Samuel Jakob Herzstark
Samuel Jakob Herzstark (* 10. Oktober 1867 in Wien, Österreich-Ungarn; † 24. Oktober 1937 Wien, Republik Österreich) war ein österreichischer Unternehmer und Pionier der mechanischen Rechenmaschinen sowie Kinobesitzer. Er schuf die Grundlage für die später von seinem Sohn Curt Herzstark entwickelte Curta-Rechenmaschine.
Leben
Jakob Herzstark kam 1867, im österreichisch-ungarischen Ausgleichsjahr als Sohn des Juden Benjamin Herzstark und dessen Gattin Fanny geb. Reches in Wien zur Welt[1]. Da seine Familie nicht wohlhabend war, musste seine Mutter nach dem frühen Tod seines Vaters den Lebensunterhalt allein bestreiten. Er besuchte Volksschule und Gymnasium in Wien, musste aber letzteres nach fünf Jahren abbrechen. Wegen Geldmangels konnte ihm seine verwitwete Mutter auch kein Studium finanzieren und so begann eine kaufmännische Lehre.
Danach arbeitete er, unterbrochen durch einen kurzen Militärdienst, bis 1895 im kaufmännischen und technischen Bereich in verschiedenen Maschinenfabriken sowie in der Textilfabrik Getzner in Bludenz und danach in den Warenhäusern Kastner & Öhler in Graz und Gerngroß in Wien. Ein prägender Abschnitt war sein Aufenthalt in den Vereinigten Staaten, wo er Produkte der Firmen Remington und Burroughs kennenlernte. Burroughs war damals einer der führenden Hersteller von Addiermaschinen. Die Begegnung mit dieser Technologie faszinierte ihn so sehr, dass er sich nach seiner Rückkehr nach Europa ganz der Büromaschinentechnik zuwandte. Zurück in Europa arbeitete er für die Firma Glogowski in Berlin und Wien, wo er als Manager für Burroughs-Addiermaschinen tätig war und für die Einführung der Addiermaschinen in der österreichischen Postsparkasse maßgeblich verantwortlich zeichnete.
Am 19. November 1898 ehelichte Samuel Herzstark seine katholische zum evangelischen Glauben konvertierte Braut, die Buchhalterin Maria Amalia Toman[2] in der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, welche ihm neben einigen anderen Kindern 1902 den Sohn und Nachfolger Curt Herzog schenkte[3].
Im Jahr 1905 gründete Samuel Herzstark die erste Rechenmaschinenfabrik der österreichisch-ungarischen Monarchie, die protokollierte Firma "Rechenmaschinenwerk Austria, Herzstark & Co" und wurde 1908 deren Alleininhaber. Hier begann er, verbesserte Staffelwalzenrechenmaschinen zu konstruieren und zu produzieren. Die von Leibnitz entwickelte Staffelwalze war das dominierende Rechenprinzip dieser Zeit. Herzstark gelang es, sie kompakter und zuverlässiger zu machen. Seine Rechenmaschinen wurden unter verschiedenen Marken wie "Austria", Herzstark und in der französischen Variante "Coeurfort" vertrieben. Mit der Vierspezies-Maschine, die ab 1914 produziert und vertrieben wurde, war Herzstark ein Pionier für die Entwicklung der Datenverarbeitung. 1914 beschäftigte seine Firma 100 Mitarbeiter, davon waren die Hälfte Feinmechaniker. Er lieferte 7.500 Rechenmaschinen in die Donaumonarchie und in das Deutsche Kaiserreich.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 musste Samuel Herzstark in die K.K. Armee einrücken und seine Frau Maria Amalia führte den Betrieb während sein Sohn Curt als Lehrling im Betrieb mitarbeitete. Ab 1918 arbeitete Herzstark eng mit der Firma Math. Bäuerle in St. Georgen zusammen. Bäuerle fertigte die Rohwerke, Herzstark ergänzte Tastatur, automatische Division und Motorisierung. Diese Kooperation war wirtschaftlich erfolgreich und technisch innovativ. Sie ermöglichte die Produktion leistungsfähiger Rechenmaschinen zu konkurrenzfähigen Preisen. Ab 1922 produzierte die Firma ihre Rechenmaschinen mit Rohwerken aus Deutschland. Herzstark war im Besitz von zahlreichen österreichischen und ausländischen Patenten.
Herzstark war nicht nur Unternehmer, sondern auch der technische Mentor seines Sohnes Curt Herzstark. Curt, der im Betrieb aufgewachsen und mit der Materie seit seiner Kindheit vertraut war, erarbeitete sich damit die Grundlagen, die später zur Erfindung der „Curta“ Rechenmaschine führten. Curt selbst sagte später, dass er ohne die Werkstattwelt seines Vaters nie die Fähigkeiten entwickelt hätte, die ihn zum Konstrukteur der "Curta" machten.
Auch war Herzstark Besitzer des Kristall-Kinos im Wiener Prater. Als solcher verlieh ihm der damalige Bundeskanzler der Ersten Republik Kurt Schuschnigg am 21. November 1935 das „österreichische goldene Verdienstzeichen“[4].
Samuel Jakob Herzstark starb am 24. Oktober 1937 in Wien und wurde am evangelischen Friedhof in Simmering zur letzten Ruhe bestattet[5]. Sein Lebenswerk lebte jedoch weiter – sowohl durch die Maschinen seiner Firma als auch durch die bahnbrechenden Erfindungen seines Sohnes Curt.
Archiv
Literatur
- Eintrag zu Samuel Jakob Herzstark in: Austria-Forum, dem österreichischen Wissensnetz – online
- Die Geschichte von Curt Herzstark und seiner Curta
- Rechnerlexikon
Einzelnachweise
- ↑ Österreich, Niederösterreich, Wien, Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde, 1784-1938", FamilySearch: Sat May 24 21:26:17 UTC 2025), Entry for Samuel Jacob Herzstark and Benjamin Herzstark, 10 Oct 1867.
- ↑ Österreich, Niederösterreich, Wien, Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde, 1784-1938", FamilySearch: Sun Jun 01 06:10:57 UTC 2025), Entry for Samuel Jakob Herzstark and Maria Amalia Toman, 1898.
- ↑ "Österreich, Niederösterreich, Wien, Matriken der Israelitischen Kultusgemeinde, 1784-1938", FamilySearch: Fri May 30 11:15:31 UTC 2025), Entry for Curt Herzstark and Samuel Jacob Herzstark, 26 Jan 1902.
- ↑ Notizen. In: Das Kino-Journal. Offizielles Organ des Bundes österreichischer(/der österreichischen) Lichtspiel-Theater, der Landes-Fachverbände und der Sektion Niederösterreich-Land / Das Kino-Journal. Offizielles Organ des Zentralverbandes der österreichischen Lichtspiel-Theater und sämtlicher Landes-Fachverbände / Das Kino-Journal. Offizielles Organ des Bundes der Wiener Lichtspieltheater und sämtlicher Landes-Fachverbände / Das Kino-Journal. (Vorläufiges) Mitteilungsblatt der Außenstelle Wien der Reichsfilmkammer, 14. Dezember 1935, S. 8 (online bei ANNO).
- ↑ Find a Grave, Datenbank und Bilder: aufgerufen 11. Januar 2026), Gedenkstättenseite für Jakob Herzstark (10 Okt 1867–1937), Gedenkstätten-ID bei Find a Grave 240376639, zitierend Evangelischer Friedhof Simmering, Simmering Wien Stadt Vienna Austria Gepflegt von Hans Bertol (Mitwirkung 50179392).