Kloster Klein-Mariazell

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Kloster Kleinmariazell heute

Das Kloster Klein-Mariazell[A 1] oder Kleinmariazell, früher auch Mariazell, war eines der ältesten Klöster im heutigen Bundesland Niederösterreich und mehrere Jahrhunderte das religiöse Zentrum des Triestingtals. Nach seiner Aufhebung als Benediktinerkloster und Jahren des Verfalls wurde es im 21. Jahrhundert als Sitz der Brüder Samariter der Flamme der Liebe des Unbefleckten Herzens Mariens (Abkürzung FLUHM) revitalisiert. In der Klosterkirche befindet sich die Gnadenstatue Unsere Liebe Frau.

Lage

Das Kloster ist das Zentrum der Klostersiedlung Kleinmariazell (heute Teil der Gemeinde Altenmarkt an der Triesting).[1] Die Lage wirkt auf dem ersten Blick etwas abgelegen, das Kloster befindet sich aber an einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen, die von der Stadt Wien in die Steiermark führen. In der Frühen Neuzeit zogen zahlreiche Wallfahrerinnen und Wallfahrern auf ihr in den in der Steiermark gelegenen Wallfahrtsort Mariazell (heute Teil der Gemeinde Mariazell). Heute ist sie als die "Via Sacra" bekannt.[2] Außerdem befand es sich in unmittelbarer Nähe zu Stift Heiligenkreuz (ca. Entferung: 3 Stunden Fußmarsch) und Baden (Entfernung: ca. 1/2 Tagesreise) und war nur eine Tagesreise von der Stadt Wien entfernt.[3]

Pfarren des Klosters Klein-Mariazell

Das Kloster Klein-Mariazell betreut heute als "Seelsorgeraum Oberes Triestingtal" wieder jene Pfarren im Oberen Triestingtal die ursprünglich das Pfarrsprengelzentrum des aufgehobenen Benediktinerklosters bildeten.[4][5]

Anfänge

Nach der neueren Forschung soll sich vor 1136 auf dem späteren Klosterareal eine kleine Zelle mit einer Marienskulptur neben einer dort befindlichen Quelle (Flurheiligtum) befunden haben. Um 1136 ließen dort die Brüder Rapoto und Heinrich von Schwarzenburg das Kloster "Cella Sancte Marie" (oder "Zelle der Heiligen Maria") erbauen, an dessen Errichtung Markgraf Leopold der Heilige († 1136) und seine Ehefrau Agnes[A 2] beteiligt waren. Die Ansiedlung von Benediktinermönchen aus dem Kloster Niederaltaich wird auf den Markgrafen und seine Ehefrau zurückgeführt.[6]

Diese erste Klostergründung wurde bereits um 1250/52 von den Ungarn zerstört, dann aber wieder aufgebaut. Die Klosterkirche wurde 1256 durch Bischof Otto von Passau geweiht. Im 13. und 14. Jahrhundert wurden das Kloster und seine Kirche wesentlich ausgebaut. 1454 und 1464 plünderten Räuberbanden, die sich aus Söldnergruppen gebildet hatten und damals als die "Ungarischen Brüder" bezeichnet wurden, die Klosteranlage. und Kirche. Deshalb musste sie 1466 wieder eingeweiht werden. Bei dieser neuen Einweihung wurde erstmals auch die gotische Pfarrkirche "zum Heiligen Thomas" genannt.[7]

Das Kloster Klein-Mariazell befand sich nach seiner Gründung bis 1728 unter der geistlichen Verwaltung des Bischofs von Passau, ehe es dem Wiener Erzbischof unterstellt wurde..[8] Es betreute, bis es 1782 unter Kaiser Joseph II. († 1790) aufgehoben wurde, den oberen Teil des Triestingtals und die Gebiete des kaiserlichen Waldes in St. Corona am Schöpfl (heute ebenfalls Teil der Gemeinde Altenmarkt an der Triesting). Im Gegensatz zu anderen Prälatenklostern im heutigen Niederösterreich war das Benediktinerstift Klein-Mariazell) politisch und wirtschaftlich von eher untergeordneter Bedeutung. In der Region des südlichen Wienerwaldes und besonders im Triestingtal war es bis zur Aufhebung bzw. zur Abschaffung der Grundherrschaft (um 1848/50) ein bedeutendes geistliches und administratives Zentrum, wie die Ausübung der Seelsorge, die Erbauung und der Betrieb von Kirchen oder die Führung von Wirtschaftsbetrieben und der Wahrnehmung grundherrlicher Rechte zeigt.[2]

