Gaflunatal

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Luftbild Gaflunatal (Herbst 2014)

Das Gaflunatal (früher: Kafflunatal bzw. heute auch Rindertal) ist ein rund sechseinhalb Kilometer langes Trogtal in der Gemeinde Silbertal in Vorarlberg.

Lage und Ausrichtung

Das Gaflunatal ist ein rund sechseinhalb Kilometer langes Trogtal mit einer Fläche von rund 14,5 km², das durch den Talgletscher vor etwa 20.000 bis 12.500 Jahren geschaffen wurde (Würmeiszeit). Das Gaflunatal ist im Silbertal ein zentraler Teil des Europaschutzgebietes Verwall. Der Erschließungsgrad beträgt heute lediglich 11,7 % (Alpflächen 376 ha, Waldflächen 145 ha). Deswegen gilt das Gaflunatal als einer der wenigen naturbelassenen Landschaftsräume in Vorarlberg.[1] Höchster Berg im Gaflunatal ist die Östliche Eisentalerspitze (2753 m ü. A.) am Grenzgrat zum Klostertal. Südlich, über dem Grenzgrat "Mutt" liegt das hintere Silbertal mit der Alpe Fresch/Faneskla und Dürrwaldalpe.

Das Gaflunatal ist relativ geradlinig, verläuft etwa von Südwesten nach Nordosten und wird vom 6,81 km langen Gaflunabach[2] durchflossen, der am Taleingang auf 1379 m ü. A. in die Litz mündet Welt-Icon47.0545710.05063 Dieser gilt als weitgehend naturnahes Gewässer.[3] Nur im vorderen Bereich (Taleingang) befinden sich Wasserentnahmestellen, unter anderem ein Kleinstkraftwerk des Stand Montafon. Das Gafluner Winterjöchle auf etwa 2345 m ü. A. am oberen Anfang/Ende des Tals ist Teil der Grenze zwischen Tirol und Vorarlberg Welt-Icon47.06993110.134104 Über das Pfluntal Welt-Icon47.07291910.162056 auf Tiroler Seite kann zur Konstanzer Hütte Welt-Icon47.06944410.188889 und in weiterer Folge bis nach St. Anton am Arlberg Welt-Icon47.11666710.266667 abgestiegen werden.

Blockgletscher

Im hinteren Gaflunatal, im Bereich unterhalb des Gaflunakopfs (2676 m ü. A.) befindet sich vermutlich auch ein noch aktiver Blockgletscher. Weitere Blockgletscher im Gaflunatal sind registriert.[4]

Alpe Gafluna

38 % des Gemeindegebiets von Silbertal ist Alpgebiet. Seit 1880 bis 2002 hat sich das gesamte Alpgebiet von 3438 ha auf 3186 ha verringert (- rund 8 %).[5] Teil der Gaflunaalpe ist die Rindertalalpe (früher auch Putzkammera[6]). Das nach einem Brand 1963 neu erbaute Alpgebäude wird als Rindertalhütte bezeichnet.[7]

Zur Oberen Alpe Gafluna (obren Gafalun) gibt es den ältesten schriftlichen Hinweis auf eine Alpe im Silbertal (von 1422).[8] Die heutige Alpe Gafluna wurde damals noch in Obergafaluna und Karls Dieja unterschieden. Bis ins 19. Jahrhundert waren bei den Alpen im Silbertal kleine Sennereien vorhanden.[9] Im 18. und 19. Jahrhundert wurden auf die Alpe Gaflune noch zwischen 1000 und 1500 Schafe aufgetrieben.[10]

Bis Ende 1945 wurde ein Fahrweg, zuerst zur Alpe Giesla (1928) und dann zur Alpe Gafluna gebaut, um 1960 bis zur Alpe Fresch. Anfang der 1960er-Jahre wurde zur Oberen Alpe Gafluna eine Materialseilbahn Welt-Icon47.0560310.054746 errichtet, die 2003 erneuert wurde und nun einen beschränkte Nutzung für den Personenverkehr hat.[11]

Die Alpe Gafluna hatte 1954 im Gesamten 793,89 ha Alpfläche, 1,9 ha Wiese, 108 ha Waldfläche, 590 ha unproduktive Fläche. Auf der produktiven Alpfläche wurden im Sommer 90 Kälber, 70 Kühe, 50 Ziegen und 600 Schafe sowie 16 Schweine gehalten.[12] 1974 wurden nur noch 26 Rinder und 37 Kühe gesömmert. Die intensive Sömmerung von Schafen wurde schon in den 1950er-Jahren nicht mehr durchgeführt.[13] 2020 waren es auf der Alpe Rindertal/obere Gafluna 175 Rinder bzw. auf Rona-Alpgues/Giesla/unteres Gafluna 121 Rinder, 17 Pferde und 41 Schafe.[14]

Tourismus

Aufgrund der geringen Erschließung des Tales, wird dieses touristisch wenig genutzt bzw. meist nur am Taleingang, wo sich Güterwege befinden. Bis zur Alpe Untere Gafluna fährt auf Vorbestellung von Juni bis Mitte September ein Wanderbus. Zur Alpe Obere Gaflune führt ein steiler, schmaler Pfad, der mehr zum Abstieg benutzt wird, wenn zuvor über Wasserstubental und die Alpe Gretsch das Fellimännle oder die Lobsitze bestiegen wurde.

Klima

Die Jahresmitteltemperatur beträgt im Gaflunatal zwischen -2,8°und +4,6. Die Sonneneinstrahlung ist mit bis zu 1351 kWh/m² (Durchschnitt 1247 kWh(m²) relativ hoch. Der Jahresniederschlag liegt bei durchschnittlich 2030 mm (Minimum 1462 mm, Maximum 2768 mm). Eine Schneedecke liegt im Tal durchschnittlich 34 Wochen (Minimum 26 Wochen, Maximum 40 Wochen). Dies bedeutet, dass im Durchschnitt im Gaflunatal 2/3 im Jahr eine Schneedecke vorhanden ist.

