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== Heinrich Kramers Wirken im heutigen Österreich == | == Heinrich Kramers Wirken im heutigen Österreich == | ||
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Offensichtlich war der Innsbrucker Hexenprozess im Jahr 1485 sozusagen das Testgebiet, das sich Heinrich Kramer für seine nächste Hexenverfolgung gewählt hatte, nachdem er für seine Verfolgungen die Unterstützung von Papst Innozenz VIII. erlangt hatte. Die Gründe dafür sind für die Forschung bisher nicht eindeutig erkennbar. Auf Bitte von Heinrich Kramer, die der Papst unterstützt haben dürfte, ließ [[Siegmund (Österreich-Tirol)|Erzherzog Siegmund "''der Münzreiche''"]] für diesen bereits am 8. Dezember 1484, also nur wenige Tage nach der Verabschiedung der sogenannten "Hexenbulle", ein Dokument ausstellen. In diesem wurde Heinrich Kramer für ein Jahr zur Ausführung seines päpstlichen Auftrages, also den Verfolgungen, für die [[Grafschaft Tirol]] und die "[[w:Vorderösterreich|Vorderen Landen]]", über welche Siegmund damals herrschte, Sicherheit und freies Geleit zugestanden. Außerdem wurden in diesem Schreiben die dortigen weltlichen Amtsträger und Untertanen zur Unterstützung des Inquisitors aufgefordert. Das Schreiben legte aber auch fest, dass Heinrich Kramer in Abstimmung mit den bischöflichen Amtsträger handeln sollte.<ref>vgl. [[w:Manfred Tschaikner|Manfred Tschaikner]], in: ''Tiroler Heimat'' 82, 2018, S. 195ff.</ref> Heinrich Kramer verwendete dieses Schreiben in seinem "Hexenhammer" als Referenz. Seine Behauptung dort, dass Erzherzog Sigmund seine Verfolgungen gefördert habe und er außerdem bei diesen vom [[w:Georg Golser|Bischof von Brixen]] unterstützt worden war, entspricht durchaus den Fakten und wurde keineswegs von ihm erfunden | Offensichtlich war der Innsbrucker Hexenprozess im Jahr 1485 sozusagen das Testgebiet, das sich Heinrich Kramer für seine nächste Hexenverfolgung gewählt hatte, nachdem er für seine Verfolgungen die Unterstützung von Papst Innozenz VIII. erlangt hatte. Die Gründe dafür sind für die Forschung bisher nicht eindeutig erkennbar. Auf Bitte von Heinrich Kramer, die der Papst unterstützt haben dürfte, ließ [[Siegmund (Österreich-Tirol)|Erzherzog Siegmund "''der Münzreiche''"]] für diesen bereits am 8. Dezember 1484, also nur wenige Tage nach der Verabschiedung der sogenannten "Hexenbulle", ein Dokument ausstellen. In diesem wurde Heinrich Kramer für ein Jahr zur Ausführung seines päpstlichen Auftrages, also den Verfolgungen, für die [[Grafschaft Tirol]] und die "[[w:Vorderösterreich|Vorderen Landen]]", über welche Siegmund damals herrschte, Sicherheit und freies Geleit zugestanden. Außerdem wurden in diesem Schreiben die dortigen weltlichen Amtsträger und Untertanen zur Unterstützung des Inquisitors aufgefordert. Das Schreiben legte aber auch fest, dass Heinrich Kramer in Abstimmung mit den bischöflichen Amtsträger handeln sollte.<ref>vgl. [[w:Manfred Tschaikner|Manfred Tschaikner]], in: ''Tiroler Heimat'' 82, 2018, S. 195ff.</ref> Heinrich Kramer verwendete dieses Schreiben in seinem "Hexenhammer" als Referenz. Seine Behauptung dort, dass Erzherzog Sigmund seine Verfolgungen gefördert habe und er außerdem bei diesen vom [[w:Georg Golser|Bischof von Brixen]] unterstützt worden war, entspricht durchaus den Fakten und wurde keineswegs von ihm erfunden, wie das in einigen wissenschaftlichen Arbeiten behauptet wird.<ref name ="TschaiknerHII86">vgl. [[w:Manfred Tschaikner|Manfred Tschaikner]], in: ''Der Schlern'', 2014, S. 86</ref> Den weiteren, für ihn äußerst unerfreulichen Verlauf des Innsbrucker Hexenprozesses hat Heinrich Kramer allerdings in seinem "Hexenhammer" verschwiegen.<ref name ="TschaiknerTH206">vgl. [[w:Manfred Tschaikner|Manfred Tschaikner]], in: ''Tiroler Heimat'' 82, 2018, S. 206</ref> | ||
