Johann Harratzmüller
Johann Harratzmüller (* 22. Dezember 1816 in Steyr, Erzherzogtum Österreich ob der Enns, Kaisertum Österreich; † 28. Dezember 1902 ebenda) war ein Brauereibesitzer aus Steyr und einer der bedeutendsten Wohltäter der Stadt. Er unterstützte vor allem soziale und medizinische Einrichtungen und gilt als zentraler Förderer des Steyrer Krankenhauses.
Leben
Johann Harratzmüller kam in der Biedermeierzeit als Sohn des bürgerlichen Müllermeisters Franz Harratzmüller und dessen Gattin Magdalena geb. Reder im Jahre 1816 in der Teufelsmühle seiner Eltern in Steyrdorf, einem Stadtteil von Steyr zur Welt[1]. Seit 1844 mit Anna Eder aus Haag vermählt übernahm Harratzmüller nach dem Tode seines Vaters im selben Jahre das Brauhaus in der Steyrer Langegasse, welches sein Vater vom vorigen Besitzer Dorn im Jahre 1818 käuflich erworben hatte und führte das Brauhaus bis zur Gründung der Aktienbrauerei Gesellschaft. In den 1860er-Jahren wurde er zweimal zum Mitglied des Steyrer Gemeinderates gewählt und war auch als Feldwebel bei der Bürgergarde Artillerie in Steyr eingeteilt. Schon zu seinen Lebzeiten unterstütze er diverse Einrichtungen in der Stadt Steyr, so stiftete er der Stadtpfarrkirche Steyr ein Glasgemäldefenster, welches fünf Szenen aus dem Leben Christi zeigt und das von der Wiener Glasmanufaktur Carl Geyling's Erben gefertigt wurde[2].
Johann Harratzmüller, der seit 1881 verwitwet war, verstarb, nachdem sein Sohn als Kind 1853 frühzeitig verstorben war, kinderlos in den Weihnachtstagen des Jahres 1902 im 87. Lebensjahr[3] und wurde im Beisein zahlreicher städtischer Honoratioren am Steyrer Taborfriedhof zur letzten Ruhe bestattet. Die Stadtgemeinde Steyr benannte die "Haratzmüllerstraße" in Steyr posthum nach ihm.
Als großer Wohltäter der Stadt Steyr vererbte er testamentarisch nachfolgenden Institutionen sein Vermögen:
- 200.000 Kronen der Stadt Steyr zur Erbauung eines städtischen Krankenhauses
- 100.000 Kronen zur Errichtung von Pfründen für verarmte Bürger
- je 12.000 Kronen zur Errichtung von zwei Stiftungsplätzen im Waisenhause zu St. Anna und im städtischen Armenhaus
- 10.000 Kronen dem Verein der Schulfreunde in Steyr
- 10.000 Kronen den Kreuzschwestern am Berge
- 10.000 Kronen der Anstalt armer Schutzfinder
- 6.000 Kronen dem katholischen Gesellenverein
- 4.000 Kronen der Kleinkinder-Bewahranstalt
- 4.000 Kronen der städtischen Freiwilligen Feuerwehr
- 4.000 Kronen den Hausarmen von Steyr
- je 4.000 Kronen der Stadtpfarrkirche und der Vorstadtpfarrkirche St. Michael
- 2.000 Kronen dem katholischen Frauenverein in Steyr
- 2.000 Kronen dem Verein zum hl. Vinzenz von Paul
- 2.000 Kronen dem k. k. privaten Bürgerkorps
- je 2.000 Kronen den beiden Kirchen in Neustift und Kleinramin
- 1.000 Kronen der k. k. Fachschule für Eisen- und Stahlindustrie
- 400 Kronen dem Reservistenverein
- 400 Kronen der Pfarrkirsche in Christkindl
- 200 Kronen den Armen der Pfarre Christkindl
- 200 Kronen dem Sträflingsfürsorgeverein
- je 200 Kronen jeder in Steyr bestehenden Bruderschaft
- 2 Kronen jedem städtischen Armen einzeln
Insgesamt vererbte er rund 400.000 Kronen, was einem heutigen Wert (2026) von Euro von rund 3,7 Millionen Euro entspricht.
Literatur
Einzelnachweise
- ↑ Steyr, Pfarre Michael (Vorstadtpfarre) – Taufbuch 1814-1828 (fol.7a)
- ↑ Von der Steyrer Stadtpfarrkirche. In: Tages-Post, 10. November 1897, S. 4 (online bei ANNO).
- ↑ Steyr, Stadtpfarre - Sterbefälle - Duplikate 1902 (pag.265)
Weblinks
Johann Harratzmüller – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons