Clemens Krauss

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Clemens Krauss in jungen Jahren
Autogramm (1933)

Clemens Heinrich Krauss (* 31. März 1893 in Wien, Österreich-Ungarn; † 16. Mai 1954 in Mexiko-Stadt) war ein österreichischer Dirigent und Theaterleiter. Krauss wurde vor allem als Interpret der Werke von Richard Strauss bekannt; er verfasste das Libretto zu dessen Oper Capriccio mit und dirigierte die Uraufführungen von vier seiner Opern. Er hatte Leitungsfunktionen an der Frankfurter Oper, an den Staatsopern von Wien, Berlin und München sowie bei den Salzburger Festspielen.

1929 kreierte er in Salzburg philharmonische Konzerte mit Werken von Johann Strauss, die zehn Jahre später als Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker im Wiener Musikverein institutionalisiert wurden.

Leben und Laufbahn

Clemens Krauss war der uneheliche Sohn der Hofoperntänzerin und späteren Sängerin Clementine Krauss und des Rennreiters Hector Baltazzi. Er wurde 1902 Hofsängerknabe an der Wiener Hofmusikkapelle. In der Folge studierte er Klavier, Komposition und Chorleitung am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien. Zu seinen Lehrern zählten Hermann Graedener, Richard Heuberger, Hugo Reinhold und Joseph Saphier.[1] 1913 wurde er Chordirektor in Brünn. Es folgten Stationen am Deutschen Theater in Riga (1913–1914), Nürnberger Stadttheater (1915–1916) und in Stettin (1916–1921). Von Stettin aus reiste er regelmäßig zu Konzerten der Berliner Philharmoniker unter Artur Nikisch, den er später als seinen „eigentlichen Lehrmeister“ bezeichnete.[1]

Erste Leitungsfunktionen

Für die Spielzeit 1921/1922 wurde er als Kapellmeister und Opernchef an das Opernhaus Graz verpflichtet, er leitete dort auch die Symphoniekonzerte. Von 1922 bis 1924 war er in der Direktion Franz Schalk/Richard Strauss als Dirigent am Wiener Operntheater engagiert, der früheren k.k. Hofoper und heutigen Staatsoper. Dort leitete er das klassische Repertoire, bestehend aus den Opern Mozarts, Verdis, Wagners, Puccinis sowie von Richard Strauss und Fidelio, Don Pasquale, Carmen, Die verkaufte Braut, Die Königin von Saba und Tiefland sowie überraschend viele Werke französischer Komponisten – Boieldieus Jean de Paris, Halvéys Jüdin sowie Meyerbeers Afrikanerin und dessen Propheten.[2] Während dieser Zeitspanne arbeitete er auch als Professor an der Wiener Musikakademie. Von 1923 bis 1927 war er – als Nachfolger von Wilhelm Furtwängler − Leiter der Tonkünstler-Konzerte der Wiener Symphoniker.

Zeichnung von Lino Salini, Frankfurter Bilderbogen

1924 zählte er – neben Franz Schalk und Richard Strauss – zu den Dirigenten eines sogenannten Monster-Konzerts der Wiener Philharmoniker im Wiener Konzerthaus.[3] Nach zwei Probedirigaten im Februar 1924 an der Frankfurter Oper wurde er noch im selben Jahr als Intendant und Generalmusikdirektor des Hauses berufen. Er wurde dort auch zum Leiter der Museumskonzerte bestellt. Seine Intendanz wird im Frankfurter Personenlexikon als „eine glänzende Epoche“ im Frankfurter Musikleben beschrieben. Er, sein Hauptregisseur Lothar Wallerstein und der Bühnenbildner Ludwig Sievert reüssierten sowohl mit Mozart-Opern als auch mit Wagners Ring des Nibelungen, mit Werken von Johann Strauss (Sohn) ebenso wie mit Werken von Richard Strauss. Die Ring-Neuinszenierung soll in „in ihrer Abstraktion und Psychologisierung weit in die Zukunft“ gewiesen haben. Krauss pflegte in Frankfurt/Main das klassisch-romantische und das gemäßigt moderne Repertoire, insbesondere Werke seines Freundes Richard Strauss. Auch stand eine Reihe bedeutender Ur- und Erstaufführungen am Programm – Novitäten von Ferruccio Busoni, Paul Hindemith, Leoš Janáček, Ernst Krenek, Bernhard Sekles und Kurt Weill.[4]

1927 gastierte Clemens Krauss erstmals in Südamerika, 1929 erstmals in Nordamerika. Dort leitete er die New Yorker Philharmoniker und das Philadelphia Orchestra.[5] Weitere Gastspiele führten ihn nach Barcelona und Leningrad.[6]

Salzburger Festspiele

Clemens Krauss dirigierte bei den Salzburger Festspielen von 1926 bis 1953 – während aller Staatsformen in diesen Jahren (Erste Republik, Ständestaat, Drittes Reich und Zweite Republik). Er leitete dort vier Opern von Mozart, Beethovens Fidelio und sieben Werke von Richard Strauss. Seine ersten Engagements – Ariadne auf Naxos (1926) und Der Rosenkavalier (1929) – galten Richard-Strauss-Opern und kamen auf Betreiben des Komponisten zustande. Ihm wurden aber auch bereits 1926 zwei Orchesterkonzerte übertragen.[7] Die allermeisten Aufgaben fielen dem Dirigenten in den Jahren 1931 bis 1934 zu – alljährlich Dirigate von vier bis sechs Opern und ein oder zwei Konzerten mit den Wiener Philharmonikern.

In den Jahren 1929 bis 1933 leitete Clemens Krauss alljährlich in Salzburg ein Festspielkonzert, welches Werken von Johann Strauss (Sohn) gewidmet waren – Vorläufer der Wiener Neujahrskonzerte. Ein weiteres dieser Johann-Strauss-Konzerte mit den Wiener Philharmonikern fand bei den Salzburger Festspiele 1939 statt.[8]

Wiener Operntheater

1929 wurde er als Direktor an das Wiener Operntheater berufen, die heutige Staatsoper. Auch während seiner Wiener Direktionszeit bestand das Repertoire überwiegend aus Werken der fünf vorrangigen Opernkomponisten Mozart (44 Dirigate), Wagner (75), Verdi (63), Puccini (keine Dirigate während der Direktionszeit) und Richard Strauss (84).[9] Die am häufigsten von ihm dirigierten Opern waren heitere Opern – Die Meistersinger von Nürnberg in 47 Aufführungen, Der Rosenkavalier in 40 Aufführungen, Die Hochzeit des Figaro (22-mal) und Falstaff (11-mal). Er leitete auch Tschaikowski (20-mal Pique Dame), Offenbach (12-mal Hoffmanns Erzählungen) und eine Operette seines Lehrers Heuberger (6-mal Der Opernball).

Aus der Partitur des Wozzeck

Während seiner Direktionszeit war Clemens Krauss fortwährend der Kritik von Antimodernisten und Anti­semiten ausgesetzt, die ihm zur Last legten, dass er eine Reihe jüdischer Künstler verpflichtet hatte – u.a. Karl Alwin, Josef Krips, Hugo Reichenberger, Lothar Wallerstein und Margarete Wallmann – und dass er sich für zeit­genössi­sche Kompositionen einsetzte, auch der Zwölftontechnik. Beispielsweise brachte er Alban Bergs Wozzeck zur Wiener Erstaufführung und Egon Wellesz' Die Bakchantinnen zur Uraufführung. Er setzte weiters Violanta von Erich Wolfgang Korngold und Schwanda, der Dudelsackpfeifer von Jaromír Weinberger auf den Spielplan und dirigierte diese Werke auch selbst. Außerdem gab er bei Ernst Krenek eine neue Oper in Auftrag, Karl V., deren Uraufführung für Februar 1934 angesetzt war, jedoch aufgrund von Intrigen und Interventionen scheiterte. Auch im Bereich komische Oper/Operettte setzte Clemens Krauss zeitgenössische Werke an, beispielsweise die Uraufführungen von Franz Lehárs Giuditta oder der Oper Das Veilchen von Julius Bittner. Berg starb 1935, Korngold, Krenek, Weinberger und Wellesz mussten während der NS-Herrschaft Österreich verlassen und in die USA bzw. nach Großbritannien emigrieren.[9] Die fünf erstgenannten Komponisten wurden allesamt im Mai 1938 in der diffamatorischen Ausstellung Entartete Musik erwähnt.[10]

Wie zuvor in Frankfurt und danach in München erneuerte er auch in Wien in konsequenter Arbeit das gesamte Standardrepertoire. Diese mühselige Tätigkeit wurde vom Publikum höchst dankbar aufgenommen, beispielsweise liest man im Operntagebuch eines anonymen Opernfans, Eintrag 7.11.1934 Falstaff: „Dirigent Hr. Clemens Krauß, ist mit großer Liebe und Sorgfalt bei der Sache“.[11] In der Öffentlichkeit und in der Ministerialbürokratie hingegen wird diese Arbeit kaum wertgeschätzt — dort befasste man sich vorzugsweise mit Intrigen, Skandalen und den vorgeblich zu hohen Kosten. Beispielsweise wurde ihm von der Verwaltung vorgeworfen, dass er den hochbezahlten Helge Roswaenge für den Kurzauftritt als italienischer Sänger im I. Akt des Rosenkavaliers eingesetzt hatte.[12] Clemens Krauss ließ sich in seinem Qualitätsanspruch nicht beirren, freilich zermürbten die ständigen Vorwürfe die Laune.

