Ignaz Hohmann
Ignaz Hohmann (* 26. Oktober 1834 in Fulda; † 7. Mai 1901 in Kirchberg am Wagram[1]) war ein römisch-katholischer Priester, langjähriger Pfarrer von Kirchberg am Wagram sowie Dechant des nicht mehr existierenden Dekanats Hadersdorf. Er erlangte besondere Bedeutung durch die tiefgreifende bauliche Umgestaltung der Pfarrkirche von Winkl.
Leben
Ignaz Hohmann wurde im Jahr 1834 in der Dompfarrei zu Fulda als ehelicher Sohn des Schmiedemeisters und Hausbesitzers Johann Hohmann und dessen Ehefrau Elisabeth, einer geborenen Wohner, geboren. Er besuchte von Ostern 1847 bis Ostern 1856 das kurfürstliche Gymnasium in Fulda. Trotz der im Jahr 1854 geltenden allgemeinen Wehrpflicht im kurfürstlichen Leibgarde-Regiment war es ihm möglich, seinen dreijährigen Militärdienst so zu leisten, dass er parallel dazu seine Studien fortführen und die Maturitätsprüfung erfolgreich ablegen konnte.
Nach Abschluss der Matura studierte Hohmann zunächst zwei Jahre lang Theologie am Priesterseminar in Fulda. Da er jedoch in Kurhessen vor Vollendung seines 32. Lebensjahres nicht vom Fahneneid entbunden worden wäre – was eine rechtzeitige Ordination verhindert hätte –, wandte er sich 1858 an den Wiener Kardinal Joseph Othmar Ritter von Rauscher. Er wurde als Alumnus in das Wiener Klerikalseminar aufgenommen. Während diplomatischer Bemühungen um seine Entlassung aus dem hessischen Staatsverband war er über Anordnung des Weihbischofs Franz Zenner als Präfekt im erzbischöflichen Knabenseminar tätig, wo er unter anderem den Turnunterricht leitete.
Nachdem sein Regimentskommandant, Oberst Baron von Baumbach, schließlich die Entlassung aus dem Kriegsdienst bestätigt hatte, empfing Hohmann am 28. Juli 1861 durch Kardinal Rauscher die Priesterweihe. Seine Primiz feierte er kurz darauf am Grabe des heiligen Bonifatius in Fulda. Sein beruflicher Weg führte ihn ab November 1861 als Kooperator nach Kirchberg am Wagram und 1865 als Kurat an die Propsteipfarre nach Wiener Neustadt. Dort wirkte er zwölf Jahre lang, unter anderem als Seelsorger im Kreisgerichts-Gefangenenhaus und zuletzt als Administrator der Pfarre. Am 1. August 1877 kehrte er schließlich als investierter Pfarrer nach Kirchberg am Wagram zurück, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1901 verblieb[2].
Er leitete als Dechant des ehemaligen Dekanates Hadersdorf die Dekanatsgeschäfte ab 1887 provisorisch und ab 1888 definitiv, bis er im Jahr 1895 von diesem Amt resignierte[3][4][5].
Ignaz Hohmann verstarb am 7. Mai 1901 infolge eines Schlaganfalles Er wurde am 9. Mai 1901 unter großer Anteilnahme der Bevölkerung in Kirchberg am Wagram bestattet[6].
Umbau in Kirchberg am Wagram und Umgebung
Bereits während seiner Zeit als Kooperator ab 1863 leitete Hohmann eine Umbau für die lokale Infrastruktur ein. In enger Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister Ignaz Bösel und dem Gemeindearzt Dr. H. Köck widmete er sich der baulichen Erneuerung der Pfarrkirche Winkl sowie der Gestaltung des öffentlichen Raums.
Bauliche Maßnahmen Kirche in Winkl
Unter Hohmanns Federführung wurde die Kirche in Winkl umfassend umgestaltet und in ihren heutigen Zustand versetzt. Der baufällige und schiefe Holzturm wurde durch einen Massivbau nach Zeichnungen von Dr. Anton Köck ersetzt. Das Hauptschiff der Kirche wurde angehoben, um einen ebenerdigen Zugang zu ermöglichen, und der Innenraum, der zuvor lediglich eine flache Bretterdecke besaß, wurde eingewölbt. Zudem wurde das Chor verändert und rückverlegt.
