Paul Fischer

Paul Fischer (31. August 1876 in Wien – 4. November 1942 ebenda) war ein österreichischer Violinist. Er gehörte ab 1899 dem Wiener Staatsopernorchester und den Wiener Philharmonikern sowie ab 1905 dem Rosé-Quartett an. Nach der Annexion Österreichs im Jahre 1938 wurde er wegen seiner jüdischen Herkunft vom Orchester ausgeschlossen und zwangspensioniert.
Lebensweg
Paul Fischer war das jüngste von neun Kindern. Seine Eltern waren Adolf Fischer, Kantor des Wiener Stadttempels und Bürger der Stadt Wien, und Johanna geb. Budschowitz. Der Vater starb 1888, die Mutter 1914. Beide wurden in der israelitischen Abteilung des Wiener Zentralfriedhofs bestattet.
Der junge Mann studierte Geige am Wiener Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde, Ausbildungslehrer waren Sigismund Bachrich und Jakob Moritz Grün. 1892 erhielt er das Diplom als Abiturient für Violine. Paul Fischer war in mehreren Kammermusikensembles tätig, etwa 1893–95 als Bratschist im Streichquartett von Ludwig Maria von Kunits, 1903–04 als Geiger in einem Violinentrio. 1895 bis 1898 diente er beim Militär. Der Eintritt ins Hofopernorchester und ins Orchester der Wiener Philharmoniker erfolgte am 1. März 1899. Er war als Stimmführer der ersten Geigen bei den Philharmonikern und wurde Mitglied der w:Wiener Hofmusikkapelle. 1899 und 1931 wirkte er im Bayreuther Festspielorchester mit, 1916 im eigens für die Wiener Kriegsausstellung gegründeten Streichorchester der Deutschmeister-Kapelle.
Im Jahre 1913 trat Paul Fischer aus der Israelitischen Kultusgemeinde Wien aus und konvertierte zum katholischen Glauben, in Vorbereitung der Trauung mit Leopoldine Pohl, einer Solotänzerin an der Wiener Hofoper, geb. am 8. November 1887 in Hodolany/Olmütz. Die Hochzeit erfolgte in der Pfarre St. Leopold. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Paul (geb. 1914) und Otto (geb. 1921).

Das Rosé-Quartett, gegründet 1892 in Wien, war eines der bedeutendsten Ensembles der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Paul Fischer wurde im Jahre 1905 Mitglied des Ensembles, als zweiter Geiger. Neben den sechs bis acht Subskriptionkonzerten je Spielzeit in Wien absolvierte das Quartett zahlreiche Tourneen (u. a. 1928 in die USA) und wurde so auch international bekannt. Das Ensemble gastierte auch regelmäßig bei den Salzburger Festspielen. Die Musiker widmeten sich einerseits dem klassischen Repertoire (vor allem Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert), andererseits den Werken zeitgenössischer Komponisten. In den Annalen sind zahlreiche Ur- oder Erstaufführungen verzeichnet, etwa von Johannes Brahms, Hans Gál, Karl GoldmarkKarl Goldmark, Franz Ippisch, Erich Wolfgang Korngold, Hans Pfitzner, Franz Schmidt, Arnold Schönberg, Anton Webern und Karl Weigl.
1926 wurde ihm der Professorentitel verliehen. Noch bevor in Österreich die Nürnberger Rassengesetze in Kraft traten, wurde Paul Fischer aus dem Verband der Wiener Staatsoper und der Philharmoniker ausgeschlossen und zwangspensioniert – mit gekürzter Pension, um deren Bezug er zu kämpfen hatte. Die schriftliche Information über seine „Zwangsbeurlaubung“ nach 39 Dienstjahren ist mit 23. März 1938 datiert. Ab 1938 gab es keine Auftrittsmöglichkeiten mehr für das Quartett. Arnold Rosé, Mitgründer des Ensembles, und der Cellist Friedrich Buxbaum flohen nach London, wo sie 1946 bzw. 1948 starben; Julius Stwertka (Viola) wurde im Jahr 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet.
Die Familie Fischer geriet in eine finanzielle Notlage. Seine Ehefrau ließ sich nicht scheiden und bewahrte so ihren Ehemann vor der Deportation in ein Konzentrationslager. Im Februar 1941 kam der damals 26-jährige Sohn Paul uns Leben, vermutlich durch Suizid. Im Frühjahr 1942 wurde die Familie aus ihrer Wohnung im Haus Schönbrunnerstraße 66 delogiert, sie wurden in eine sogenannte Sammelwohnung eingewiesen. Paul Fischer litt an Neuritis, nach dem Tod des Sohnes verschlechterte sich sein Gesundheitszustand dramatisch. Er starb am 4. November 1942 im jüdischen Krankenhaus in der Leopoldstadt.
Leopoldine Fischer starb am 15. Mai 1948 in Wien.
Gedenken
Am 17. August 2020 wurden am Max-Reinhardt-Platz in Salzburg Stolpersteine für alle vier Mitglieder des Rosé-Quartetts verlegt, darunter auch für Paul Fischer.[1] Im Jahre 2022 wurde vor dem Haus Schönbrunnerstraße 66 ein Stein des Gedenkens für Paul und Leopoldine Fischer verlegt.[2]
Literatur
- Richard Newman: Alma Rosé, Wien 1906 – Auschwitz 1944. Eine Biografie, Bonn 2003
- Bernadette Mayrhofer, Fritz Trümpi: Orchestrierte Vertreibung. Unerwünschte Wiener Philharmoniker. Verfolgung, Ermordung und Exil, Wien 2014
Weblinks
Paul Fischer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons
- Bernadette Mayrhofer: Paul Fischer (Violine I). In: Wiener Philharmoniker. Abgerufen am 17. Jänner 2026 (PDF).
- Stolpersteine Salzburg, Biografie des Musikers
- Österreichisches Biographisches Lexikon
Einzelnachweise
- ↑ Stolpersteine Salzburg: Paul Fischer, abgerufen am 17. Jänner 2026
- ↑ DERLA (Universität Graz): Stein des Gedenkens - Paul Fischer, abgerufen am 17. Jänner 2026
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Fischer, Paul |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Violinist, Mitglied der Wiener Philharmoniker und des Rosé-Quartetts |
| GEBURTSDATUM | 31. August 1876 |
| GEBURTSORT | Wien |
| STERBEDATUM | 4. November 1942 |
| STERBEORT | Wien |