Auch um das Ballett bemühte sich der Operndirektor: 1930 bestellte er Bronislava Nijinska als Ballettdirektorin, die Aufsehen erregte, weil sie nach 37 Tagen Amtsführung abreiste,[13] 1931 Toni Birkmeyer und 1934 Margarete Wallmann.

Wiener Philharmoniker

Schönberg

Im Jahre 1930 übernahm Clemens Krauss — als Nachfolger Furtwänglers — die Leitung der Abonnementkonzerte der Wiener Philharmoniker, jährlich gewählt für alle Konzertdirigate einer Saison. Dem Dirigenten wurde nicht der Titel „Chefdirigent“ übertragen, denn das Engagement war befristet. Das traditionelle Nicolai-Konzert wurde aber weiterhin von Wilhelm Furtwängler geleitet. Die Ära Krauss unterschied sich durch ein klares Bekenntnis zur zeitgenössischen Musik — er setzte Stücke von Schönberg (Verklärte Nacht), Berg (Lyrische Suite), Debussy, Ravel, Elgar, Holst, Prokofieff und Strawinsky auf das Programm der Abonnementkonzerte. In den Jahren 1930 bis 1932 gastierte der Dirigent mit den Philharmonikern in Paris, Brünn, Prag, Budapest und Eisenstadt.

Ab April 1933 lagen Dirigent und Orchester in Streit. Bei der Hauptversammlung der Wiener Philharmoniker vom 24. April 1933 hatten 85 Mitglieder in einer geheimen Abstimmung „die offene Kampfansage an Direktor Krauss“ befürwortet. „Damit war das Ende der Ära Krauss besiegelt.“[14] Am Folgetag, dem 25. April, trug Clemens Krauss in sein Datenbuch ein: „Wegen einer inferiören Handlungsweise eines neu gewählten Vorstandes der Wiener Philharmoniker lege ich mein Amt als ständiger Dirigent der philharmonischen Abonnementskonzerte nieder.“[15] Clemens Krauss war der letzte Abonnementdirigent der Wiener Philharmoniker. Seither lädt das Orchester alljährlich mehrere prominente Dirigenten ein, ihre Abonnementkonzerte zu leiten. Als Gründe für die Abwahl wurden genannt einerseits der Rückgang der Abonnentenzahlen, andererseits die vielen zeitgenössischen Werke im Programm (beispielsweise Berg und Schönberg).

Trotz der Trennung konzertierten Clemens Krauss und die Philharmoniker am 6. und 7. Mai 1933 im Rahmen einer Österreich- und Italien-Tournee im Teatro Augusteo in Rom. Auf dem Programm standen Werke von Mozart, Haydn, Schubert und Johann Strauß. Am Sonntag, den 7. wurde zusätzlich in der Vatikanstadt ein Konzert für den Papst gegeben — mit Schuberts Unvollendeter und mit dem Walzer An der schönen blauen Donau von Johann Strauss II.[16]

Uraufführung der Arabella

Nach der Machtübernahme Hitlers kam es auch an der Dresdner Semperoper zu dramatischen Umwälzungen. GMD Fritz Busch wurde am Vormittag des 7. März 1933 vom NSDAP-Gaukunstwart des Amtes enthoben und am Abend desselben Tages – er sollte Rigoletto leiten – von SA-Männern vom Dirigentenpult gebrüllt. Er emigrierte nach England. Somit gab es für die Arabella-Uraufführung am 1. Juli 1933 keinen Dirigenten. Auf Ersuchen des Komponisten sprang Clemens Krauss ein. Er nahm zwei Umbesetzungen vor: Die Titelpartie übertrug er – an Stelle von Lotte Lehmann, die während des NS-Regimes nicht in Deutschland auftreten wollte – seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau, Viorica Ursuleac. (Die Lehmann übernahm dann die Titelpartie in der Wiener Erstaufführung wenige Monate später.[17]) Die Zdenka vertraute er Margit Bokor an, einer ungarischen Jüdin, die er danach nach Wien und Salzburg verpflichten sollte. Das NS-Regime übersah die Provokation (oder ignorierte sie). In Österreich brach ein Sturm der Entrüstung los, denn Hitler hatte im Mai 1933 mit der Tausend-Mark-Sperre dem österreichischen Tourismus (und den Salzburger Festspielen) den Kampf angesagt und am 20. Juni 1933 hatte die Dollfuß-Regierung die Tätigkeit der NSDAP und ihrer Wehrformationen in Österreich verboten. Das Dirigat in Dresden wurde als Vaterlandsverrat gewertet.[18]

Konflikte an der Wiener Oper

Der Ständestaat hofierte zur selben Zeit geradezu demonstrativ ausländische Dirigenten: Bundespräsident Miklas applaudierte stehend am 12. April 1933 dem aus Deutschland emigrierten Bruno Walter und die Dollfuss-Trauerfeier im Wiener Operntheater wurde Arturo Toscanini übertragen,[18] nicht dem Direktor des Hauses, wiewohl dieser bereits am 5. Mai 1930 im Stephansdom Verdis Messa da Requiem höchst erfolgreich geleitet hatte.

Das Wiener Operntheater, 1928

Im Herbst 1933 gab Clemens Krauss die für Februar 1934 geplante Uraufführung von Karl V. von Ernst Krenek bekannt. Es entfachte sich mannigfacher Widerstand inner- und außerhalb des Hauses: Die Darstellung von Kaiser Karls V. Umgang mit der Konfessionsspaltung – das Libretto stammte vom Komponisten – und die „radikale Tonsprache der ersten Zwölfton-Oper“[19] lösten Empörung bei illegalen Nationalsozialisten, konservativen Kritikern, Heimwehrfunktionären und intriganten Orchestermusikern aus – darunter Hugo Burghauser, Heinrich Damisch, Robert Lach und Joseph Rinaldini. Die Sängerinnen Lotte Lehmann und Elisabeth Schumann weigerten sich atonal zu singen, beschwerten sich aber sodann beim damals zuständigen Minister Kurt Schuschnigg, dass der Operndirektor Ersatz aus Deutschland engagierte. Korrepetitor Krips und Fagottist Burghauser, ein Heimwerkfunktionär, verfassten ein Memorandum, in welchem sie vor einer Kostenexplosion und einem Skandal warnen, sollte Karl V. zur Aufführung gelangen.[20] Die Phalanx erreichte, was sie wollte, Clemens Krauss sah sich gezwungen, die Uraufführung vorerst zu verschieben. Auch ein Disziplinarverfahren gegen den Fagottisten brachte nicht Ruhe ins Haus, die Intrigen setzten sich fort. Numehr wurde die Vertragsverlängerung von Clemens Krauss in Frage gestellt. Die Uraufführung von Karl V. fand dann nicht in Wien, sondern am 22. Juni 1938 in Prag statt.[21][22]

Rettung von Juden

Im Mai 1934 hatte Clemens Krauss am Royal Opera House in London die britischen Schwestern Ida und Louise Cook kennen gelernt. Er dirigierte damals die britische Erstaufführung von Arabella, Viorica Ursuleac sang die Titelpartie. Nach Ida Cooks Autobiografie We followed our Stars baten Clemens Krauss und Viorica Ursuleac die Schwestern, deutschen Juden zur Flucht nach Großbritannien zu verhelfen. Erstmals konfrontierte die Ursuleac die beiden Schwestern mit dem Anliegen auf dem Bahnsteig des Amsterdamer Bahnhofs nach ihrer Teilnahme an einer Richard Strauss Festival Week. Dies trug sich Ende November oder Anfang Dezember 1934 zu. Die ersten, in Sicherheit zu bringenden Jüdinnen war Mitia Mayer-Lismann, eine Musikologin aus Frankfurt a.M., und deren Tochter Elsa. Gerettet wurden u.a. Georg Maliniak, Korrepetitor an der Wiener Oper, sowie dessen Frau und dessen Tochter, weiters zwei Frauen aus Frankfurt/Main, die Fotografin Lisa Basch und die Journalistin Friedl Orlando, insgesamt mindestens 29 Personen.[23]

