruder des berühmten Waffenfabrikanten Josef Werndl bekannt wurde.
Leben
Franz Werndl entstammte einer seit Ende des 17. Jahrhunderts alteingesessenen Steyrer Schmiedemeisterfamilie und kam 1833, zur Zeit des österreichischen Biedermeier, als Sohn des Nägelschmiedmeisters Leopold Werndl und dessen Gattin Josefa in Steyr zur Welt[1]. Nach seiner Grundausbildung war er zunächst mit seinen Brüdern in der elterlichen Schmiede tätig und heiratete im September 1858 seine Braut Anna geb. Brandstetter, einer Müllermeisterstochter in der Stadtpfarrkirche von Steyr[2], die ihm acht Kinder gebar.
Anno 1863 machte er sich selbständig und gründete in Unterhimmel bei Steyr einen Drahtzug und ein Walzwerk. Ausschlaggebend für den Standort war die dort verfügbare Wasserkraft. Am 7. November 1868 erfolgte die Eintragung seiner Firma in das Steyrer Handelsregister[3]. Das Unternehmen umfasste mehrere Standorte in Steyr: Unterhimmel, Hammerschmiedberg, Sierninger Straße und Schleifergasse. Produziert wurden Gewehr-Bajonette[4], gewalztes Eisen, Stahldraht, Nägel, Schrauben, Bohrer und Schuhmacherwerkzeug.
Im Jahre 1867 wurde Franz Werndl in den Steyrer Gemeinderat gewählt und 1870 erfolgte seine Ernennung zum Schützenmeister-Stellvertreter der Schützengesellschaft Steyr. In den 1880er Jahren erzeugte seine Firma mit rund 40 Mitarbeitern jährlich über 665 Tonnen Eisen- und Stahlprodukte. Am 10. Jänner 1887 brannte das Werndl’schte Walzwerk fast vollständig ab - man wartete vergeblich auf die Feuerwehr. Danach erhob Franz Werndl sein Werk zur neuen Blüte, dessen Belegschaft drei Jahre später 78 Personen umfasste.
Nach seiner Pensionierung 1894 übergab Franz Werndl seinen Betrieb an seine Kinder, allen voran seinem Sohn Viktor Werndl, welcher die Firma als Kommanditgesellschaft laut Eintrag im Handelsregister Steyr weiterführten[5]. Franz Werndl verstarb nach langem schwerem Leiden im Dezember 1907 im 75. Lebensjahr in seinem Haus in Unterhimmel und wurde auf dem Steyrer Taborfriedhof im Beisein regionaler Honoratioren zur letzten Ruhe bestattet[6][7].
Fazit
Franz Werndl war nicht so international bekannt wie sein Bruder Josef, doch spielte er eine wichtige Rolle in der regionalen Industrialisierung Steyrs. Seine Draht- und Walzwerke ergänzten die Waffenproduktion der Stadt und trugen zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region bei. Er gehörte zu jener Unternehmergeneration, die Steyr im 19. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Industriestandorte der k. k. Monarchie machte.
Literatur
- Franz Werndl, Bruder von Josef Werndl. Walzwerk und Drahtzugfabrik in Unterhimmel In: eisenwurzen.info
- Werndl, Franz in der Deutschen Biographie
- Geni > Webseite
Einzelnachweise
- ↑ Steyr, Vorstadtpfarre Sankt Michael – Taufbuch, Duplikate 1833
- ↑ Steyr, Stadtpfarre – Trauungen, Duplikate 1858
- ↑ Firma - Protokollierungen. In: Wiener Zeitung, 15. November 1868, S. 26 (online bei ANNO).
- ↑ Ausschließende Privilegien. In: Wiener Zeitung, 5. Juli 1868, S. 19 (online bei ANNO).
- ↑ Aus dem Amtsblatte. In: Tages-Post, 24. August 1894, S. 5 (online bei ANNO).
- ↑ Steyr, Vorstadtpfarre Sankt Michael – Totenbuch, Duplikate 1907 (pag.255)
- ↑ Artikel in: Tages-Post, 22. Dezember 1907, S. 4 (online bei ANNO).
Weblinks
Franz Werndl – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons