Josef Jarosch

Aus ÖsterreichWiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Joseph Jarosch CM (* 24. Jänner 1837 in Wien; † 21. Juni 1901 in Konstantinopel, heute Istanbul) war ein österreichischer römisch-katholischer Priester, Ordensmann der Lazaristen und bedeutender Schulgründer. Er erlangte internationale Bekanntheit durch den Aufbau des österreichischen St. Georgs-Kollegs im Osmanischen Reich.

Leben

Josef Jarosch wurde in Wien geboren und absolvierte dort sein Theologiestudium. Am 8. September 1859 empfing er in seiner Heimatstadt die Priesterweihe.[1] In den folgenden Jahren wirkte er als Kooperator in verschiedenen Pfarren Niederösterreichs als Kooperator in Poysdorf, ab 1854 in Stockerau[2] und Elsarn (wo er als Provisor tätig war), sowie in der Wiener Pfarre St. Elisabeth im 4. Bezirk.

Ein früher Schwerpunkt seiner Arbeit lag in der Jugend- und Bildungsseelsorge. Ab dem 22. Jänner 1868 bekleidete er das Amt des Spirituals am Erzbischöflichen Knabenseminar noch im eh. Karmeliterkloster St. Theobald, ,,Ob der Laimgrube in Wien-Mariahilf . In dieser Zeit engagierte er sich zudem als Mitbegründer des katholischen Jünglingsvereins „Mariahilf“. Geprägt durch die religiöse Erneuerungsbewegung im Umkreis von Klemens Maria Hofbauer, die sich gegen den spätjosephinischen Staatskirchengeist wandte, suchte Jarosch eine tiefere spirituelle Gemeinschaft. Am 16. Jänner 1875 trat er in die Kongregation der Missionspriester vom hl. Vinzenz von Paul (Lazaristen) ein und legte 1877 seine Ordensgelübde ab. Seine erste bedeutende Aufgabe innerhalb des Ordens war die Leitung des Missionshauses in Wiener Neudorf als Superior (1877–1889). Parallel dazu leistete er Seelsorge in der dortigen k. k. Straf- und Besserungsanstalt für Frauen. Nach einem kurzen Wirken in Graz wurde er 1891 als Superior an die Niederlassung St. Georg-Kolleg in Istanbul berufen.

Wirken in Konstantinopel

In Konstantinopel übernahm Jarosch die Leitung des 1882 von österreichischen Lazaristen gegründeten Instituts St. Georg, das auf dem Gelände eines ehemaligen Militärhospitals entstanden war. Unter seiner Ägide entwickelte sich das Institut zu einer der angesehensten Bildungseinrichtungen im Nahen Osten.

Jarosch erkannte den Bedarf an weiterführender Bildung für die Söhne der österreichischen Kolonie und der lokalen Bevölkerung. Er erweiterte die bestehenden Einrichtungen – die bereits einen Kindergarten, Volks- und Waisenschulen sowie eine Unterstufe (Orta) umfassten – um eine Oberstufe der Mittelschule (Lise). Damit legte er den Grundstein für das heutige Österreichische Sankt Georgs-Kolleg, das bis heute als bedeutende kulturelle Brücke zwischen Österreich und der Türkei fungiert.

Neben seiner pädagogischen und administrativen Tätigkeit war Jarosch auch literarisch aktiv. Er übersetzte bedeutende hagiographische Werke aus dem Französischen ins Deutsche, darunter Biografien des hl. Jean Eudes und des Ordensgründers Vinzenz von Paul. Joseph Jarosch verstarb 1901 an seinem Wirkungsort in Konstantinopel.

Nachwirkung

Das von Jarosch maßgeblich ausgebaute St. Georgs-Kolleg erhielt das Öffentlichkeitsrecht und entwickelte sich zu einer Institution, die über konfessionelle Grenzen hinweg geschätzt wird. Seine Arbeit sicherte den Fortbestand des österreichischen Bildungseinflusses im Orient.

Literatur

  •  Dr. Hans Groër: Hundert Jahre Knabenseminar der Erzdiözese Wien. Im Selbstverlag des e.b. Knabenseminars Hollabrunn, Hollabrunn 1956.

Weblinks

Einzelnachweise

  1.  Personal-Stand der Säkular- und Regular-Geistlichkeit der fürsterzbischöfl. Wiener-Diözese für das Jahr 1860. fürtsterzbischöfliche Konsistorial-Kanzlei, 1860, S. 292.
  2.  Personal-Stand der Säkular- und Regular-Geistlichkeit der fürsterzbischöflichen Wiener Erzdiözese. Verlag der fürsterzbischöflichen Konsistorial-Kanzlei, 1864, S. 254.