Die Cook-Schwestern schmuggelten Wertsachen der Verfolgten nach London und besorgten Visa, Wohnplätze und Arbeit. Getarnt wurden die Reisen in der Folge als Opernbesuche an Opernhäusern, an welchen Ursuleac und/oder Krauss auftraten.[24][25] Yad Vashem verlieh den Schwestern Ida und Louise Cook 1965 den Titel Gerechte unter den Völkern.[26]

Wechsel nach Berlin

Die Verhandlungen über die Vertragsverlängerung in Wien führten im Spätsommer 1934 zu einem eigenartigen Ergebnis. Zwar war der Vertrag auf fünf Jahre ausgelegt, konnte aber im ersten Jahr (am 1. Februar 1935 zum Saisonende) vorzeitig gekündigt werden. Diese Rücktrittsklausel war ungewöhnlich und für einen Dirigenten von Weltrang demütigend, zumal ja auch seine Direktionszeit bis dato höchst erfolgreich war. Es bedeutete für Clemens Krauss, dass er nur mit einer Spielzeit fest rechnen konnte.[18] Nachdem ihm Berlin einen unkündbaren 10-Jahres-Vertrag mit weitgehender künstlerischer Freiheit angeboten hatte, ersuchte er um Neuverhandlung. Dazu kam es jedoch nicht mehr, weil das Berliner Angebot durch Indiskretionen an die Presse gelangte. Beispielhaft für die angespannte Situation in Wien war eine Falstaff-Aufführung am 11. Dezember 1934, bei der es zu lautstarken Kundgebungen für und gegen Krauss kam, die erst durch die Polizei aufgelöst werden konnten.

Im November 1934 war Clemens Krauss – wie bereits sehr oft während seiner Direktionszeit – mit Kostenbeschränkungen seitens der Bundestheaterverwaltung konfrontiert. Der Direktor plante für 1935 eine Neuinszenierung der Carmen, denn die bestehende Inszenierung war bereits sechzig Jahre alt. Die prognostizierten Kosten von 45.000 Schilling waren der Bundestheaterverwaltung zu hoch, sie wollte nur 35.000 Schilling genehmigen.[27]

Berliner Staatsoper, 1936

Angesichts der prekären Lage und der mannigfachen Intrigen in Wien entschloss sich Clemens Krauss zum Wechsel nach Berlin. Oliver Rathkolb stellt die Vermutung in den Raum, die damalige Lebensgefährtin des Dirigenten, Viorica Ursuleac, könne eine Rolle gespielt haben, weil sie sich in Berlin mehr „Hauptrollen“ erhofft haben solle, in Wien jedoch im Schatten von Lotte Lehmann gestanden sei — die Rollenüberschneidungen der beiden Damen waren in der Tat erheblich (Arabella, Feldmarschallin, Eva in den Meistersingern von Nürnberg und Cio-Cio-San).[28] Die Ursuleac war aber bereits seit 1933 für Hauptrollen in Berlin engagiert und wurde dort 1934 zur preußischen Kammersängerin ernannt. Rathkolbs Argumentation kann nicht stimmen, denn die Ursuleac hatte in Wien nur einen Gastvertrag und sie war bereits vor Clemens Krauss' Demission Ende des Jahres 1934 eine international gefragte Sängerin: 1934 trat sie beispielsweise umjubelt in drei Opernproduktionen am Royal Opera House Covent Garden in London auf — als Desdemona, als Dorota (in Schwanda, der Dudelsackpfeifer) und als Arabella.

Am 15. Dezember 1934 demissionierte Clemens Krauss nach mehr als fünfjähriger Direktionszeit in Wien. In seinem Abschiedsschreiben an die Mitglieder der Wiener Staatsoper findet sich folgender Satz: „Vergessen Sie nicht, daß es immer mein höchstes Ziel war, unsere arteigene österreichische Kunst zu erhalten und zum Siege zu führen.“[29]

Wilhelm Furtwängler hatte im Spätherbst 1934 seine Demission als Operndirektor der an die Berliner Staatsoper eingereicht. Auf ausdrücklichen Wunsch Adolf Hitlers, der Clemens Krauss bewunderte, wurde er von Hermann Göring an die Berliner Staatsoper verpflichtet. Der Führer hatte sich die Entscheidung über die Operndirektoren in Berlin, Bayreuth, München und Wien persönlich vorbehalten. Joseph Goebbels ernannte Clemens Krauss im November 1935 zum Reichskultursenator.[30] Vier Wiener Ensemblemitglieder folgten Krauss nach Berlin — Karl Hammes, Adele Kern, Josef von Manowarda und Franz Völker, was in der österreichischen Presse erneut für Empörung sorgte.[31] Der Dirigent und Direktor stürzte sich in die Arbeit und begann im Januar 1935 mit einer Neuinszenierung der Meistersinger von Nürnberg. Es folgten der Ring des Nibelungen und zwei Richard-Strauss-Opern — Die ägyptische Helena und Der Rosenkavalier, letzterer mit Jaro Prohaskas Rollendebüt als Baron Ochs auf Lerchenau sowie mit den drei Damen Viorica Ursuleac, Tiana Lemnitz und Adele Kern. Es inszenierte Josef Gielen, der von Nazis in Dresden denunziert worden war und den Krauss an die Staatsoper geholt hatte. Doch auch die deutsche Hauptstadt war nicht frei von Intrigen. Der im Schatten von Krauss stehende Generalintendant Heinz Tietjen arbeitete gezielt mit lauteren und wenig lauteren Mitteln an der Entfremdung zwischen Göring und dem Operndirektor, letztlich an dessen Demontage. Hitler empfing den Dirigenten Ende 1935 auf den Berghof und stellte ihm eine Berufung nach München in Aussicht. Anfang 1936 wurde der wenig diplomatische Hans Knappertsbusch aus seiner Leitungsfunktion an der Münchner Oper entlassen. Am 6. Juli 1936 verabschiedete sich Clemens Krauss mit einer Rosenkavalier-Vorstellung aus der Berliner Staatsoper. Anfang 1937 trat er sein Amt als GMD in München an.

Münchner Staatsoper

Die künstlerische Freiheit und den Handlungsspielraum, den sich Clemens Krauss in Berlin erhofft hatte, bekam er in München. Zwar wirkte auch dort ein unscheinbarer Generalintendant, Oskar Walleck, der zugleich als Leiter der „Obersten Theaterbehörde in Bayern“ im Staatsministerium des Innern fungierte. Walleck war SS-Mitglied seit November 1932. Im Gegensatz zu Tietjen in Berlin konnte er sich nicht halten, er wurde 1939 nach Prag versetzt. [30]

Friedenstag, 1938, von links nach rechts: Hans Hotter, Richard Strauss und Viorica Ursuleac

Die Programmatik für die Münchner Oper war einerseits das Repertoiresystem auf höchstem Niveau, andererseits das Komponisten-Dreigestirn Mozart / Wagner / R. Strauss. Er etablierte Rudolf Hartmann, der mit ihm aus Berlin gekommen war, als Hausregisseur und engagierte erneut den Bühnenbildner Ludwig Sievert. Die Münchner Oper erhielt im November 1936 eine Sondersubvention von 400.000 RM, die vom Propagandaministerium zur Verfügung gestellt wurde. Es gelang ihm, das Orchester als Spitzenorchester tariflich einstufen zu lassen und die Anschaffung wertvoller Meisterinstrumente durchzusetzen.[32] Auch für Chor und Ballett konnte Krauss höhere tarifliche Einstufung durchsetzen.[33] Krauss erneuerte konsequent die Standardwerke, beginnend mit Aida, Cosí fan tutte, Salome und Ariadne auf Naxos. Für eine Neuinszenierung des Fliegenden Holländers wurde der Berliner Bühnenbildner Rochus Gliese verpflichtet.[34] Während seiner Direktionszeit konnte Krauss zwei neue Strauss-Werke zur Uraufführung bringen — 1938 den Einakter Friedenstag, den der Komponist Krauss und Ursuleac gewidmet hatte, und 1942 das Konversationsstück für Musik Capriccio. Insgesamt studierte Krauss in seinen Münchner Jahren 39 Werke neu ein, neun weitere Neuinszenierungen wurden von den Dirigenten Zallinger, Tutein und Hollreiser dirigiert. Leider gibt es kaum Tondokumente und überhaupt keine Filme. Über die Münchner Opernfestspiele, die traditionell im Juni und Juli an der Münchner Oper stattfinden, schrieb der Schweizer Kritiker Willi Schuh in der NZZ, sie seien unter Krauss „eine europäische Hörens- und Sehenswürdigkeit“ geworden.[35]

Im Interview zum Forschungsprojekt Bayerische Staatsoper 1933-1963 sprach Jürgen Schläder von der „unglaublichen künstlerischen Leistung“ während der Intendanzen von Clemens Krauss und Rudolf Hartmann, die „den Höchststand des damals Denkbaren erreicht hat“. Sowohl Hitler als auch in der Nachkriegszeit der Finanzminister des Freistaats Bayern wollten die Münchener Oper als Vorzeigeprojekt für das In- und Ausland positionieren, entsprechend war die Dotierung des Hauses.[36] Direkte Interventionen seitens des NS-Regimes in Spielplan und Besetzungen sind nicht erkennbar.

Während seiner Münchner Jahre gastierte der Dirigent häufig im In- und Ausland. Beispielsweise unternahm er mit den Berliner Philharmonikern eine Tournee nach Spanien und Portugal. Im März 1941 dirigiert er in Berlin ein Festkonzert dieses Orchesters zum 75. Geburtstag von Jean Sibelius mit der Erstaufführung von Tapiola.[37] Auch mit dem Ensemble der Münchner Oper reiste der Direktor regelmäßig, beispielsweise mit Così fan tutte 1941 an die Wiener Staatsoper.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland bemühte sich Clemens Krauss mehrfach, erneut Direktor der Wiener Staatsoper zu werden — zusätzlich zu seiner Münchner Position. Im Mai 1941 hatte er nach sechs Jahren wieder eine Unterredung mit Hitler, in der es um seine Wiener Ambitionen ging. Hitler lehnte es rundherum ab, Krauss nach Wien gehen zu lassen. Am 13. September 1941 erfolgte die Ernennung zum Leiter der Salzburger Festspiele.[15] Das Rennen um die Position in Wien machte Karl Böhm.

Mozarteum Salzburg

Goebbels klärte am 17. November 1938 zusammen mit Krauss einige Fragen über die Zukunft des Mozarteums in Salzburg. Krauss war bereit, die Leitung zu übernehmen und eine Dirigentenschule aufzubauen. Auf seine Initiative hin wurde das Mozarteum am 13. Juni 1939 eine Musikhochschule. Clemens Krauss wurde am selben Tag gegen den Widerstand der Gauleitung München zum Oberleiter der Musikhochschule Mozarteum und Leiter der Stiftung Mozarteum ernannt. Die Gauleitung in München sprach Krauss die politische Eignung für dieses Amt mit der Begründung ab, dass er weder Mitglied der NSDAP noch anderer NS-Verbände sei. Die Beziehung zu Hitler und zu Goebbels[38] schützten Krauss jedoch vor diesen Einwänden; zudem bescheinigten die Wiener NSDAP-Stellen Krauss, stets nationalsozialistisch eingestellt gewesen zu sein.[31] Während des feierlichen Eröffnungsakts der Musikhochschule Mozarteum waren der preußische Kultusminister und Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Bernhard Rust, Gauleiter Friedrich Rainer und hohe Vertreter der NSDAP im Großen Saal des Mozarteums anwesend. Clemens Krauss sagte während seiner Ansprache:

Ich übernehme in diesem feierlichen Moment die künstlerische Oberleitung der Musikhochschule. Ich gelobe an dieser Stelle, das mir anvertraute Gut als eine hohe Schule der Kunst zu führen mit all der Ehrfurcht, die uns Künstler in dieser Stadt befällt, wo Mozart als Schüler gelernt, mit tiefer Demut vor dem Genius Mozart und vor dem vorwärts stürmenden erhabenen Meister und Künstler Adolf Hitler.[39]

Die pädagogischen Prinzipien von Clemens Krauss standen im eklatanten Widerspruch zum NS-ideologischen Grundsatz der Erziehung zur Gemeinschaft durch Musik. Anlässlich seiner Direktionsübernahme hielt er ausdrücklich fest: „Nichts ist verdammenswerter in der Kunsterziehung als Gleichförmigkeit. Wir sollen Persönlichkeiten heranbilden, also muß die Erziehung gerade auf die Individualität des Schülers eingehen.“ Er nutzte seine Position auch für solidarische Akte, setzte sich für Künstlerkollegen ein und wehrte Einberufungen zur Wehrmacht ab.[40]

Gründer der philharmonischen Neujahrskonzerte

Großer Saal des Wiener Musikvereins

Clemens Krauss war Gründungsdirigent der Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker. Am Sonntag, 11. August 1929 um 12 Uhr mittags gaben die Wiener Philharmoniker unter Leitung von Clemens Krauss im Festspielhaus ihr „Drittes Orchesterkonzert“ bei den Salzburger Festspielen, gewidmet ausschließlich Werken von Johann Strauss (Sohn). Ähnliche Konzerte mit anderen Werken des sogenannten „Walzerkönigs“ folgten bei den Salzburger Festspielen 1930, 1931, 1932, 1933 und 1939. Identisch mit dem Programm des Konzerts vom 13. August 1939 im Mozarteum war dann das Außerordentliche Konzert der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Clemens Krauss am 31. Dezember 1939 im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, das als Beginn der Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker gilt. Ab 1941 fand das Konzert am Neujahrstag statt. Forschungen bestätigten, dass Clemens Krauss die Initiative für das Neujahrskonzert ergriff und auch die ersten Gespräche in Berlin mit der Reichs-Rundfunk-Gesellschaft vorbereitete. „Clemens Krauss ist der zentrale Motor für die Strauß-Konzerte vor 1938 und nach 1938“, so der Zeitgeschichtler Oliver Rathkolb. Man sei mit dem Neujahrskonzert jedenfalls keinen dezidierten Auftrag aus Berlin nachgekommen.[41]

Er leitete das Neujahrskonzert bis 1945 und erneut von 1948 bis zu seinem Todesjahr 1954. In den Jahren des Berufsverbotes Krauss’ übernahm Josef Krips 1946 und 1947 das Dirigat.

Leitung der Salzburger Festspiele

Im Jahr 1941 sah Krauss die Salzburger Festspiele 1942 in Gefahr, „dem Zugriff der Berliner kunstpolitischen Stellen zum Opfer zu fallen.“ Die Festspiele sollten durch Reichsdramaturg Rainer Schlösser und die Musikstelle des Propagandaministeriums geleitet werden. „Es war geplant, den Wiener Philharmonikern ihr Vorrecht auf Salzburg zu entziehen, die Schauspielaufführungen mit Berliner Künstlern durchzuführen etc.“ Auf Bitten der damaligen Salzburger Behörden stellte sich Krauss für die Leitung der Salzburger Festspiele zur Verfügung. Am 13. September 1941 erhielt Clemens Krauss von Hitler den Auftrag, die Salzburger Festspiele als künstlerischer Leiter zu übernehmen. Krauss wachte nach eigener Aussage „kraft [seiner] künstlerischen Autorität darüber, daß den Festspielen der österreichische Charakter gewahrt blieb.“

Capriccio

Capriccio, 1942

Die ursprüngliche Idee für das „Konversationsstück für Musik“, so der Untertitel, stammte von Stefan Zweig. Joseph Gregor fertigte mehrere Entwürfe an. Die weitere Ausführung des Librettos übernahmen Clemens Krauss und Richard Strauss — unter Mitwirkung von Hans Swarowsky. Von Clemens Krauss stammen u.a. Titel und Untertitel. Die Uraufführung am 28. Oktober 1942 an der Münchner Oper wurde zum „Sensationserfolg“, der „alle Erwartungen übertraf und nahezu mehr als ein halbes Jahrhundert überdauerte“, so die Bayerische Staatsoper im Rückblick.[42] In der Tat ist dieses Bühnenwerk das einzige von Richard Strauss, welches — nach dem Tod von Hugo von Hofmannsthal und den gemeinsam erarbeiteten Opern — einen dauerhaften Platz in den Spielplänen der großen Opernhäuser erringen konnte. Die Handlung spielt um 1775. Im Gartensaal eines Rokokoschlosses in der Nähe von Paris werben ein Dichter und ein Komponist um die Gunst der jungen Gräfin Madeleine. Das Werk gilt als Musterbeispiel des Eskapismus, denn zeitgleich mit den Deportationszügen in die Vernichtungslager und der Schlacht von Stalingrad baute Rochus Gliese einen opulenten Rokoko-Bühnenraum mit Harfe und Hammerklavier, nähte man an ebensolchen eleganten Kostümen und parlierte man im Konversationston über weltbewegende Fragen, wie die Priorität von Wort oder Musik in der Oper. Der textdichtende Theaterdirektor legte seinem Alter-Ego auf der Bühne, dem singenden Theaterdirektor La Roche, aber auch folgende Worte in den Mund:

Seht hin auf die niederen Possen,
an denen unsere Hauptstadt sich ergötzt:
Die Grimasse ist ihr Wahrzeichen —
die Parodie ihr Element —
ihr Inhalt sittenlose Frechheit!
Tölpisch und rüde sind ihre Späße!
Die Masken zwar sind gefallen,
doch Fratzen seht ihr statt Menschenantlitze!
Auch ihr, ich weiss es, verachtet dieses Treiben,
und doch, ihr duldet es!
Ihr macht euch schuldig durch euer Schweigen
[43][44]

Das Werk sollte so gar nicht in die Zeit passen und die gar nicht einmal so subtile Kritik am Regime wurde nicht als solche erkannt, auch nicht die Selbstkritik der Autoren betreffend Schweigen und Dulden. Clemens Krauss wollte mit dieser Produktion unbedingt in den unbesetzten Teil Frankreichs reisen, doch die Tournee scheiterte an fehlenden Transportkapazitäten.[42][45] 2018 interpretierte die vormalige Sängerin, nunmehrige Regisseurin Brigitte Fassbaender das Werk in Frankfurt neu. In ihrer Inszenierung tauschte Gräfin Madeleine das Barockkleid gegen einen einfachen Mantel — um in den Widerstand zu gehen.[46]

Im Jahr darauf, anläßlich seines 50. Geburtstags, sollte Clemens Krauss mit der Goethe-Medaille ausgezeichnet werden, doch Goebbels verwehrte sie dem Dirigenten, vorgeblich weil er zu jung sei. Das goldene Parteiabzeichen, welches ihm an seinem 50. Geburtstag als Ehrung für die Neugestaltung der Münchner Oper verliehen werden sollte, lehnte Krauss ab.[30] Also blieb zum runden Geburtstag nur die offizielle Versöhnung zwischen dem Dirigenten und den Wiener Philharmonikern am 27. März 1943. Das Orchester ehrte den Dirigenten mit dem Ehrenring und Clemens Krauss bedankte sich vor versammeltem Plenum mit der Versicherung, das für ihn als Leiter der Salzburger Festspiele nur die Wiener Philharmoniker als Festspielorchester in Betracht kämen.[47]

Die Liebe der Danae

Aufgrund des Weltkrieges kam so gut wie kein internationales Publikum mehr zu den Salzburger Festspielen und die Ressourcen waren extrem beschränkt. Die Vorstellungen wurden überwiegend von Rüstungsarbeitern und Wehrmachtssoldaten besucht, viele von ihnen verwundet und rekonvaleszent. Clemens Krauss brachte 1942 und 1943 jeweils eine Mozart-Oper und ein Werk von Richard Strauss zur Aufführung — Die Hochzeit des Figaro und Die Zauberflöte sowie in beiden Jahren Arabella. Sowohl Gauleiter Gustav Adolf Scheel, als auch Propagandaminister Joseph Goebbels hatten 1943 „außerordentliche[.] Schwierigkeiten“ mit Clemens Krauss. Der Propagandaminister hielt den Festspielleiter für einen „Dirigentenfürst[en]“, der sich Allüren angeeignet habe, die absolut gegen ihn sprechen.[48] An den Intrigen gegen Clemens Krauss war diesmal auch der sogenannte Reichsdramaturg Rainer Schlösser beteiligt.

1944 sollten die Festspiele aufgrund der Mobilisierung zum Totalen Krieg eigentlich abgesagt werden, Krauss konnte aber die geplante Uraufführung der neuen Richard-Strauss-Oper Die Liebe der Danae immerhin zu einer öffentlichen Generalprobe bringen. Es handelte sich um eine Heitere Mythologie in drei Akten, so der Untertitel. In dieser Oper sind die Götter abgewrackt, die Menschheit herabgekommen, alles und jedes dreht sich ums Geld. Gold etabliert sich als neue Gottheit. Doch der Wohlstand ist eine Täuschung, nur eine Seifenblase. Im dritten Akt wütet Zerstörung, geht alles zugrunde. Anläßlich der Münchner Premiere vom Februar 2025 der selten gespielten Oper stellte Getong Feng folgende Frage: „ein Ende des Kapitalismus oder ein Verfall der Zivilisation?“.[49] Geoffrey Schied schrieb über dieselbe Produktion von „den rasenden Tönen, die rund um Geld, Gold, Wechsel und Schulden wogen.“[50]

Nach der Salzburger Probe wandte sich der alte Komponist tief bewegt an die Wiener Philharmoniker und sprach: „Vielleicht sehen wir uns in einer besseren Welt wieder“.[51]

Die Uraufführung des Werkes konnte erst 1952 stattfinden.

Letzte Kriegstage

Die Münchner Oper nach dem Bomben­treffer von 1943

Unverblümt äußert Joseph Goebbels in seinen Tagebüchern seine Meinung über den Intendanten der Münchner Staatsoper — nach einer Rundfunkübertragung des Fliegenden Holländers: „Clemens Krauß hat doch in München Enormes geleistet. Er ist zwar ein unsympathischer Geselle, aber von Musik versteht er etwas.“[52]

Mitte 1944 kehrte Clemens Krauss nach Österreich, damals Ostmark, zurück. Die Münchner Oper war in der Nacht auf den 3. Oktober 1943 durch einen Bombenangriff zerstört worden. Bis Ende Juni 1944 wurde noch an verschiedenen Veranstaltungsorten weitergespielt. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs, als zum 1. September 1944 die Theater geschlossen wurden, standen Clemens Krauss und die Wiener Philharmoniker auf der Gottbegnadeten-Liste, einer vom Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda und Hitler zusammengestellten Liste, in der die wichtigsten Künstler des NS-Regimes aufgeführt waren. Diese Nennung befreite ihn vom Kriegseinsatz.[53][54] Seinen Münchener Vertrag verlängerte er nicht mehr.

Philharmonikervorstand Clemens Hellsberg schrieb im Kapitel Volkssturmeinheit Wiener Philharmoniker seines Buches Demokratie der Könige: „Während die Rote Armee schon vor den Toren Wiens stand, spielten die Philharmoniker unter der Leitung von Krauss Werke Debussys und Ravels ein!“[47] „Der vormalige Wiener Operndirektor war der einzige prominente Dirigent, der sich nicht abgesetzt hatte.“ Wilhelm Furtwängler und Karl Böhm waren ‚krank‘ gemeldet, Herbert von Karajan hatte sich nach Italien verabschiedet, aber Krauss blieb in Wien, bei den Philharmonikern, hielt den Klangkörper inmitten der Bombardierungen der Stadt zusammen.[55] Das Konzertarchiv der Wiener Philharmoniker verzeichnet für den Zeitraum 1. Jänner bis 2. April 1945 insgesamt 28 Dirigate von Clemens Krauss. Das Orchester musste fortwährend spielen, um nicht zum Volkssturm eingezogen werden.[56]

Nachkriegszeit

Nach der Schlacht um Wien und der Befreiung der Stadt dirigierte Krauss am 27. April 1945 auf ausdrücklichen Wunsch der sowjetischen Kulturverwaltung in Wien ein Konzert der Wiener Philharmoniker, es folgten bis Ende Juni zehn weitere Konzerte. Danach wurde er jedoch — seitens der österreichischen Ministerialbürokratie — mit zwei Jahren Berufsverbot belegt. Ein Entnazifizierungsverfahren fand nicht statt, weil der Künstler weder der NSDAP noch irgendeiner Vorfeldorganisation angehört hatte. Erst 1947 dirigierte Clemens Krauss wieder regelmäßig in Österreich und im Ausland: Am 1. Mai 1947 wurde das Dirigierverbot aufgehoben, bereits zehn Tage später leitete er ein Abonnementkonzert der Wiener Philharmoniker — mit Also sprach Zarathustra und Beethovens Fünfter.[57] Am 21. Juni 1947 stand er wieder am Pult der Wiener Staatsoper (im Ausweichquartier Theater an der Wien), für Salome von Richard Strauss mit Ljuba Welitsch in der Titelpartie; im September 1947 leitete er drei Fidelio-Vorstellungen beim Gastspiel der Wiener Staatsoper im Royal Opera House Covent Garden in London. Das erlesene Ensemble bestand aus Julius Patzak, Hilde Konetzni, Herbert Alsen, Paul Schöffler, Ludwig Weber, Elisabeth Schwarzkopf und Peter Klein.[58] In den Nachkriegsjahren leitete er an der Wiener Staatsoper insgesamt 127 Vorstellungen, zumeist Werke von Richard Wagner und Richard Strauss, aber auch Don Giovanni, Fidelio und Falstaff sowie die Premieren des Boris Godunow und des Mysterienspiels Jeanne d'Arc au bûcher von Paul Claudel und Arthur Honegger.[31]

Es folgte ab 1947 rasch internationale Anerkennung. Er absolvierte Konzerttourneen in Europa und Südamerika, gastierte mit den Wiener Philharmonikern in Paris und London, in Deutschland, der Schweiz und in Ägypten, mit den Wiener Symphonikern in Jugoslawien und mit den Bamberger Symphonikern in Spanien und Portugal. Er wurde von den Bregenzer Festspielen eingeladen, mehrfach vom Royal Opera House in London, von der Pariser Oper und von der Scala in Mailand.

