Hendlstein und Königsbrunnen

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Der Hendlstein und der Königsbrunnen sind kulturhistorisch bedeutsame Orte im Gebiet des Naturparks Geschriebenstein–Írottkő im südlichen Burgenland , nahe dem Ortsteil Glashütten bei Schlaining (Gemeinde Unterkohlstätten). Sie sind Teil eines regionalen Wanderwegenetzes und zugleich eng mit einer lokalen Sage um den ungarischen König Matthias Corvinus verbunden. Diese Überlieferung erklärt die Namensgebung von Hirschenstein, Königsbrunnen und Hendlstein und gehört zum festen Bestand burgenländischer Legendenlandschaft.

Lage und Naturraum

Königsbrunnen in Glashütten

Hendlstein und Königsbrunnen befinden sich im bewaldeten Höhenzug des Geschriebensteins, der mit rund 884 m ü. A. die höchste Erhebung des Burgenlandes darstellt. Das Gebiet gehört zum grenzüberschreitenden Naturpark Geschriebenstein–Írottkő, der sich bis nach Ungarn erstreckt. Der Naturpark ist geprägt durch Buchen- und Eichenwälder, Quellenstandorte und ein dichtes Netz markierter Wanderwege. Er gilt als bedeutender Raum für nachhaltigen Natur- und Wandertourismus. Der Ortsteil Glashütten bei Schlaining stellt einen wichtigen Ausgangspunkt für Wanderungen in diesem Bereich dar.

Königsbrunnenweg

Der Königsbrunnenweg ist ein regional bekannter Rundwanderweg bei Glashütten. Die Route führt durch typische Waldlandschaften des Naturparks und verbindet mehrere kulturhistorisch benannte Orte wie den Königsbrunnen, den Hendlstein und den Hirschenstein. Der Weg ist touristisch erschlossen und wird in Wanderführern und Onlineportalen als landschaftlich reizvolle Strecke beschrieben.

Sage und Namensgebung

Die Bekanntheit von Königsbrunnen und Hendlstein beruht vor allem auf einer im Burgenland tradierten Sage, die in unterschiedlichen Varianten überliefert ist.

Matthias Corvinus und der „Hirschenstein“

Friedrich Schattauer berichtet, dass König Matthias Corvinus häufig seinen Bannerherrn Andreas Baumkircher auf Burg Schlaining besucht habe. Beide seien begeisterte Jäger gewesen und hätten die Wälder des Günser Gebirges durchstreift.

Der Sage zufolge wurde bei einer Jagd ein kapitaler Hirsch auf einem Felsblock erlegt, wodurch der Berg den Namen „Hirschenstein“ erhalten habe. Auch eine naturkundlich-touristische Darstellung des Naturparks verweist auf diese Erzählung und betont den Zusammenhang von Jagd, Herrschaft und Legendenbildung.

Im Anschluss an die Jagd, so die Überlieferung, rasteten Corvinus und Baumkircher an einer Quelle. Das Wasser habe dem König so gut geschmeckt, dass er die Quelle einfassen ließ, um sie vor Verunreinigung zu schützen. Seither trägt sie den Namen „Königsbrunnen“. Die Gemeinde Unterkohlstätten führt den Königsbrunnen heute als kulturhistorische Sehenswürdigkeit und verweist auf seine Restaurierung und touristische Zugänglichkeit.

Unweit des Brunnens befindet sich eine große Steinplatte, die laut Sage dem König als Tisch gedient habe, insbesondere beim Verzehr seiner bevorzugten Speise – gebratener Hendeln. Daraus leite sich die Bezeichnung „Hendlstein“ ab.

Die Ortschronik von Glashütten überliefert eine alternative Variante: Corvinus habe während eines Rückzuges an dieser Stelle ein Lager errichtet. Knechte hätten Wasser und Federvieh herbeigeschafft, das Mahl sei auf dem Stein zubereitet worden. Durch die wiederholte Nutzung sei eine Mulde entstanden. Beide Varianten zeigen exemplarisch, wie lokale Topografie, historische Figuren und mündliche Überlieferung zur Benennung von Orten beitragen.

Historischer Kontext

Matthias Corvinus (1458–1490) war König von Ungarn und ist als politisch und militärisch bedeutende Gestalt des Spätmittelalters bekannt. Die Chronik verweist auf seine Konflikte mit Kaiser Friedrich III., sowie auf kriegerische Auseinandersetzungen in Böhmen und Schlesien, in deren Zusammenhang regionale Sagen entstanden.

Die Naturparkdarstellung hebt hervor, dass auch Andreas Baumkircher eine historisch komplexe Figur war, deren Rolle im Grenzraum zur Entstehung von Legenden beitrug.

Touristische und kulturelle Bedeutung

Heute sind Königsbrunnenweg und Hendlstein Teil des touristischen Angebots des Naturparks Geschriebenstein. Der Weg verbindet Naturerlebnis mit kultureller Erinnerung und wird als beliebte Wanderroute beschrieben. Der Naturpark umfasst mehrere Gemeinden und bietet ein Wanderwegenetz von mehreren hundert Kilometern. Orte wie Königsbrunnen und Hendlstein gelten als Beispiele für die Verbindung von Landschaft, Sage und regionaler Identität.

Literatur