Stift Klein-Mariazell im Mittelalter

Die Klostergründung Klein-Mariazell wurde mit Gütern dotiert, die sich vor allem in südlichen Wienerwald befanden. Erst im 13. Jahrhundert erhielt das Kloster auch Besitzungen nördlich der Donau und brachte es seit 1262 auch in Wien zu einigem Besitz. So erwarb der Klein-Mariazeller Abt Ulrich von Rempoto (1256–1284), der auch Spitalmeister des Wiener Bürgerspitals war, 1262 in Wien ein Haus "auf der hohen strassen", und 1336 kaufte der Abt Heinrich Mutschrat von Wolfhard Stutzler ein Haus auf der Kärntner Straße.[9] Ein wichtiger Stützpunkt als Unterkunft für seine Geschäfte in Wien waren für das Kloster die beiden "Hohenbergschen Häusern (heute: Johannesgasse 6 und der Annagasse 5), die es 1482 von Stephan (V.) von Hohenberg († um / nach 1463) im Rahmen einer Schenkung erhalten hatte.[10] Sie bildeten im 17. Jahrhundert nach Aus- und Umbauten den "Mariazellerhof".[11] 1358 erhielt das Kloster von Herzog Albrecht (III.) von Österreich († 1395) ein Privileg, das ihm den Ausschank von klostereigenem Wein erlaubte.[12]

Stift Klein-Mariazell in der Neuzeit

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts bildeten die Besitzungen von Klein-Mariazell einen ansehnlichen Wirtschaftskomplex.[9] Nach der "Ersten Wiener Türkenbelagerung" ( 27. September bis zum 14. Oktober 1529) wurde die Kirche als Binderwerkstätte genutzt.[7]1603 wurde die Klosterkirche von einem Brand zerstört und nach ihrem Wiederaufbau 1609 eingeweiht[7] Dass Klein-Mariazell nicht direkt an der "Via Sacra" lag, hatte im Verlauf des 17. und 18. Jahrhunderts zur Folge, dass es kaum noch von den Wallfahrerinnen und Wallfahrern auf dem Weg nach Mariazell besucht wurde. Mit der Gründung der Wallfahrtskirchen am Hafnerberg und in der Dornau bzw. in Thenneberg (beide heute Teil der Gemeinde Altenmarkt an der Triesting) erhielt Klein-Mariazell allerdings zwei "Außenposten", mit denen versucht wurde, diesen Nachteil auszugleichen.[3]

Um 1609 sind erstmals Wallfahrten zur Gnadenstatue Unsere Liebe Frau nachgewiesen. Nach den schwierigen Jahren während der Reformation und Gegenreformation erlebte Klein-Mariazell unter den Äbten Veit Perckhofer und Valentin Stambler nochmals einen Aufschwung. Unter ihnen wurde die Stiftskirche und Klostergebäude um- und ausgebaut.[13] Im 17. Jahrhundert besserte das Kloster seine Einkünfte außerdem dadurch auf, dass es seinen Wiener Sitz, den "Mariazellerhof", vermietete. Zu dessen bekanntesten Mietern gehörten nach 1618 Paul Perckhofer, der Bruder von Abt Veit Perckhofer, und der Hofmaler Franz Werner Tamm († 1724), der hier 1718 sein Atelier hatte.[11]

Das Kloster wurde während der "Zweiten Wiener Türkenbelagerung" (14. Juli bis zum 12. September 1683) wieder zerstört. Für den Wiederaufbau mussten enorme Schulden gemacht werden. Von diesen Schulden scheint sich das Kloster nicht mehr erholt zu haben, obwohl die Klosterkirche noch zwischen 1752 und 1759 unter Abt Jakob Pach barockisiert wurde und eine neue Innenrinrichtung erhielt.[14] Dieser verschaffte dem Kloster weitere Einnahmen, als er 1759 in Wien das "Stranitzkysche Haus" (heute 1010 Wien, Am Salzgries 20) kaufte und ebenfalls vermieten ließ.[11]

