Anton Honsig

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Anton Honsig (um 1945)
Steyr XII Cabriolet

Anton Josef Honsig (* 14. November 1893 in Wien, Österreich-Ungarn, † 29. Jänner 1957 in Gmunden, Oberösterreich) war ein österreichischer Fahrzeugkonstrukteur und Erfinder der Zwischenkriegszeit. Er gilt als einer der prägenden Ingenieure der Steyr-Werke AG.

Leben

Anton Honsig kam in der Regierungszeit von Kaiser Franz Joseph I. als Sohn des aus dem mährischen Iglau stammenden Maschinenschlossers Anton Honsig und dessen Ehefrau Josefa geb. Beck in Wien-Margareten zur Welt[1]. In Wien aufgewachsen, absolvierte Honsig zunächst eine Mechanikerlehre. Sein technisches Talent führte ihn anschließend an die Staatsgewerbeschule in Wien-Favoriten, eine der wichtigsten technischen Ausbildungsstätten der Monarchie und späteren Republik. Dort erhielt er eine fundierte Ausbildung in Maschinenbau und Konstruktion. Im Ersten Weltkrieg in die k.k. Gemeinsame Armee eingerückt, wo er in einer Mörserbatterie in Galizien und Italien seinen Dienst versah, lernte er den Techniker Hans Ledwinka kennen, welcher ihm kurz nach Kriegsende am 1. Dezember 1918 in der Rennabteilung der Steyr-Werke AG, einen der bedeutendsten Fahrzeughersteller Österreichs anstellte.

Als Anerkennung für die Konstruktion des Steyr XII mit hinterer Gelenk-Schwingachse, die für bessere Straßenlage und höheren Fahrkomfort sorgte und für die Honsig auch ein Patent erhielt, stieg er im Jahre 1925 zum Chefkonstrukteur auf. Der Prototyp dieses neuen Automobils wurde bei der Olympia-Show im Oktober 1925 präsentiert, bei der Österreich zum ersten Mal nach Kriegsende mit Steyr- und Austro-Daimler-Erzeugnissen vertreten war. Die Fachpresse lobte den 12er-Steyr, von dem in den Jahren 1925 bis 1929 11.124 Stück produziert wurden, für seine moderne Technik, das leichte Tiefrahmen-Fahrgestell und die hervorragenden Fahreigenschaften. Die hintere Gelenk-Schwingachse wurde somit zum Markenzeichen der Steyr-Fahrzeuge der 1920er Jahre.

Weiters entstand unter seiner Leitung der Steyr XX mit einem 2070 ccm Sechszylinder-Motor mit 40 PS und oben liegender Nockenwelle, der ebenfalls technisch als sehr fortschrittlich galt und 1928 in Serie ging. Honsig‘s Arbeit trug wesentlich dazu bei, dass die Steyr-Werke in den 1920er Jahren zu einem der innovativsten Automobilhersteller Europas wurde. Die Wirtschaftskrise brachte 1930 auch die Steyr-Werke in Bedrängnis. Diese hatte in diesem Jahr Ferdinand Porsche in den Vorstand berufen, mit dem Anton Honsig überhaupt nicht konnte und deshalb mit 31. März 1930 seinen Abschied nahm.

Nach einigen Jahren Arbeitslosigkeit machte sich Honsig in Wien selbstständig und entwickelte einen Kleinwagen, einen Mopedmotor im Hinterrad und einen Motorroller. Seine Entwicklungen zeigten, dass Honsig frühzeitig Trends erkannte, die erst Jahrzehnte später massentauglich wurden. Als plötzlich die Zahlung der Lizenzgebühr für sein Patent auf die hintere Gelenk-Schwingachse eingestellt wurde, klagte Honsig Mitte der 1930er-Jahre die Steyr-Werke. Der Prozess endete mit einer Abschlagszahlung für Honsig. Nach seiner Selbstständigkeit wurde Honsig Betriebsleiter der MP-Beiwagenwerke Max Porges am Wiener Alsergrund und beschäftigte sich dort mit Motorradbeiwagen und leichten Fahrzeugkonstruktionen und erfand eine spezielle Gummifederung.

Mit dem Anschluss an das Deutsche Reich 1938 wechselte Honsig zur Auto Union AG nach Chemnitz, einem der größten deutschen Automobilkonzerne. Dort war er im Zentralkonstruktionsbüro beschäftigt, wechselte aber danach in die Rennwagenabteilung nach Zwickau. Damit war Honsig in einem Umfeld tätig, in dem die berühmten Auto-Union-Silberpfeile entstanden – einige der technisch anspruchsvollsten Rennwagen ihrer Zeit.

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Honsig bei der Firma Magirus, später bei Klöckner-Humboldt-Deutz in Ulm, wo er Gelände- und Panzerfahrzeuge konstruierte. Nach 1945 kehrte Honsig nach Österreich zurück und wurde Leiter des Konstruktionsbüros der Firma Rotax im oberösterreichischen Gunskirchen. Honsig entwickelte dort zahlreiche technische Motoren und landwirtschaftliche Maschinen und blieb bis zu seinem Tod im Jänner 1957 im Unternehmen. Der Vater des Steyr XII wurde am Gmundener Friedhof zur letzten Ruhe bestattet.

Privat hatte Honsig in Steyr seine spätere Ehefrau Maria Berger, der Tochter eines Angestellten der Steyr-Werke, die aus Waidhofen an der Ybbs stammte, kennengelernt und diese am 5. Oktober 1925 in der Pfarrkirche St. Andrä in der Stadt Salzburg geehelicht[2]. Der Ehe entspross der Sohn Friedrich Honsig, der 1926 in Steyr geboren wurde, in seiner Jugend Medizin studierte und anschließend in Mitterkirchen im Machland und dann in Steyr als Allgemein-Mediziner tätig war.

Literatur

Einzelnachweise

Weblinks