Joseph Gabler: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Joseph Gabler (Priester, Volksliedsammler)''' (* [[21. Jänner]] [[1824]] in [[Altpölla]]; † [[13. September]] [[1902]] in [[Waidhofen an der Ybbs]]) war Priester und Dechant in der [[Diözese St. Pölten]] und Sammler geistlicher Volkslieder. | '''Joseph Gabler (Priester, Volksliedsammler)''' (* [[21. Jänner]] [[1824]] in [[Altpölla]]; † [[13. September]] [[1902]] in [[Waidhofen an der Ybbs]]) war Priester und Dechant in der [[Diözese St. Pölten]] und Sammler geistlicher Volkslieder<ref>{{Literatur |Autor=Eva Maria Hois |Titel="Singet all mit Herzensfreud'" - Joseph Gabler und das geistliche Volkslied. In: Joseph Gabler (1824-1902) und das geistliche Volkslied. Die Vorträge beim Symposium am 6. April 2024 in Spitz an der Donau |Hrsg=Volkskultur Niederösterreich |Sammelwerk=Volkskultur in Niederösterreich - Wissenschaft & Forschung |Band=3 |Verlag=Volkskultur Niederösterreich GmbH |Ort=St. Pölten |Datum=2024 |ISBN=978-3-903058-46-0 |Seiten=83-97, hier S. 87f.}}</ref>. | ||
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Joseph Gabler war neben seiner seelsorglichen Tätigkeit einer der "profiliertesten Vertreter der kirchenmusikalischen Restaurationsbewegung Österreichs<ref>{{Literatur |Autor=Walter Graf |Titel=Josef Gabler und die kirchenmusikalische Erneuerungsbewegung in Österreich. Mit Beiträgen zum geistlichen Volkslied der Diözese St. Pölten im 19. Jahrhundert |Ort=Wien |Datum=1964 |Seiten=I}}</ref> in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als Anhänger des [[Cäcilianismus]] bemühte er sich gemeinsam mit dem Gmundner Organisten und Regenschori [[Johann Evangelist Habert]] um eine gemäßigte, örtliche und regionale Traditionen berücksichtigende Erneuerung der Kirchenmusik und eines zeitgemäßen geistlichen Volksgesangs. Zusammen mit seinem Freund Habert war Gabler federführend an der Entwicklung des Kirchengesangbuchs "Te Deum laudamus" für die Diözese St. Pölten respektive die Österreichische Kirchenprovinz mit den Diözesen Wien, St. Pölten und Linz beteiligt. Für seine theoretische Abhandlung "Die Tonkunst in der Kirche" über die Geschichte des katholischen deutschen Kirchenliedes arbeitete er mit dem deutschen Hymnologen und Theologen [[Wilhelm Bäumker]] zusammen, für dessen Werk "Das katholische deutsche Kirchenlied mit seinen Singweisen" Gabler mehrere Quellenbelege lieferte. | Joseph Gabler war neben seiner seelsorglichen Tätigkeit einer der "profiliertesten Vertreter der kirchenmusikalischen Restaurationsbewegung Österreichs<ref>{{Literatur |Autor=Walter Graf |Titel=Josef Gabler und die kirchenmusikalische Erneuerungsbewegung in Österreich. Mit Beiträgen zum geistlichen Volkslied der Diözese St. Pölten im 19. Jahrhundert |Ort=Wien |Datum=1964 |Seiten=I}}</ref> in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als Anhänger des [[Cäcilianismus]] bemühte er sich gemeinsam mit dem Gmundner Organisten und Regenschori [[Johann Evangelist Habert]] um eine gemäßigte, örtliche und regionale Traditionen berücksichtigende Erneuerung der Kirchenmusik und eines zeitgemäßen geistlichen Volksgesangs. Zusammen mit seinem Freund Habert war Gabler federführend an der Entwicklung des Kirchengesangbuchs "Te Deum laudamus" für die Diözese St. Pölten respektive die Österreichische Kirchenprovinz mit den Diözesen Wien, St. Pölten und Linz beteiligt. Für seine theoretische Abhandlung "Die Tonkunst in der Kirche" über die Geschichte des katholischen deutschen Kirchenliedes arbeitete er mit dem deutschen Hymnologen und Theologen [[Wilhelm Bäumker]] zusammen, für dessen Werk "Das katholische deutsche Kirchenlied mit seinen Singweisen" Gabler mehrere Quellenbelege lieferte. | ||
Zur Förderung des geistlichen Volksgesangs bemühte sich Gabler um die Sammlung und Weitergabe geistlicher Volkslieder, die zur Ausübung der Frömmigkeit hauptsächlich außerhalb des pfarrlichen liturgischen Vollzuges bei [[Wallfahrt|Wallfahrten]], [[Prozession|Prozessionen]] und [[Andacht|Andachten]] in den Familien und in der Dorfgemeinschaft gesungen wurden. Hierin folgte er der sich im 19. Jahrhundert entwickelnden [https://musiklexikon.ac.at/0xc1aa5576_0x0001e5d4 Volksliedsammlung], deren Vertreter ihr Augenmerk auch auf geistliche Volkslieder richteten. Mit diesen Liedern, die der Melodie nach meist mündlich und textlich in handschriftlichen Vorbeterbüchern<ref>{{Literatur |Autor=Anton Hofer, Walter Deutsch |Titel=Franz Stubenvoll. Geistliche Lieder aus der Weinviertler Singtradition |Sammelwerk=Corpus