Nahezu das gesamte Jahr 1948 verbrachten der Dirigent und seine Ehefrau in Südamerika. Insbesondere am Teatro Colon in Buenos Aires konnten Clemens Krauss und Viorica Ursuleac große Erfolge erringen — mit Tristan und Isolde in außergewöhnlicher Besetzung (Kirsten Flagstad, Set Svanholm, Hans Hotter, Ludwig Weber und der Ursuleac als Brangäne) und mit dem Fliegenden Holländer (mit Hans Hotter in der Titelpartie, Georg Hann, Karl Ostertag und Viorica Ursuleac als Senta). Clemens Krauss leitete in diesem Jahr auch eine Reihe von Orchesterkonzerten, bisweilen mit Novitäten für das dortige Publikum, beispielsweise von Bruckner und Richard Strauss. Von den Wagner-Aufführungen in Buenos Aires bestehen zumindest teilweise Live-Mitschnitte. 1949 residierte er in Rom.

Am 18. September 1949 leitete er die offizielle Trauerfeier für Richard Strauss.[59]

Unterrichtsminister Ernst Kolb wollte Clemens Krauss unbedingt neuerlich als Direktor der Wiener Staatsoper gewinnen, ab 1955. Er hatte zuvor die Wiener Philharmoniker als Staatsopernorchester um ein Votum zwischen den drei Österreichern Böhm, Karajan und Krauss gebeten. Das Orchester entschied sich einstimmig für Clemens Krauss. Der Minister scheiterte jedoch an Intrigen in seiner eigenen Partei. Das Rennen machte wiederum Karl Böhm.[60]

Salzburger und Bayreuther Festspiele

Bayreuther Fest­spiel­haus

1952 wurde Clemens Krauss erstmals nach Kriegsende wieder zu den Salzburger Festspielen eingeladen. Er dirigierte dort 1952 die Uraufführung der Liebe der Danae von Richard Strauss und 1953 – alternierend mit Karl Böhm – den Rosenkavalier. Während einer der Salzburger Vorstellungen im Jahre 1952 empfing Clemens Krauss Besuch in seiner Garderobe — es kam, um sich zu entschuldigen, der Fagottist Burghauser, dessen Memorandum zum Abgang des Dirigenten 1934 aus Wien wesentlich beigetragen hatte.[61]

1953 übernahm er die Dirigate von Richard Wagners Ring des Nibelungen und des Parsifal bei den Bayreuther Festspielen.[31] Von den Bayreuther Dirigaten bestehen (hochgelobte) Mitschnitte, die veröffentlicht wurden.

Clemens Krauss verstarb während einer Konzertreise in Mexiko an Herzversagen, wenige Stunden nach einem Konzert. Seine Beisetzung fand am 12. Juli 1954 in Ehrwald in Tirol statt, wo seit 1950 seinen Wohnsitz hatte.

Charakteristika und Rang

Clemens Krauss zählt zweifelsohne zu den bedeutendsten Dirigenten seiner Generation — noch vor Karl Böhm und Herbert von Karajan. Sein Dirigierstil wird als elegant, transparent und rhythmisch präzise beschrieben. Obwohl er sowohl im Theaterbetrieb als auch im Konzertsaal als Universalist Werke von Mozart bis in die Gegenwart einstudierte, waren doch seine Wertschätzung für Johann Strauss II und die langjährige Künstlerfreundschaft mit Richard Strauss prägend.

Zusammenarbeit mit Richard Strauss

Der Dirigierstil von Clemens Krauss entsprach genau den Vorstellungen des Komponisten — sachlich, stringent, frei von Pathos. Der junge Mann wurde am 3. März 1922, noch nicht dreißig Jahre alt, zu einem Probedirigat des Rosenkavaliers am Wiener Operntheater eingeladen. Es war die gemeinsame Direktionszeit von Franz Schalk und Richard Strauss. Er wurde sogleich für die kommende Spielzeit ans Haus verpflichtet. 1924 ging er als GMD und Intendant nach Frankfurt am Main, doch die in Wien begründete Freundschaft zu dem knapp dreißig Jahre älteren Komponisten, Dirigenten und Direktor blieb aufrecht. Krauss galt als Lieblingsdirigent von Richard Strauss und — nach dem Tod Hofmannsthals — auch als sein engster Vertrauter und künstlerischer Berater. 1926 brachte Richard Strauss den jungen Kollegen zu den Salzburger Festspielen, 1929 war er maßgeblich an dessen Bestellung als Direktor der Wiener Oper beteiligt. Sowohl in Frankfurt, Wien und Berlin als auch in den acht Jahren seiner Münchner Leitungsfunktion stellte Clemens Krauss stets die Werke von Richard Strauss ins Zentrum des Repertoires und bemühte sich um modellhafte Inszenierungen. Laut KI „formte [er] den „Strauss-Klang“, der bis heute als Referenz gilt.“ Weiters: „Sein Dirigat war stets vom Atem der Bühne geprägt, nicht von der mathematischen Strenge des Konzertsaals.“[62] Das Verhängnis des Clemens Krauss war, dass er sich ein Leben und Wirken fern des Mentors und Freundes nicht vorstellen konnte. Es war eine Arbeitsbeziehung auf Augenhöhe — und doch besetzte Richard Strauss virtuell die Position des Vaters, den Clemens Krauss nie hatte.

Richard Strauss,
Garmisch-Partenkirchen 1945

Die häufig angesetzten Aufführungen der Musiktheaterwerke von Richard Strauss brachten auch tantiemenmäßig erhebliche Einnahmen für den Komponisten. Vier Uraufführungen wurden Clemens Krauss übertragen: 1933 Arabella (in Dresden), 1938 Friedenstag und 1942 Capriccio (in München) sowie 1944/52 Die Liebe der Danae (in Salzburg). Zwei dieser Werke sind ihm gewidmet. Wesentliche Teile des Librettos von Capriccio stammten von Krauss. Als Lieblingssängerin des Komponisten galt Viorica Ursuleac, die Lebensgefährtin des Dirigenten. Richard Strauss schrieb zumindest zwei Rollen für sie. Als Clemens Krauss von Berlin nach München verpflichtet wurde, fragte man ihn, ob dies nicht ein Abstieg in die Provinz sei. Seine lakonische Antwort: „Was wollen Sie — ich kann doch in einer Stunde in Garmisch sein.“ Das war der Sitz der Villa von Richard Strauss.[63]

Was allgemein übersehen wird, ist die Tatsache, dass sich Clemens Krauss auch vehement für andere zeitgenössische Komponisten eingesetzt hat, schon in Frankfurt, auch in Wien, Berlin und München. Genannt seien hier einige Beispiele — aus Wien die Erstaufführung des Wozzeck und von Schwanda, der Dudelsackpfeifer sowie der Auftrag für die Krenek-Oper Karl V.,[64] aus München Egks Die Zaubergeige, dirigiert vom Komponisten, Pfitzners Palestrina oder Wolf-Ferraris Vier Grobiane.[65]

Position des Unpolitischen

Clemens Krauss war beseelt, man kann auch sagen: besessen, vom Klang eines Orchesters und der menschlichen Stimme. Die Welt bestand für ihn nur aus Bühne und Konzertsaal. Auch Beziehungen führte er exklusiv mit Sängerinnen. Das „draußen“ nahm er nur nolens volens zur Kenntnis, um seine Position als Prinzipal zu erringen oder zu sichern, um Geld für neue Instrumente oder für bessere tarifliche Einstufungen seines Orchesters zu lukrieren. Er konnte sich in allen politischen Konstellationen durchsetzen, sechs an der Zahl — in der Monarchie, der Weimarer Republik, der Ersten Republik, dem Ständestaat, dem Dritten Reich und der demokratischen Nachkriegsordnung Europas. Wer Operndirektor werden und bleiben will, muss zwangsläufig mit Vertretern des jeweilige Regimes verhandeln und Konsens finden. Die KI konstatiert, er „besaß ein fast unheimliches Gespür für die Machtstrukturen im Theater. Er war nicht nur Musiker, sondern ein hochgradig geschickter Intendant und Diplomat.“[66]

Parteigänger oder Propagandist war er nie. Hitler (und in seinem Gefolge Göring und Goebbels) bewunderten Clemens Krauss, nicht umgekehrt. Das Goldene Parteiabzeichen, ihm zugedacht anläßlich seines 50. Geburtstages, lehnte er lächelnd, aber bestimmt ab. Aus einigen Begegnungen mit NS-Machthabern wurde ihm 1945 der Vorwurf der Verhaberung gemacht. Krauss selbst kultivierte stets das Narrativ, er sei „nur der Musik verpflichtet“ gewesen. Er rettete vielen Juden die Karriere und womöglich das Leben (Beispiel Bokor 1933 in Dresden, Beispiel Wallerstein 1941 in den Niederlanden, Rettungsoperation der Cook-Schwestern). Niemals hat er sich dieser Taten gerühmt. Insofern ist er dem „stillen Widerstand“ zuzurechnen.

