Josef Strauß

Josef Strauß (* 14. April 1775 in Hollabrunn[1]; † 13. Dezember 1844 in Stockerau[2]) war ein österreichischer römisch-katholischer Priester, Dechant und Sozialreformer. Er wirkte als Pfarrer in Hollabrunn und Stockerau und gilt als der Hauptinitiator und Gründer der Sparkasse Hollabrunn.
Leben
Josef Strauß wurde am 14. April 1775 in Oberhollabrunn (heute Hollabrunn) als Sohn eines Binders geboren. Nach seiner Priesterweihe 1799 wirkte er bis 1803 zunächst als Kooperator in Kirchberg am Wechsel.[3] Im Anschluss daran übernahm er für sieben Jahre die Stelle als Pfarrer in Groß.[4] Während seiner dortigen Amtszeit ließ er einen Pfarrgarten anlegen und den Pfarrhof errichten.
Im Jahr 1809 kehrte Strauß in seine Heimatstadt zurück und übernahm die Pfarre Hollabrunn. Seine Amtszeit war geprägt von umfangreichen Bautätigkeiten und Umgestaltungen an der Pfarrkirche St. Ulrich. Er veranlasste eine umfassende Restauration des Kirchengebäudes. Diese Maßnahmen waren aus heutiger kunsthistorischer Sicht teilweise einschneidend; so ließ Strauß den historischen Hochaltar aus dem Jahr 1555 entfernen. Im Jahr 1831 wurde unter seiner Ägide eine neue Orgel für die Kirche angeschafft.
Im Oktober 1833 verließ er Hollabrunn und übernahm die Pfarre in Stockerau. Dort wirkte er bis zu seinem Tod. Josef Strauß starb am 4. Dezember 1844 in Stockerau im 70. Lebensjahr.[5]
Soziales und wirtschaftliches Engagement
Neben seiner seelsorgerischen Tätigkeit engagierte sich Strauß stark im sozialen Bereich und in der Armenfürsorge.
Im Jahr 1826 ließ Pfarrer Strauß das bestehende Armenhaus in der Amtsgasse erweitern und wandelte es in ein Krankeninstitut um.
Strauß gilt als der Hauptgründer der heutigen Sparkasse Hollabrunn. Motiviert durch den Gedanken der Vorsorge für ärmere Bevölkerungsschichten, initiierte er die Gründung eines lokalen Sparkassenvereins, um der Bevölkerung eine sichere Möglichkeit zur Geldanlage und Krisenvorsorge zu bieten.
Ehrungen
- Im November 1901 wurde ein Denkmal zu Ehren von Pfarrer Strauß am Kirchenplatz (vor dem Erzbischöflichen Seminar) enthüllt. Das Werk stammte von dem bekannten Bildhauer Theodor Charlemont.[6] Im Jahr 1942, während des Zweiten Weltkriegs, wurde das Denkmal abgebaut und für die sogenannte "Kriegsmetallsammlung" der Rüstungsindustrie freigegeben und eingeschmolzen.
- Anlässlich des 175-jährigen Jubiläums der Sparkasse Hollabrunn wurde im Jahr 1999 ein neues Denkmal errichtet. Es handelt sich um einen Brunnen mit einer Büste des Priesters, der heute vor dem Gebäude der Sparkasse am Hauptplatz steht.
Literatur
- Verein für Landeskunde von Niederösterreich (Hrsg.): Topographie von Niederösterreich. Wien 1896, S. 378-379, 387 (Online auf GoogleBooks).
Einzelnachweise
- ↑ Taufbuch der Pfarre Hollabrunn auf matricula online
- ↑ Sterbebuch der Pfarre Stockerau auf matricula online
- ↑ Pfarrer und Kapläne der Pfarre Kirchberg am Wagram. Abgerufen am 23. Jänner 2026.
- ↑ Schematismus des Erzbisthum Wien. Wien 1804, S. 99,123.
- ↑ Personal-Stand der Säcular- und Regular-Geistlichkeit der erzbischöflichen Wiener Diözese. Wien 1845, S. 253.
- ↑ Enthüllung eines Denkmals. In: Deutsches Volksblatt / Deutsches Volksblatt. Radikales Mittelstandsorgan / Telegraf. Radikales Mittelstandsorgan / Deutsches Volksblatt. Tageszeitung für christliche deutsche Politik, 18. November 1901, S. 3 (online bei ANNO).