Langer Ernst

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Gemeinde Trieben vom Triebenstein(Südansicht) – rechts der „Lange Ernst“ und ein Teil des Magnesitwerkes

Als Langer Ernst wurde der Zentralkamin des Veitscher Magnesitwerke (RHI AG) in der Gemeinde Trieben im Bezirk Liezen in der Steiermark bezeichnet.

Name

Der Name des Zentralkamins soll auf den ehemaligen Werksdirektor des Magnesitwerkes, Ernst Luef, zurückgehen.[1]

Geschichte

Die ehemaligen Veitscher Magnesitwerke wurden 1899 gegründet.[2] Das Werk im Paltental wurde 2021 geschlossen und die Liegenschaft verkauft.[3] Der 1975 errichtete, 144 Meter hohe[4], Zentralkamin war Teil des Brennprozess, bei dem das Magnesit gesintert wurde.[5][6]

Am 26. Juli 2025 wurde der 75 Meter hohe Etagenofen zur Kauster-Herstellung, bestehend aus rund 1500 Tonnen Stahl, gesprengt.[7][8]

Am 18. Oktober 2025 folgte die Sprengung des Zentralkamins Langer Ernst.[9]

Sprengvorbereitung und Ablauf

Daten Zentralkamin

Ausgangslage für die Sprengung des Zentralkamins war:

  • Basisdurchmesser Kamin: 9,2 Meter
  • Wandstärke Basis: etwa 50 cm
  • Durchmesser Kaminspitze: etwa 7,25 Meter
  • Wandstärke Kaminspitze: etwa 38 cm
  • Gesamtgewicht: etwa 3500 Tonnen
  • Besonderheit:
    • Kamin: kein gefutterter Innenteil, sondern zwei Stahlrohre für den Abgasabzug
    • spezielle Gefährdungen: Bahntrasse ÖBB, Straßen und Wohngebäude
  • Sprengvorgaben:
    • Sprengung in vorgefertigtes Fallbett
    • Schutz bestehender Objekte und
    • Einhaltung der Erschütterungsgrenzwerte.[10]

Die Einhaltung der Erschütterungsgrenzwerte war vor allem durch die plötzliche Gewichtsverlagerung das Gesamtgewicht des Zentralkamins bei der Sprengung herausfordernd.

Sprengvorbereitung

Die Sprengvorbereitungen dauerten rund fünf Monate. Nachdem mittels Probeöffnung an der Kaminbasis die tatsächliche Stahlbewehrung nachkontrolliert wurde, wurden 160 Bohrlöcher im Ausbruchbereich vorgesehen, in welche rund 24 Kilogramm Sprengstoff geladen wurde. Die Zündung erfolgte durch ein nicht-elektrisches System, das redundant aufgebaut war.

Durch die zeitlich verschobene Zündung der 160 Bohrlöcher (im Millisekundenbereich) wurde der Kamin in Richtung des Fallbereichs so geschwächt, dass dieser nachgab und in Fallrichtung kippte. Zur Unterstützung der Fallrichtung wurden am Kamin Verstärkungen aus vier Stahlbetonteilen angebracht. Im Fallbett wurden quer zur Fallrichtung Dämme geschüttet, so dass der fallende Zentralkamin möglichst stark durch den Fallprozess zerbrach.

Zur Absicherung des Sprengbereichs und dem Schutz von Personen und Sachen wurde ein Gefahrenbereich festgelegt sowie ein Platzverbot ausgesprochen. Naheliegende Wohnhäuser wurden sicherheitshalber vor der Sprengung evakuiert sowie die ÖBB-Bahnstrecke der Rudolfsbahn und die Pyhrnautobahn (A9) sowie die Schoberpass Straße B113 im Bereich von Trieben zeitweise gesperrt. Zur Reduktion der Staubentwicklung wurden vier wasserbetriebenen Staubbindekanonen (ähnlich Schneekanonen) verwendet und von der örtlichen Feuerwehr eine „Wasserwand“ bei den Wohnhäusern hergestellt.

Sprengung und Schuttbeseitigung

Die Sprengung selbst war in wenigen Sekunden durchgeführt. Durch Splitterflug entstanden einige kleinere Schäden in der angrenzenden Heinrichshofsiedlung. Für die Beseitigung des Schutts wurden drei Wochen angesetzt.[7][9][10][11][12][13]

Weblinks

47.48788614.491333Koordinaten: 47° 29′ 16″ N, 14° 29′ 29″ O

  1. Der „Lange Ernst“ in Trieben ist jetzt Geschichte, Webseite: krone.at vom 18. Oktober 2025.
  2. Gerald Suessmaier: Das Werk Trieben der RHI AG von 1938 bis 1995. Eine betriebshistorische Analyse. Masterarbeit KF-Univ. Graz, o. D. (Abstract, uni-graz.at).
  3. Gerhard Pliem: Ende einer Ära: Die letzten 20 Mitarbeiter müssen das RHI-Werk in Trieben verlassen, Webseite: kleinezeitung.at vom 27. September 2021.
  4. Die Höhe wird verschieden angegeben, auch 145 Meter und 142 Meter.
  5. Trieben-Veitscher Magnesitwerk mit Zentralkamin(,,Langer Ernst" 140m Höhe)1980, Webseite: rottenmann-ak.at , abgerufen am 31. Dezember 2025.
  6. „Langer Ernst“ in Trieben wurde gesprengt, Webseite: steiermark.orf.at vom 18. Oktober 2025.
  7. 7,0 7,1 Trieben : 70 Meter hohes Fabriksgebäude gesprengt, Webseite: steiermark.orf.at vom 26. Juli 2025.
  8. Trieben: Industriegeschichte mit Knall beendet, Webseite: krone.at vom 26. Juli 2025.
  9. 9,0 9,1 "Langer Ernst" ist gefallen: Spektakuläre Sprengung eines steirischen Industriedenkmals, Webseite: derstandard.at vom 18. Oktober 2025.
  10. 10,0 10,1 Alexander Schadn, Niki Schadn: Gute Nacht, „Langer Ernst“ in „Der Sprengbefugte“, Heft Nr. 231 vom Dezember 2025, S. 24 ff.
  11. Norbert Ortner: Sprengung "Langer Ernst" in Trieben, Webseite: meinbezirk.at vom 18. Oktober 2025.
  12. Steirisches Industriedenkmal gesprengt - so fiel der "Lange Ernst", Webseite: kurier.at vom 18. Oktober 2025.
  13. [1], Webseite: kurier.at vom 18. Oktober 2025.