Vermächtnis

Mit sparsamer Gestik und Wiener Esprit stellte Clemens Krauss unter Beweis, dass es eine Welt des Walzers jenseits des Kitschs gibt. Der zweite Schlag wird leicht vorgezogen, kommt einen kleinen Moment früher, als das Metronom es vorschreiben würde. Das Eins-Zwei-Drei wird durch eine kreisförmige Bewegung ersetzt. Die Melodie klingt dann, als würde sie schweben. Wiewohl nicht seine Erfindung, so doch die kongeniale Interpretation, prägend für seine Nachfolger.

Clemens Krauss war kein Opportunist irgendeines Systems, sondern ein internationaler Ausnahmekünstler, der die Mechanismen der Macht nutzte, um einen Raum der Menschlichkeit und der künstlerischen Exzellenz zu erhalten. Seine Integrität bewies sich nicht in öffentlichen Proklamationen, sondern in den geretteten Leben jener Kollegen, für die er seine eigene Existenz aufs Spiel setzte. Er etablierte dauerhaft die Werke der Strauss-Dynastie im Konzertsaal und die Opern von Richard Strauss auf der Bühne. Welche Wirkmacht die Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker weltweit entfalten würden, konnte auch er nicht voraussehen.

Privatleben

Viorica Ursuleac vor einer Aufführung der Ägypti­schen Helena, 1934 bei den Salzburger Festspielen

Krauss war von 1921 bis 1930 in erster Ehe mit der Sängerin Margarete Abraham (1890–1963) verheiratet.[67] Er hatte aus dieser Ehe zwei Söhne, Octavian (1923–2004) und den späteren Schauspieler und Dramaturgen Oliver-Hector (1926–2001).[68][69] In zweiter Ehe war er ab August 1945 mit seiner langjährigen Lebensgefährtin, der rumänischen Sopranistin Viorica Ursuleac, verheiratet.[70]

Tonträger

Clemens Krauss leitete eine Reihe bedeutender Schallplatten-Aufnahmen, beispielsweise einen Zyklus der Tondichtungen von Richard Strauss sowie Gesamtaufnahmen der Salome und der Fledermaus.[71]

Sampler

Emblematisch für das Konzertrepertoire und seinen Dirigierstil ist der Sampler Complete Decca Recordings aus dem Jahr 2022. Die Sammlung von 16 CDs enthält Aufnahmen mit den Wiener Philharmonikern, dem London Symphony Orchestra und dem London Philharmonic Orchestra, dem Orchestra del Teatro alla Scala, dem Orchester der Berliner Staatsoper und dem National Symphony Orchestra aus Washington. Sie enthält:

Insbesondere die Salome-Gesamtaufnahme, entstanden im Jahr seines Todes, erfuhr enthusiastische Kritiken — sie reichen von „Meilenstein“ bis zu „Sternstunde der Strauss-Interpretationen“.[73]

Aufzeichnungen der Bayreuther Festspiele
  • Wagner: Der Ring des Nibelungen, Bayreuther Festspiele Live 1953, mit Hans Hotter (Wotan), Astrid Varnay (Brünnhilde), Regina Resnik (Sieglinde), Ramón Vinay (Siegmund), Wolfgang Windgassen (Siegfried), Josef Greindl und Ludwig Weber (Fafner und Fasolt), Gustav Neidlinger (Alberich), Erich Witte (Loge), Paul Kuen (Mime), Hermann Uhde (Gunther und Donner), Maria von Ilosvay (Erda, Schwertleite, Erste Norm), Rita Streich (Waldvogel), Chor der Bayreuther Festspiele, Orfeo D'Or
  • Wagner: Parsifal Bayreuther Festspiele Live 1953, mit Ramón Vinay (Titelpartie), Martha Mödl (Kundry), George London, Hermann Uhde, Theo Adam, Josef Greindl, Ludwig Weber, Chor der Bayreuther Festspiele, Andromeda

Ehrungen

Musik Meile Wien
  • 1932 Ehrenring der Stadt Wien
  • 1943 Ehrenring der Wiener Philharmoniker
  • 1943 Goldene Mozart-Medaille, Salzburg
  • 1951 Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker

In München gibt es seit 1956 eine Clemens-Krauß-Straße.[74] In Wien wurde zuerst eine öffentliche Parkanlage in Donaustadt nach Krauss benannt, diese ging aber faktisch im neu entstandenen Donaupark auf, woraufhin 1966 ein neu angelegter Park in Hernals als Clemens-Krauss-Park nach ihm benannt wurde.[31] Am 21. Oktober 1969 wurde in Salzburg-Parsch eine Clemens-Krauss-Straße geschaffen. Sowohl in Wien als auch in Salzburg sahen Historikerkommissionen keinen Grund, eine Umbenennung vorzuschlagen.[75] In Wien wurde ein Fall mit Diskussionsbedarf konstatiert.[76]

Am Geburtshaus in der Belvederegasse 7 (Wien IV) wurde eine Gedenktafel angebracht. Büsten finden sich in der Bayerischen Staatsoper und im Schwindfoyer der Wiener Staatsoper (Rudolf Pfefferer, 1974).

In der Musiksammlung der ÖNB wurde ein Clemens Krauss Archiv eingerichtet.

