Joseph Gabler: Unterschied zwischen den Versionen

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== Wirken ==
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Joseph Gabler war neben seiner seelsorglichen Tätigkeit einer der "profiliertesten Vertreter der kirchenmusikalischen Restaurationsbewegung Österreichs"<ref>{{Literatur |Autor=Walter Graf |Titel=Josef Gabler und die kirchenmusikalische Erneuerungsbewegung in Österreich. Mit Beiträgen zum geistlichen Volkslied der Diözese St. Pölten im 19. Jahrhundert |Ort=Wien |Datum=1964 |Seiten=I}}</ref> in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als Anhänger des [[Cäcilianismus]] bemühte er sich gemeinsam mit dem Gmundner Organisten und Regenschori [[Johann Evangelist Habert]] um eine gemäßigte, örtliche und regionale Traditionen berücksichtigende Erneuerung der Kirchenmusik und eines zeitgemäßen geistlichen Volksgesangs. Zusammen mit seinem Freund Habert war Gabler federführend an der Entwicklung des Kirchengesangbuchs "Te Deum laudamus" für die Diözese St. Pölten respektive die Österreichische Kirchenprovinz mit den Diözesen Wien, St. Pölten und Linz beteiligt. Für seine theoretische Abhandlung "Die Tonkunst in der Kirche" über die Geschichte des katholischen deutschen Kirchenliedes arbeitete er mit dem deutschen Hymnologen und Theologen [[Wilhelm Bäumker]] zusammen, für dessen Werk "Das katholische deutsche Kirchenlied mit seinen Singweisen" Gabler mehrere Quellenbelege lieferte.     
Joseph Gabler war neben seiner seelsorglichen Tätigkeit einer der "profiliertesten Vertreter der kirchenmusikalischen Restaurationsbewegung Österreichs"<ref>{{Literatur |Autor=Walter Graf |Titel=Josef Gabler und die kirchenmusikalische Erneuerungsbewegung in Österreich. Mit Beiträgen zum geistlichen Volkslied der Diözese St. Pölten im 19. Jahrhundert |Ort=Wien |Datum=1964 |Seiten=I}}</ref> in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Als Anhänger des [[Cäcilianismus]] bemühte er sich gemeinsam mit dem Gmundner Organisten und Regenschori [[Johann Evangelist Habert]] um eine gemäßigte, örtliche und regionale Traditionen berücksichtigende Erneuerung der Kirchenmusik und eines zeitgemäßen geistlichen Volksgesangs. Zusammen mit seinem Freund Habert war Gabler federführend an der Entwicklung des Kirchengesangbuchs "Te Deum laudamus" für die Diözese St. Pölten respektive die Österreichische Kirchenprovinz mit den Diözesen Wien, St. Pölten und Linz beteiligt. Für seine theoretische Abhandlung "Die Tonkunst in der Kirche" über die Geschichte des katholischen deutschen Kirchenliedes arbeitete er mit dem deutschen Hymnologen und Theologen [[Wilhelm Bäumker]] zusammen, für dessen Werk "Das katholische deutsche Kirchenlied mit seinen Singweisen" Gabler mehrere Quellenbelege lieferte.     
[[Datei:Kreuzpointner 12.jpg|mini|Gabler, Katholisches Wallfahrtsbuch, 1854, Ziffernnotation]]
Zur Förderung des geistlichen Volksgesangs bemühte sich Gabler um die Sammlung und Weitergabe geistlicher Volkslieder, die zur Ausübung der Frömmigkeit hauptsächlich außerhalb des pfarrlichen liturgischen Vollzuges bei [[Wallfahrt|Wallfahrten]], [[Prozession|Prozessionen]] und  [[Andacht|Andachten]] in den Familien und in der Dorfgemeinschaft gesungen wurden. Hierin folgte er der sich im 19. Jahrhundert entwickelnden [https://musiklexikon.ac.at/0xc1aa5576_0x0001e5d4 Volksliedsammlung], deren Vertreter ihr Augenmerk auch auf geistliche Volkslieder richteten. Mit diesen Liedern, die der Melodie nach meist mündlich und textlich in handschriftlichen Vorbeterbüchern<ref>{{Literatur |Autor=Anton Hofer, Walter Deutsch |Titel=Franz Stubenvoll. Geistliche Lieder aus der Weinviertler Singtradition |Sammelwerk=Corpus Musicae Popularis Austriacae |Band=3 |Verlag=Böhlau Verlag |Ort=Wien |Datum=1995 |ISBN=}}</ref> tradiert wurden, kam Gabler in seinem Elternhaus als Kind in Kontakt und lernte viele gebräuchliche Lieder selbst singen. Als Kaplan, bischöflicher Zeremoniär und als Pfarrer trug er aus verschiedensten Ortschaften in der Diözese St. Pölten im Laufe seiner Tätigkeit rund 1.200 unterschiedliche Texte mit mehr als vierhundert Liedern zusammen.   
Zahlreiche Belege aus seiner mehr als 40-jährigen Sammeltätigkeit veröffentlichte Joseph Gabler in Liederbüchern, deren Drucklegung er vorbereitete, sie meist selbst finanzierte und für die Verbreitung der Exemplare sorgte. Die Originalaufzeichnungen Gablers wurden der Nachwelt nicht überliefert. Die Kritik des Cäcilianismus am geistlichen Volkslied führte zu einer vorwiegend ablehnenden Haltung zahlreicher Kirchenmusiker und für die Kirchenmusik Verantwortliche gegenüber der Überlieferung geistlicher Volkslieder, wie sie Joseph Gabler vornahm. Aber auch seitens der Volksliedbewegung des 19. Jahrhunderts warf man Gablers Publikationen eine mangelnde kritische Auseinandersetzung mit der Quelle vor. Einerseits verzichtete Gabler sehr oft auf die Angabe der Quellen von Liedbelegen und begründete dies mit der Dringlichkeit der Veröffentlichung bzw. mit einem explizit pastoralen Interesse. Andererseits griff er selbst in offensichtlich tradierte Fehler von Texten und Melodien ein und bearbeitete sie vor einer Veröffentlichung, ohne jedoch seine Eingriffe kenntlich zu machen. Dieses absichtliche editorische Vorgehen rechtfertigte er im Vorwort zu seinem Werk "Geistliche Volkslieder"<ref>{{Literatur |Autor=Joseph Gabler |Titel=Geistliche Volkslieder. Siebenhundertvierzehn religiöse Lieder mit 387 Melodien |Auflage=2. |Ort=Regensburg |Datum=1890 |Seiten=VII}}</ref>. Gabler verstand seine Liederbücher nicht als Quelleneditionen, sondern als Handreichungen für die zahlreichen Vorbeter in der Diözese St. Pölten. Mehrere Lieder seiner Sammlung bzw. deren Bearbeitungen befinden sich nach wie vor im Repertoire von Chören und Gesangsensembles in Niederösterreich.     
== Werke/Schriften (in Auswahl) ==
Katholisches Wallfahrtsbuch. Ein vollständiges Gebet- und Gesangsbuch für Wallfahrten, Rosenkranz und Hausandachten, Neuhaus 1854, 3. Auflage 1871. (Melodien in Ziffernnotation)
106 Lieder für Große und Kleine, St. Pölten 1855. (ohne Melodien)
Melodien zu den 106 Liedern, Neuhaus 1855.
Marien-Rosen. Geistliche Volkslieder zu Ehren der Mutter Gottes, gesammelt in der Diözese St. Pölten, Wien 1861. (ohne Melodien)
Liederbuch für die katholischen Volksschulen, mit Melodien, Wien 1862.
Gebet- und Gesangbuch für die studierende Jugend, mit Melodien für 4 Stimmen, St. Pölten 1868, 2. Auflage 1878.
Meßgesänge und Kirchenlieder für die Jugend, Wien 1870, 2. Auflage 1871, Orgelbuch unter gleichem Titel.
Gesangsbuch für die österreichische Kirchenprovinz, Linz 1880.