Hohmann bewies großes Geschick bei der Ressourcenbeschaffung: Er organisierte Sammlungen beim kaiserlichen Hof sowie bei wohlhabenden Wiener Familien und erwirkte von der Herrschaft Grafenegg die Spende von Baumaterialien des alten „Granz-Hauses“. Die Gemeinde unterstützte die Bauvorhaben durch Fuhrleistungen und den Verkauf von Obligationen. Auch die Innenausstattung wurde modernisiert, wobei Hohmann im Jahr 1881 den Umguss einer gesprungenen Glocke veranlasste.
Landschaftspflege und Verwaltung
Neben der Kirche in Winkl gestaltete Hohmann gemeinsam mit Dr. Anton Köck die Anlagen unter dem Mühlwege, eine Kapelle an der Straße sowie den Park im Meigraben in Oberstockstall, 1878 den Pfarrgarten neu anlegen.
Ehrungen
- Ernennung zum Fürsterzbischöflicher Geistlicher Rat am 1. Dezember 1888.[4]
- Er wurde am 25. Oktober 1894 zum Ehrenbürger von Kirchberg am Wagram, Neustift im Feld und Winkl ernannt.[7]
Literatur
- Johann Grippel: Geschichte des f.e. Knabenseminars der Erzdiözese Wien zu Oberhollabrunn. Verlag des f.e. Knabenseminar, Oberhollabrunn 1906, S. 146-147.
- Dr. Hans Groër: Hundert Jahre Knabenseminar der Erzdiözese Wien. Im Selbstverlag des e.b. Knabenseminars Hollabrunn, Hollabrunn 1956, S. 150.
Weblinks
- Maria Knapp: Chronik der Winkler Kirche. In: https://hf-kirchberg.at/. 2024, abgerufen am 5. April 2026.
- Maria Knapp: Pfarrer und Kapläne der Pfarre Kirchberg am Wagram. In: https://hf-kirchberg.at/. 2024, abgerufen am 5. April 2026.
Einzelnachweise
- ↑ Sterbebuch der Pfarre Kirchberg am Wagram auf matricula online
- ↑ Zur Chronik der Erzdiöcese. In: Wiener Diöcesanblatt / Wiener Diözesanblatt, Heft 15/1877, S. 12 (online bei ANNO).
- ↑ Wien (Ernennungen - Investitur). In: Salzburger Kirchenblatt / Salzburger Kirchenblatt. Neue Folge / Katholische Kirchenzeitung vormals („)Salzburger Kirchenblatt(“) / Klerus-Blatt vormals Katholische Kirchenzeitung, 22. Dezember 1887, S. 11 (online bei ANNO).
- ↑ 4,0 4,1 Zur Chronik der Erzdiöcese. In: Wiener Diöcesanblatt / Wiener Diözesanblatt, Heft 23/1888, S. 12 (online bei ANNO).
- ↑ Grafenwörth (Neuer Dechant). In: Kremser Volksblatt. Organ für katholisch-patriot(ische) Interessen / Kremser Zeitung / Kremser Zeitung. (Freies, vollkommen unabhängiges) Volksblatt für Stadt und Land in Niederösterreich, 17. November 1895, S. 6 (online bei ANNO).
- ↑ Kirchberg am Wagram (Todesfall). In: Kremser Volksblatt. Organ für katholisch-patriot(ische) Interessen / Kremser Zeitung / Kremser Zeitung. (Freies, vollkommen unabhängiges) Volksblatt für Stadt und Land in Niederösterreich, 11. Mai 1901, S. 5 (online bei ANNO).
- ↑ Kirchberg am Wagram (Ehrung). In: Kremser Volksblatt. Organ für katholisch-patriot(ische) Interessen / Kremser Zeitung / Kremser Zeitung. (Freies, vollkommen unabhängiges) Volksblatt für Stadt und Land in Niederösterreich, 28. Oktober 1894, S. 7 (online bei ANNO).
- Geboren 1834
- Gestorben 1901
- Geboren in Deutschland
- Gestorben in Kirchberg am Wagram
- Begraben in Kirchberg am Wagram
- Römisch-katholischer Geistlicher (19. Jahrhundert)
- Römisch-katholischer Geistlicher (20. Jahrhundert)
- Präfekt des Erzbischöflichen Seminar Hollabrunn
- Pfarrseelsorger (Kirchberg am Wagram)
- Pfarrseelsorger (Wiener Neustadt-Propsteipfarre)
- Mann