Literatur

Weblinks

 Clemens Krauss – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 Oesterreichisches Musiklexikon online: Krauss, Familie, abgerufen am 3. Februar 2026
  2. Archiv der Wiener Staatsoper: Werke von Clemens Krauss / Krauß von 01.01.1910 bis 31.12.1926, abgerufen am 4. Februar 2026
  3. Konzertarchiv der Wiener Philharmoniker: Monster-Konzert, abgerufen am 3. Februar 2026
  4. Frankfurter Personenlexikon: Krauss, Clemens, abgerufen am 5. Februar 2026
  5. Naxos: CLEMENS KRAUSS (1893-1954), abgerufen am 3. Februar 2026
  6. Universität Mozarteum: Clemens Krauss, abgerufen am 4. Februar 2026
  7. Salzburger Festspiele Archiv: Stichwort Krauss, abgerufen am 1. Januar 2023
  8. Salzburger Festspiel-Abc. In: Salzburger Volks-Zeitung. Österreichische Nationalbibliothek, 8. April 1939, abgerufen am 13. Mai 2011.
  9. 9,0 9,1 Archiv der Wiener Staatsoper: Werke von Clemens Krauss / Krauß von 01.08.1929 bis 31.12.1934, abgerufen am 4. Februar 2026
  10. Olga Kronsteiner: Wider das Vergessen einer Generation, Über den Verein exil.arte, 2. Mai 2017
  11. Oper In Wien: Wiener Staatsoper 1933-1936 /Operntagebuch eines anonymen Opernfans, abgerufen am 14. März 2026
  12. ORF: Legendäre Interpreten, 25. Jänner 2011
  13. Gunhild Oberzaucher-Schüller (tanz.at): Die 37 Tage der Nijinska, oder: Wer bestimmt in Wien die Ballettdirektion?, 5. April 2018
  14.  Clemens Hellsberg: Demokratie der Könige. Schweizer Verlagshaus/Schott/Kremayr & Scherau, Zürich/Mainz/Wien 1992, S. 440.
  15. 15,0 15,1  Götz Klaus Kende, Signe Scanzonide: Der Prinzipal Clemens Krauss: Fakten, Vergleiche, Rückschlüsse. Schneider Tutzing, 1998.
  16. Wiener Philharmoniker: Konzert in Rom/Konzert für den Papst, abgerufen am 19. März 2026
  17. Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper: Arabella Neuinszenierung, abgerufen am 9. Februar 2026
  18. 18,0 18,1 18,2 Alfred Pfoser, Béla Rásky, Hermann Schlösser: Maskeraden: Eine Kulturgeschichte des Austrofaschismus, Residenz-Verlag 2024 +
  19. Haus der Geschichte Österreich: 1934: Verhinderung der Uraufführung der Oper „Karl V.“, abgerufen am 4. Februar 2026
  20. Studien zur Wiener Geschichte: 1934 an der Staatsoper, Jahrbuch 2013/2015, Beitrag von Tamara Eis, S. 7-20
  21. Krenek.at: Karl V., abgerufen am 4. Februar 2026
  22. Sarah Noemi Schulmeister: „Ein Festspiel für Österreich“, Ernst Kreneks Oper „Karl V“ im Kontext der politischen Entwicklungen der frühen 1930er Jahre, Diplomarbeit an der Universität Wien, 2012
  23. Isabel Vincent: Overture of Hope, Two Sisters' Daring Plan That Saved Opera's Jewish Stars from the Third Reich, Regnery History 2022, ISBN 978-1-68451-349-9, dort über Mayer-Lismann ab S. 49, über die Familie Maliniak ab S. 129, über Lisa Basch ab S. 115 und über Friedl Orlando ab S. 86
  24. Ida Cook: We Followed Our Stars, William Morrow, New York 1950, S. 107.
  25. Daniel Snowman: The Gilded Stage. A Social History of Opera, Atlantic Books, London 2010, ISBN 978-1-84354-467-8, S. 337 und Fußnote S. 454.
  26. Aish: Ida and Louise Cook’s Remarkable Rescue Mission, abgerufen am 17. März 2026
  27. Götz Klaus Kende: Höchste Leistung aus begeistertem Herzen, Clemens Krauss als Direktor der Wiener Staatsoper, Residenz Verlag 1971, S. 137ff
  28. Rathkolb bezeichnet die Ursuleac fälschlich als Ehefrau, die Hochzeit fand erst im August 1945 statt. Zum Vergleich die Rollenverzeichnisse der Sängerinnen an der Wiener Staatsoper: Vorstellungen mit Viorica Ursuleac von 01.01.1933 bis 31.12.1934 und Vorstellungen mit Lotte Lehmann von 01.01.1933 bis 31.12.1934, beide abgerufen am 12. Februar 2026. Die Einlassungen Rathkolb finden sich hier: 17., Clemens‐Krauss‐Park, benannt seit 1966 nach Clemens Krauss, abgerufen am 12. Februar 2026.
  29. Götz Klaus Kende: Höchste Leistung aus begeistertem Herzen, Clemens Krauss als Direktor der Wiener Staatsoper, Residenz Verlag 1971, S. 147
  30. 30,0 30,1 30,2 Marina Auer: Die Salzburger Festspiele im Schatten der Politik (1933-1945), Magisterarbeit an der LMU 2003, S.99
  31. 31,0 31,1 31,2 31,3 31,4 Straßennamen Wiens seit 1860 als „Politische Erinnerungsorte“ (PDF; 4,2 MB), S. 150ff, Forschungsprojektendbericht, Wien, Juli 2013.
  32. Süddeutsche Zeitung, 9. Februar 1981
  33. Kende/Scanzoni, S. 220
  34. Kende/Scanzoni, S. 228
  35. Neue Zürcher Zeitung, hier zit. nach Kende/Scanzoni, S. 244
  36. BR-Klassik: EIN INTERVIEW MIT JÜRGEN SCHLÄDER ZUM FORSCHUNGSPROJEKT, 19. Januar 2016
  37. Berliner Philharmoniker: Ein Finne in Berlin / Jean Sibelius bei den Berliner Philharmonikern, abgerufen am 5. April 2026
  38.  Johannes Hofinger: Die Akte Leopoldskron. Verlag Anton Pustet, Salzburg/München 2005.
  39.  Edda Fuhrich, Gisela Prossnitz: Die Salzburger Festspiele: Ihre Geschichte in Daten, Zeitzeugnissen und Bildern. Band I, 1920–1945, Residenz-Verlag, Salzburg/Wien 1990, Verstaatlichung des Mozarteum, S. 253.
  40. Universität Mozarteum: CLEMENS KRAUSS - DIRIGENT UND INTENDANT, abgerufen am 18. März 2026
  41. DrehPunktKultur: „abgereist IX 38“, 11. März 2013
  42. 42,0 42,1 CAPRICCIO Richard Strauss' Werk in einer neuen Deutung im Prinzregententheater, abgerufen am 16. Februar 2026
  43. BR-Klassik: SEITENHIEBE AUF DAS NS-REGIME, 11. Juli 2022
  44. dicoseunpo.it: Capriccio, abgerufen am 27. März 2026
  45. Kurier: "Capriccio": Auf dem Schlachtfeld der Kunst, 20. April 2016
  46. Frankfurter Rundschau: Die leisen Stiche der Dissonanz, 5. Januar 2019
  47. 47,0 47,1  Clemens Hellsberg: Demokratie der Könige. Schweizer Verlagshaus/Schott/Kremayr & Scherau, Zürich/Mainz/Wien 1992, S. 497.
  48. Elke Fröhlich (Hg.): Die Tagebücher von Joseph Goebbels, Teil II, Band 7, Bearbeitet von Hartmut Mehringer, K.G. Saur 1993, S. 652
  49. Der Opernfreund: München: „Die Liebe der Danae“, Richard Strauss, 22. Februar 2025
  50. Klassik begeistert: Die Liebe der Danae: Heftig im ersten Akt. Emotional im zweiten! Zäh im dritten, 9. Februar 2025
  51. Rudolf Hartmann: Erinnerungen an die Einstudierung von Richard Strauss' Oper ›Die Liebe der Danae‹ in Salzburg im Jahre 1944. In: Schweizerische Musikzeitung 92 (1952), S. 242. Rudolf Hartmann: »Die Liebe der Danae« in Salzburg 1944. In: Richard Strauss Jahrbuch 1954. Hrsg. von Willi Schuh. Boosey & Hawkes, Bonn 1953, S. 141–149. Michael H. Kater: Komponisten im Nationalsozialismus. Acht Porträts. Berlin 2004, S. 341. In Abänderung auch in: Hans Hotter: »Der Mai war mir gewogen...«. Erinnerungen. Kindler, München 1996, S. 174: „Das ist das Ende der abendländischen Kultur. Ich hoffe, wie sehen uns in einer besseren Welt wieder“.
  52. Elke Fröhlich (Hg.): Die Tagebücher von Joseph Goebbels, Teil II, Band 12, Bearbeitet von Hartmut Mehringer, K.G. Saur 1995, S. 255
  53. Oliver Rathkolb: Führertreu und gottbegnadet. Künstlereliten im Dritten Reich, Österreichischer Bundesverlag Wien 1991, ISBN 978-3-215-07490-5.
  54. Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5.
  55. Am 29. Februar 1944 diktiert Goebbels, „daß eine Reihe unserer maßgebenden Künstler von einer geradezu panischen Bombenangst befallen“ seien, darunter Krauss, sie weigerten sich „kategorisch, nach Berlin zu kommen“. Es gab offensichtlich andere Gründe, im Jahre 1944 die Hauptstadt des untergehenden Dritten Reichs zu meiden. Zitat nach Elke Fröhlich (Hg.): Die Tagebücher von Joseph Goebbels, Teil II, Band 11, Bearbeitet von Hartmut Mehringer, K.G. Saur 1994, S. 365
  56. Konzertarchiv der Wiener Philharmoniker: 97 Resultate, Konzerte im Jahre 1945, abgerufen am 16. Februar 2026
  57. Wiener Philharmoniker: 8. Abonnementkonzert, abgerufen am 27. März 2026
  58. Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper: FIDELIO Vorstellung im Royal Opera House COVENT GARDEN, abgerufen am 14. Februar 2026
  59. Kende/Scanzoni, S. 273
  60. Kende/Szanzoni, S. 297f
  61. Kende/Szanzoni, S. 181
  62. Abfrage Clemens Krauss als Theatertier, abgerufen am 16. Februar 2026
  63. Kende/Scanzoni, s. 212
  64. Siehe Spielplanarchiv der Wiener Staatsoper
  65. Oscar von Pander: Clemens Krauss in München, C.H. Beck 1955, S. 12, 13 und 15
  66. Clemens Krauss als Unpolitischer, abgerufen am 16. Februar 2026
  67. Standesamt Stettin III Nemitz, Heiratsurkunde Nr. 380 vom 1. Juni 1921.
  68. Arolsen Archives
  69. Clemens Krauss in: Die Stadt Salzburg im Nationalsozialismus.
  70. Standesamt Wien IV/V, Nr. 289 vom 18. August 1945.
  71. Klassik begeistert: Sommereggers Klassikwelt 185, abgerufen am 4. Februar 2026
  72. Discogs: Clemens Krauss, Wiener Philharmoniker – Clemens Krauss - Complete Decca Recordings, abgerufen am 8. Februar 2026
  73. klassik.com: Ein Vermächtnis setzt Massstäbe, abgerufen am 18. Februar 2026
  74. Stadtgeschichte München: Clemens-Krauß-Straße, abgerufen am 7. Juni 2023.
  75. Die Stadt Salzburg im Nationalsozialismus: Clemens-Krauss-Straße, abgerufen am 7. 2023.
  76. Clemens Krauss im Wien Geschichte Wiki der Stadt Wien
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