Musicae Popularis Austriacae |Band=3 |Verlag=Böhlau Verlag |Ort=Wien |Datum=1995 |ISBN=}}</ref> tradiert wurden, kam Gabler in seinem Elternhaus als Kind in Kontakt und lernte viele gebräuchliche Lieder selbst singen. Als Kaplan, bischöflicher Zeremoniär und als Pfarrer trug er aus verschiedensten Ortschaften in der Diözese St. Pölten im Laufe seiner Tätigkeit rund 1.200 unterschiedliche Texte mit mehr als vierhundert Liedern zusammen. | Zur Förderung des geistlichen Volksgesangs bemühte sich Gabler um die Sammlung und Weitergabe geistlicher Volkslieder, die zur Ausübung der Frömmigkeit hauptsächlich außerhalb des pfarrlichen liturgischen Vollzuges bei [[Wallfahrt|Wallfahrten]], [[Prozession|Prozessionen]] und [[Andacht|Andachten]] in den Familien und in der Dorfgemeinschaft gesungen wurden. Hierin folgte er der sich im 19. Jahrhundert entwickelnden [https://musiklexikon.ac.at/0xc1aa5576_0x0001e5d4 Volksliedsammlung], deren Vertreter ihr Augenmerk auch auf geistliche Volkslieder richteten. Mit diesen Liedern, die der Melodie nach meist mündlich und textlich in handschriftlichen Vorbeterbüchern<ref>{{Literatur |Autor=Anton Hofer, Walter Deutsch |Titel=Franz Stubenvoll. Geistliche Lieder aus der Weinviertler Singtradition |Sammelwerk=Corpus Musicae Popularis Austriacae |Band=3 |Verlag=Böhlau Verlag |Ort=Wien |Datum=1995 |ISBN=}}</ref> tradiert wurden, kam Gabler in seinem Elternhaus als Kind in Kontakt und lernte viele gebräuchliche Lieder selbst singen. Als Kaplan, bischöflicher Zeremoniär und als Pfarrer trug er aus verschiedensten Ortschaften in der Diözese St. Pölten im Laufe seiner Tätigkeit rund 1.200 unterschiedliche Texte mit mehr als vierhundert Liedern zusammen. | ||
Zahlreiche Belege aus seiner mehr als 40-jährigen Sammeltätigkeit veröffentlichte Joseph Gabler, indem er die Drucklegung der Liederbücher vorbereitete, den Druck meist selbst finanzierte und für die Verbreitung der Druckwerke sorgte. Die Originalaufzeichnungen sind verloren gegangen. Die harsche Kritik des Cäcilianismus am geistlichen Volkslied führte zu einer vorwiegend ablehnenden Haltung zahlreicher Kirchenmusiker gegenüber der Überlieferung geistlicher Volkslieder, wie sie Joseph Gabler vorantrieb. Aber auch seitens der aufkommenden Volksliedsammlung wurden Gablers Publikationen mangelnde Quellentreue vorgeworfen. Einerseits verzichtete Gabler sehr oft auf die Angabe der Quellen von Liedbelegen und begründete dies mit der Dringlichkeit der Veröffentlichung bzw. einem explizit pastoralen Interesse. Andererseits griff er selbst in offensichtlich tradierte Fehler von Texten und Melodien ein und bearbeitete sie vor einer Veröffentlichung. Dieses bewusste editorische Vorgehen rechtfertigte er im Vorwort zu seinem Werk "Geistliche Volkslieder"<ref>{{Literatur |Autor=Joseph Gabler |Titel=Geistliche Volkslieder. Siebenhundertvierzehn religiöse Lieder mit 387 Melodien |Auflage=2. |Ort=Regensburg |Datum=1890 |Seiten=VII}}</ref>. | |||
== Werke/Schriften == | == Werke/Schriften == | ||
== Literatur == | == Veröffentlichungen aus Joseph Gablers Sammlung geistlicher Volkslieder == | ||
== Literatur über Joseph Gabler == | |||
Walter Graf, Josef Gabler und die kirchenmusikalische Erneuerungsbewegung in Österreich. Mit Beiträgen zum geistlichen Volkslied der Diözese St. Pölten im 19. Jahrhundert, Univ. Diss., Wien 1964. | Walter Graf, Josef Gabler und die kirchenmusikalische Erneuerungsbewegung in Österreich. Mit Beiträgen zum geistlichen Volkslied der Diözese St. Pölten im 19. Jahrhundert, Univ. Diss., Wien 1964. | ||
[[Gerlinde Haid]], Art. "[https://musiklexikon.ac.at/0xc1aa5576_0x00020920 Gabler, Josef]", in: [[Oesterreichisches Musiklexikon]] online, begründet von [[Rudolf Flotzinger]], hg. von [[Barbara Boisits]]. | [[Gerlinde Haid]], Art. "[https://musiklexikon.ac.at/0xc1aa5576_0x00020920 Gabler, Josef]", in: [[Oesterreichisches Musiklexikon]] online, begründet von [[Rudolf Flotzinger]], hg. von [[Barbara Boisits]] (abgerufen am 9.1.2025). | ||
Josef Gabler (1824-1902) und das geistliche Volkslied. Die Vorträge beim Symposium am 6. April 2024 in Spitz an der Donau (= Volkskultur in Niederösterreich - Wissenschaft & Forschung 3), hg. v. [[Volkskultur Niederösterreich]], St. Pölten 2024, ISBN: 978-3-903058-46-0. | Josef Gabler (1824-1902) und das geistliche Volkslied. Die Vorträge beim Symposium am 6. April 2024 in Spitz an der Donau (= Volkskultur in Niederösterreich - Wissenschaft & Forschung 3), hg. v. [[Volkskultur Niederösterreich]], St. Pölten 2024, ISBN: 978-3-903058-46-0. | ||