Otto Schönauer


Otto Karl Schönauer (* 27. Oktober 1844 in Reichraming bei Steyr, Erzherzogtum Österreich ob der Enns, Kaisertum Österreich; † 17. September 1913 in Steyr, ebenda, Österreich-Ungarn) war ein österreichischer Waffentechniker, Erfinder und technischer Direktor der Österreichischen Waffenfabriks-Gesellschaft (ÖWG).
Leben
Otto Schönauer kam in der Regierungszeit von Kaiser Ferdinand I. im Oktober 1844 als Sohn des Werkmeisters Michael Schönauer und dessen Ehefrau Maria geborene Frank im oberösterreichischen Reichraming zur Welt und wurde in der Pfarre Losenstein nach römisch-katholischem Ritus getauft[1].
Nachdem Schönauer nach seiner Volksschulausbildung eine Mechanikerlehre, vermutlich in der Maschinenfabrik und Weicheisengießerei Josef Huber in Steyr (Anm.1) im Jahre 1860 absolviert hatte, ging er auf die Walz und sammelte bis 1867 erste Erfahrungen der Waffentechnik in der von dem bekannten Schweizer Waffenkonstrukteur Johann Friedrich Vetterli geleiteten Waffenabteilung der Schweizer Industriegesellschaft in Neuhausen am Rheinfall bei Schaffhausen[2].
Seinen Militärdienst absolvierte Schönauer bei der k.k. Genietruppe im böhmischen Josefstadt (Josefov). Dort lernte der Waffenfabrikant Josef Werndl die Fähigkeiten Schönauers kennen und stelle ihm nach seinem Militärdienst in seine von ihm gegründete Österreichische Waffenfabrik-Gesellschaft AG in Steyr mit 23. April 1868 ein und beförderte ihn bereits acht Monate später mit 1. Jänner 1869 zum Werkführer im Objekt II. Auch bewies Schönauer bereits 1875 seine Fähigkeiten als Konstrukteur, indem seine von ihm konstruierte Schleifmaschine für Entladestöcke patentiert wurde[3]. Vom k. k. Handelsministerium und dem "Ungarischen Ministerium für Ackerbau, Industrie und Handel" erhielt Schönauer 1889 ein Patent auf eine Verbesserung an Repetiergewehren mit von oben einzuführender Paketladung[4]. Im selben Jahr wurde Schönauer zum Oberwerksführer befördert und erhielt 1891 den Posten des Betriebsinspektors. Nach dem Rücktritt des früheren Werkdirektors im Juli 1896 wurde Schönauer sein Nachfolger als technischer Direktor der Österreichischen Waffen-Gesellschaft AG. Diese Position sollte er bis zu seinem Tode im Jahr 1913 innehaben.
Mit Mannlicher entwickelte er eine modifizierte Form des Repetiergewehrs, das Modell Mannlicher-Schönauer, was im Jahr 1900 die Marktreife erlangte. Dieses Mehrladegewehr wurde das erfolgreichste Repetiergewehr der Steyrer Waffenfabrik und Schönauer hatte mit der Konstruktion des Trommelmagazins für den Ladevorgang dazu beigetragen. 1903 führten mehrere Staaten wie Griechenland und China das Mannlicher-Schönauer Gewehr ein. Anno 1911 dürfte Schönauer neben anderen Konstrukteuren die damals neue österreichische Armeepistole mit konstruiert haben, die zu den leistungsfähigsten Waffen ihrer Zeit gehörte.
Auch war Schönauer durch viele Jahre hindurch Vertreter der Fortschrittspartei und Gemeinderatsmitglied der Stadt Steyr (1896-1911), welche ihm nach seiner Demission im Mai 1908 die Ehrenbürgerschaft verlieh. Mit der Gründung der freiwilligen Waffenfabriks-Feuerwehr anno 1870 erwarb er sich große Verdienste und wurde ab 1879 deren Oberkommandant. Auch die Gründung der Steyrer Wasserwehr, der ersten derartigen Einrichtung in Oberösterreich, ging auf seine Initiative zurück.