Zur Förderung des geistlichen Volksgesangs bemühte sich Gabler um die Sammlung und Weitergabe geistlicher Volkslieder, die zur Ausübung der Frömmigkeit hauptsächlich außerhalb des pfarrlichen liturgischen Vollzuges bei [[Wallfahrt|Wallfahrten]], [[Prozession|Prozessionen]] und  [[Andacht|Andachten]] in den Familien und in der Dorfgemeinschaft gesungen wurden. Hierin folgte er der sich im 19. Jahrhundert entwickelnden [https://musiklexikon.ac.at/0xc1aa5576_0x0001e5d4 Volksliedsammlung], deren Vertreter ihr Augenmerk auch auf geistliche Volkslieder richteten. Mit diesen Liedern, die der Melodie nach meist mündlich und textlich in handschriftlichen Vorbeterbüchern<ref>{{Literatur |Autor=Anton Hofer, Walter Deutsch |Titel=Franz Stubenvoll. Geistliche Lieder aus der Weinviertler Singtradition |Sammelwerk=Corpus Musicae Popularis Austriacae |Band=3 |Verlag=Böhlau Verlag |Ort=Wien |Datum=1995 |ISBN=}}</ref> tradiert wurden, kam Gabler in seinem Elternhaus als Kind in Kontakt und lernte viele gebräuchliche Lieder selbst singen. Als Kaplan, bischöflicher Zeremoniär und als Pfarrer trug er aus verschiedensten Ortschaften in der Diözese St. Pölten im Laufe seiner Tätigkeit rund 1.200 unterschiedliche Texte mit mehr als vierhundert Liedern zusammen.    
Litaneien und Gebete zum Nachmittagsgottesdienst, Linz 1880.
 
Orgelbuch zum Gesangsbuch für die österreichische Kirchenprovinz, Linz 1881.
 
Die Tonkunst in der Kirche. Kirchenmusikalische Exkurse in sechs Büchern, Linz 1883.
 
Neue geistliche Nachtigall. 600 religiöse Volkslieder mit ihren Singweisen in der Diözese St. Pölten, Linz 1884.


Zahlreiche Belege aus seiner mehr als 40-jährigen Sammeltätigkeit veröffentlichte Joseph Gabler in Liederbüchern, deren Drucklegung er vorbereitete, sie meist selbst finanzierte und für die Verbreitung der Exemplare sorgte. Die Originalaufzeichnungen Gablers wurden der Nachwelt nicht überliefert. Die Kritik des Cäcilianismus am geistlichen Volkslied führte zu einer vorwiegend ablehnenden Haltung zahlreicher Kirchenmusiker und für die Kirchenmusik Verantwortliche gegenüber der Überlieferung geistlicher Volkslieder, wie sie Joseph Gabler vornahm. Aber auch seitens der Volksliedbewegung des 19. Jahrhunderts warf man Gablers Publikationen eine mangelnde kritische Auseinandersetzung mit der Quelle vor. Einerseits verzichtete Gabler sehr oft auf die Angabe der Quellen von Liedbelegen und begründete dies mit der Dringlichkeit der Veröffentlichung bzw. mit einem explizit pastoralen Interesse. Andererseits griff er selbst in offensichtlich tradierte Fehler von Texten und Melodien ein und bearbeitete sie vor einer Veröffentlichung, ohne jedoch seine Eingriffe kenntlich zu machen. Dieses absichtliche editorische Vorgehen rechtfertigte er im Vorwort zu seinem Werk "Geistliche Volkslieder"<ref>{{Literatur |Autor=Joseph Gabler |Titel=Geistliche Volkslieder. Siebenhundertvierzehn religiöse Lieder mit 387 Melodien |Auflage=2. |Ort=Regensburg |Datum=1890 |Seiten=VII}}</ref>. Gabler verstand seine Liederbücher nicht als Quelleneditionen, sondern als Handreichungen für die zahlreichen Vorbeter in der Diözese St. Pölten.    
Geistliche Volkslieder. 714 religiöse Lieder mit 387 Melodien, gesammelt in der Diözese St. Pölten, 2. verbesserte Auflage der Neuen geistlichen Nachtigall, Regensburg 1890.


== Werke/Schriften ==
Te Deum laudamus. Katholisches Gesangsbuch, 2. veränderte Auflage des Gesangsbuch für die österreichische Kirchenprovinz, Leipzig 1897.


== Veröffentlichungen aus Joseph Gablers Sammlung geistlicher Volkslieder ==
== Veröffentlichungen aus Joseph Gablers Sammlung geistlicher Volkslieder ==
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