Das ehemalige Stift nach seiner Aufhebung

Die Reste des früheren Klostergebäudes überdauerte nach der Aufhebung bis zur Aufhebung der Grundherrschaften (um 1848/50) als weltlicher Herrschaftssitz ("Schloss"). Das "Schloss" wurde danach in mehrere Wohnungen unterteilt, in welchen die jeweiligen Besitzerinnen und Besitzern, Teile des Personals und der jeweilige Pfarrer untergebracht waren. Der Letzte bewohnte den nordwestlich gelegenen Eck-Trakt, der auf der einen Seite an die Straße und an der anderen Seite an den Kirchhof grenzte. 1940 wurde das Schloss als Umsiedelungslager für rückzuführende Volksdeutsche aus Osteuropa verwendet. Der damaligen Besitzerfamilie wurden nur wenige Räume zum eigenen Gebrauch gelassen. In den letzten Kriegstagen des zweiten Weltkriegs gab es bei Klein-Mariazell heftige Gefechte. Trotz dieser und der Verwendung von Granaten, die zwischen Kirche und dem Maierhof einschlugen, blieb das Schloss unbeschädigt. Im April und Mai 1945 waren im Schloss vorübergehend russische Soldaten untergebracht. Wenig später kam es zu Plünderungen und Einbrüchen durch die einheimische Bevölkerung, bei der wenigstens die Möbel und Bücher verschont wurden.[15]

Wenig später wurde das Schloss als "deutsches Eigentum" beschlagnahmt und gehörte dann von März 1946 bis zum Abschluss des Staatsvertrags 1955 den USIA-Betrieben. Ein Teil des Schlosses wurde vermietet und sämtliche Möbel aus dem Schloss und dem Maierhof durch die russische Kommandantur abtransportiert die bis heute nicht mehr aufgetaucht sind. In diesen Jahren begann das Schloss endgültig zu verfallen. Nach 1955 wurde das Schloss der Besitzerfamilie zurückgegeben, die sich außerstande sah, die nun erforderlichen Renovierungsarbeiten ausführen zu lassen und und 1957 daher den Abbruch des Schlosses beantragte. Dieser wurde nach schrittweise zwischen 1964 und 1968 durchgeführt.[15]

Stift Klein-Mariazell heute

2005 wurde in Klein-Mariazell ein neues Kloster eingeweiht und der 1982 gegründeten Gemeinschaft der Brüder Samariter der Flamme der Liebe des Unbefleckten Herzens Mariens, einem in Polen gegründeten Zweig der "Samaritanischen Bewegung Mariens", anvertraut.

Personen

Wichtige Äbte des Benediktinerklosters

  • Ulrich von Rempoto, ca. 1256–1284 Abt des Klosters Klein-Mariazell, außerdem Spitalmeister des Wiener Bürgerspitals[9]
  • Heinrich Mutschrat, 1331–ca. 1350 Abt des Klosters Klein-Mariazell[9]
  • Veit Perckhofer, ca. 1606–1616 Abt des Klosters Klein-Mariazell, unter ihm wurde 1615 der Wiener Sitz des Klosters in der Johannesgasse aus- und ein dreistöckiger Gebäudeteil, das sogenannte Stöckl", angebaut, der im 19. Jahrhundert bei Bau des Hofkammerarchivs abgebrochen wurde.[12]
  • Valentin Stambler, 1618–1653 Abt des Klosters Klein-Mariazell, war ein guter Bekannter des einflussreichen Jesuiten und Grazer Universitätslehrers Wilhelm Lamormain († 1648)[16]
  • Anselm Schiring († 1679), 1654-1679 Abt des Klosters Klein-Mariazell, bei seiner Beerdigung wurde die Trauerrede für ihn von Abraham a Sancta Clara († 1709) gehalten[17]
  • Jacob Leopold Pach (* 14. November 1711, Erlach; † 30. September 1791, Stift Kremsmünster), 1752–1782 letzter Abt des Klosters Klein-Mariazell

Erinnerungen an das Benediktinerstift Klein-Mariazell im heutigen Österreich

  • Im Innenhof des früheren Hofkammerarchivs (1010 Wien, Johannesgasse 6) befindet sich ein Relief, dass die Schenkung von Stephan (V.) von Hohenberg an das Benediktinerstift Mariazell bzw. an die Muttergottes darstellt.[9]