Kraftwerksprojekt

Die Vorarlberger Illwerke planten um 1948 ein Kraftwerk an der Litz. Bei der Unteren Gaflunaalpe sollte die Wasserfassung und ein Stausee entstehen. Wegen der großen Proteste im Montafon dagegen, verzichtete das Unternehmen schließlich auf die Ausführung des Projektes.[15]

Geologie und Bergbau

Das Gaflunatal weißt überwiegend Silvrettakristallin auf (Silvretta- Seckau-Deckensystem). Einige seltene Mineralien (z. B. Ajoit, Cosalit) wurden im Gaflunatal aufgefunden.[16][17][18][19]

Im Gaflunatal wurden in früherer Zeit Bergbauversuche durchgeführt und vermutlich auch frühneuzeitlicher Gesteinsabbau zur Kupfergewinnung bzw. kupferhaltiges Eisenerz.[20][21] Es finden sich hier noch einige registrierte Abraumhalden.[22][23] Es gibt Vermutungen, dass bereits in der Bronzezeit im Gaflunatal Bergbau betrieben wurde.[24]

Literatur

  • Gafluna, Webseite: Land Vorarlberg.

Weblinks

 Gaflunatal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. Beispiele naturbelassener Landschaftsräume, Webseite: wwf.at, abgerufen am 15. März 2026.
  2. Gewässerkennzahl AT/81223032.
  3. Michael Kasper, Sophie Maier (Hrsg): „Silbertal“, Gemeinde Silbertal, Silbertal 2023, ISBN 978-3-902225-96-2, S. 43.
  4. Michael Kasper, Sophie Maier (Hrsg): „Silbertal“, Gemeinde Silbertal, Silbertal 2023, ISBN 978-3-902225-96-2, S. 18 f.
  5. Michael Kasper, Sophie Maier (Hrsg): „Silbertal“, Gemeinde Silbertal, Silbertal 2023, ISBN 978-3-902225-96-2, S. 138, 185.
  6. Hier befand sich Kammer, die zum Wasserstau für das Flößen auf der Litz verwendet wurde.
  7. Michael Kasper, Sophie Maier (Hrsg): „Silbertal“, Gemeinde Silbertal, Silbertal 2023, ISBN 978-3-902225-96-2, S. 138.
  8. Michael Kasper, Sophie Maier (Hrsg): „Silbertal“, Gemeinde Silbertal, Silbertal 2023, ISBN 978-3-902225-96-2, S. 119.
  9. Michael Kasper, Sophie Maier (Hrsg): „Silbertal“, Gemeinde Silbertal, Silbertal 2023, ISBN 978-3-902225-96-2, S. 121.
  10. Michael Kasper, Sophie Maier (Hrsg): „Silbertal“, Gemeinde Silbertal, Silbertal 2023, ISBN 978-3-902225-96-2, S. 122.
  11. Michael Kasper, Sophie Maier (Hrsg): „Silbertal“, Gemeinde Silbertal, Silbertal 2023, ISBN 978-3-902225-96-2, S. 140.
  12. Michael Kasper, Sophie Maier (Hrsg): „Silbertal“, Gemeinde Silbertal, Silbertal 2023, ISBN 978-3-902225-96-2, S. 142 f.
  13. Michael Kasper, Sophie Maier (Hrsg): „Silbertal“, Gemeinde Silbertal, Silbertal 2023, ISBN 978-3-902225-96-2, S. 144.
  14. Michael Kasper, Sophie Maier (Hrsg): „Silbertal“, Gemeinde Silbertal, Silbertal 2023, ISBN 978-3-902225-96-2, S. 144.
  15. Kraftwerksprojekte, Webseite: cdn2.vol.at, abgerufen am 15. März 2026, S. 30.
  16. Neue Mineralfunde aus Österreich XLV, 1996, S. 138.
  17. Neue Mineralfunde aus Österreich LX, Webseite: zobodat.at , abgerufen am 15. März 2026, S. 152.
  18. 1739) Andradit, Kassiterit, Epidot, Ferro-Aktinolith, Hedenbergit und Woodruffit von der Putzkammeralpe im Rindertal (Gaflunatal), Montafon, Vorarlberg, Webseite: indra-g.at, abgerufen am 15. März 2026, S. 143.
  19. Rindertal (Gaflunatal), Webseite: mineralienatlas.de, abgerufen am 15. März 2026.
  20. Michael Kasper, Sophie Maier (Hrsg): „Silbertal“, Gemeinde Silbertal, Silbertal 2023, ISBN 978-3-902225-96-2, S. 23, 63.
  21. Jochen Hofmann, Christian Wolkersdorfer: [https://www.wolkersdorfer.info/publication/pdf/Der%2520historische%2520Bergbau%2520im%2520Montafon.pdf Der historische Bergbau im Montafon], Webseite: wolkersdorfer.info, abgerufen am 15. März 2026.
  22. Siehe Vorarlberger Geoinformationssytem.
  23. Im Rampenlicht: Das Europaschutzgebiet Verwall, Webseite: cdn.citiesapps.com, Silbertaler Gemeindezeitung Nr. 13 vom Dezember 2018, S. 37 f.
  24. Rüdiger Krause: Archäologische Ausstellung im Vorarlberger Landesmuseum in Bregenz, Webseite: cdn2.vol.at, abgerufen am 15. März 2026, S. 25.

47.0634810.088422Koordinaten: 47° 3′ 49″ N, 10° 5′ 18″ O