Heinrich Kramer reiste im Juli des Folgejahres nach [[w:Brixen|Brixen]], wo er sich die Unterstützung des für die Stadt Innsbruck zuständigen Bischofs sicherte und von dort Ende Juli nach Innsbruck weiter, wo er im Oktober 1485 einen Hexenprozess eröffnen ließ, den er im August und September 1485 durch Befragungen, Verhöre und einige Verhaftungen hatte vorbereiteten lassen. Dieser Prozess wurde jedoch zwei Tage nach der Eröffnung der Hauptverhandlung wegen schwerer Verfahrensfehler für null- und nichtig erklärt und "de facto" beendet.<ref>vgl. [[w:Manfred Tschaikner|Manfred Tschaikner]], in: ''Tiroler Heimat'' 82, 2018, S. 195f.</ref> Seine bischöfliche Vollmacht wurde wenig später widerrufen, außerdem wurde er am 8. November 1485 vom Landesfürsten daran erinnert, dass das freie Geleit demnächst ablaufen würde und zur Abreise aufgefordert. Heinrich Kramer blieb zunächst, obwohl in den Wochen danach auch der Bischof von Brixen ihm die Abreise nahelegte. Nach dessen Schreiben an den Inquisitor befürchtete dieser, dass er auch die Sicherheit von Heinrich Kramer nicht mehr gewährleisten könne, da inzwischen auch die Bevölkerung und besonders die Verwandten der im Prozess Beschuldigten seine Entfernung forderten. Erst im Februar 1486 gab Heinrich Kramer auf und reiste aus Innsbruck ab.<ref>vgl. [[w:Manfred Tschaikner|Manfred Tschaikner]], in: ''Tiroler Heimat'' 82, 2018, S. 211f.</ref> Der Innsbrucker Hexenprozess war für ihn eine schweren Niederlage, doch zeigt sein weiterer Lebensweg, dass er sich dadurch keineswegs entmutigt sah und schon gar nicht von weiteren Verfolgungen abzusehen bereit war.<ref name ="TschaiknerTH206"/> | Heinrich Kramer reiste im Juli des Folgejahres nach [[w:Brixen|Brixen]], wo er sich die Unterstützung des für die Stadt Innsbruck zuständigen Bischofs sicherte und von dort Ende Juli nach Innsbruck weiter, wo er im Oktober 1485 einen Hexenprozess eröffnen ließ, den er im August und September 1485 durch Befragungen, Verhöre und einige Verhaftungen hatte vorbereiteten lassen. Dieser Prozess wurde jedoch zwei Tage nach der Eröffnung der Hauptverhandlung wegen schwerer Verfahrensfehler für null- und nichtig erklärt und "de facto" beendet.<ref>vgl. [[w:Manfred Tschaikner|Manfred Tschaikner]], in: ''Tiroler Heimat'' 82, 2018, S. 195f.</ref> Seine bischöfliche Vollmacht wurde wenig später widerrufen, außerdem wurde er am 8. November 1485 vom Landesfürsten daran erinnert, dass das freie Geleit demnächst ablaufen würde und zur Abreise aufgefordert. Heinrich Kramer blieb zunächst, obwohl in den Wochen danach auch der Bischof von Brixen ihm die Abreise nahelegte. Nach dessen Schreiben an den Inquisitor befürchtete dieser, dass er auch die Sicherheit von Heinrich Kramer nicht mehr gewährleisten könne, da inzwischen auch die Bevölkerung und besonders die Verwandten der im Prozess Beschuldigten seine Entfernung forderten. Erst im Februar 1486 gab Heinrich Kramer auf und reiste aus Innsbruck ab.<ref>vgl. [[w:Manfred Tschaikner|Manfred Tschaikner]], in: ''Tiroler Heimat'' 82, 2018, S. 211f.</ref> Der Innsbrucker Hexenprozess war für ihn eine schweren Niederlage, doch zeigt sein weiterer Lebensweg, dass er sich dadurch keineswegs entmutigt sah und schon gar nicht von weiteren Verfolgungen abzusehen bereit war.<ref name ="TschaiknerTH206"/> | ||
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