Literatur

  • Thomas Aigner: Im dicken und finsteren Wald oder mitten im Geschehen? Das Benediktinerstift Mariazell in Österreich und seine Verflechtungen mit Wien im 17. und 18. Jahrhundert. In: Elisabeth Loinig - Stefan Eminger - Andreas Weigl (Hrsg.): Wien und Niederösterreich – eine untrennbare Beziehung?. Festschrift für Willibald Rosner zum 65. Geburtstag (= Studien und Forschungen aus dem Niederösterreichischen Institut für Landeskunde. Hrsg. von Elisabeth Loinig. Bd. 70). Verlag NÖ Institut für Landeskunde, St. Pölten, 2017. ISBN 978-3-903127-07-4 . S. 456-366 digital
  • Erwin Reidinger: Ostern 1136. Neue Erkenntnisse zur Gründung von Mariazell in Österreich (= M.CellA. Beiträge zu Geschichte, Kunst und Kultur des ehem. Benediktinerstiftes Mariazell in Österreich 2). Diözesan Archiv St. Pölten, St. Pölten, 2016. ISBN 978-3-901863-51-6 digital

Weblinks

 Kloster Klein-Mariazell – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 vgl. Klein-Mariazell, Erzdiözese Wien, abgerufen am 2. Jänner 2026
  2. 2,0 2,1 vgl. Thomas Aigner: Im dicken und finsteren Wald oder mitten im Geschehen?, 2017, S. 356
  3. 3,0 3,1 vgl. Thomas Aigner: Im dicken und finsteren Wald oder mitten im Geschehen?, 2017, S. 357
  4. vgl. Website von Klein-Mariazell, abgerufen am 2. Jänner 2026
  5. vgl. Pfarrseelsorge, Erzdiözse Wien, abgerufen am 5. Jänner 2026
  6. vgl. Otto Kurt Knoll: WallfahrtsWegWienerWald(!). Kral-Verlag, Berndorf, 2015, ISBN 978-3-99024-372-5, S. 148f.
  7. 7,0 7,1 7,2 vgl. Otto Kurt Knoll: WallfahrtsWegWienerWald(!). Kral-Verlag, Berndorf, 2015, ISBN 978-3-99024-372-5, S. 149
  8. vgl. Thomas Aigner: Im dicken und finsteren Wald oder mitten im Geschehen?, 2017, S. 362
  9. 9,0 9,1 9,2 9,3 9,4 vgl. Thomas Aigner: Im dicken und finsteren Wald oder mitten im Geschehen?, 2017, S. 358
  10. vgl. Thomas Aigner: Im dicken und finsteren Wald oder mitten im Geschehen?, 2017, S. 358f.
  11. 11,0 11,1 11,2 vgl. Thomas Aigner: Im dicken und finsteren Wald oder mitten im Geschehen?, 2017, S. 360
  12. 12,0 12,1 vgl. Thomas Aigner: Im dicken und finsteren Wald oder mitten im Geschehen?, 2017, S. 359
  13. vgl. Thomas Aigner: Im dicken und finsteren Wald oder mitten im Geschehen?, 2017, S. 361f.
  14. vgl. Otto Kurt Knoll: WallfahrtsWegWienerWald(!). Kral-Verlag, Berndorf, 2015, ISBN 978-3-99024-372-5, S. 149f.
  15. 15,0 15,1 vgl. Thomas Aigner: Der Abbruch des Schlosses bzw. ehem. Stiftes von Klein-Mariazell. Chronologie einer baukulturellen Katastrophe , abgerufen am 16. Jänner 2026
  16. vgl. Thomas Aigner: Im dicken und finsteren Wald oder mitten im Geschehen?, 2017, S. 361
  17. vgl. Thomas Aigner: Im dicken und finsteren Wald oder mitten im Geschehen?, 2017, S. 360 und S. 361

Anmerkungen

  1. Im Artikel wird aus Gründen der Übersichtlichkeit und um eine Verwechslung mit dem Wallfahrtsort Mariazell zu vermeiden, durchgehend der Name Klein-Mariazell verwendet.
  2. Bis ins 20. Jahrhundert wurde die Klostergründung, auch in der seriösen Geschichtsforschung, nur dem Markgrafen zugeschrieben.
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