Otto Schönauer war seit Februar 1874 mit Rosina geb. Heininger, einer Gastwirtstochter aus Steyr verheiratet[5], welche ihm die Töchter Paula, Rosa und Hermine gebar. Im Jahre 1908 ließ er sich vom Wiener Architekten Karl Haybäck eine schlossartige Villa in Steyr erbauen[6]. Am 17. September 1913, am Vorabend des Ersten Weltkrieges, verstarb Schönauer im 69. Lebensjahr in seiner Steyrer Villa[7] und wurde in Anwesenheit vieler Honoratioren am Steyrer Taborfriedhof zur letzten Ruhe bestattet. Die gesamte Belegschaft der Österreichischen Waffenfabriks-Gesellschaft AG erwies ihm die Ehre und bildete im Zuge seines Begräbnisses ein Trauerspalier von seiner Villa bis zum Taborfriedhof.
Auszeichnungen und Ehrungen
- 1908 Kaiserliches Ritterkreuz des Franz-Joseph-Ordens[8]
- 1922 benannte die Stadtgemeinde Steyr die "Schönauerstraße" nach ihm, sie führt von der Damberggasse zum Haupttor der Steyr-Werke.
Fazit
Otto Schönauer war einer der bedeutendsten österreichischen Waffentechniker seiner Zeit und Mitentwickler des berühmten Mannlicher‑Schönauer‑Gewehres und stieg vom Mechaniker Lehrling zum technischen Direktor der Österreichischen Waffenfabriks-Gesellschaft in Steyr auf, prägte die internationale Waffenentwicklung nachhaltig und trug wesentlich zum Ausbau der Steyrer Waffenfabrik bei.
Literatur
- Otto Schönauer. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 11, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1999, ISBN 3-7001-2803-7, S. 46.
- Otto Schönauer, Technischer Direktor der Waffenfabrik von 1896 bis 1913 In: eisenwurzen.info
Einzelnachweise
- ↑ Oberösterreich, Pfarre Losenstein – Taufen - Duplikate 1844
- ↑ Im Schönauer-Nachlass im Stadtmuseum Steyr sind Zeugnisse der Firma Josef Huber in Steyr vom 13.5.1860 und der Schweizerischen Industrie-Gesellschaft (SIG) in Neuhaus bei Schaffhausen am Rheinfall vom 9.5.1867 erhalten.
- ↑ Kundmachungen. In: Wiener Zeitung, 1. Dezember 1875, S. 19 (online bei ANNO).
- ↑ Kundmachungen. In: Wiener Zeitung, 20. Februar 1889, S. 19 (online bei ANNO).
- ↑ Steyr, Vorstadtpfarre Sankt Michael - Trauungen - Duplikate 1874
- ↑ Artikel in: Wiener Bauindustrie-Zeitung / Österreichische Bauzeitung, Heft 26/1908, S. 2 (online bei ANNO).
- ↑ Steyr, Vorstadtpfarre Sankt Michael - Sterbefälle - Duplikate 1913 (pag.137)
- ↑ Auszeichnungen anläßlich des Regierungsjubiläums des Kaisers. In: (Grazer) Tagespost, 1. Dezember 1908, S. 31 (online bei ANNO).
- ↑ Personalnachrichten. In: Allgemeiner Tiroler Anzeiger / Tiroler Anzeiger / Tiroler Anzeiger. Mit der Beilage: „Die Deutsche Familie“ Monatsschrift mit Bildern / Tiroler Anzeiger. Mit den illustrierten Beilagen: „Der Welt-Guck“ und „Unser Blatt“ / Tiroler Anzeiger. Mit der Abendausgabe: „IZ-Innsbrucker Zeitung“ und der illustrierten Wochenbeilage: „Weltguck“ / Tiroler Anzeiger. Tagblatt mit der illustrierten Wochenbeilage Weltguck, 30. Dezember 1908, S. 3 (online bei ANNO).
Weblinks
Otto Schönauer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons