Verband der Baustoffhändler Österreichs
Der Verband der Baustoffhändler Österreichs (VBÖ) ist die freiwillige Interessenvertretung des österreichischen Baustoff-Fachhandels. Er dient als Plattform für den Austausch zwischen Handel und Industrie, fördert die Aus- und Weiterbildung in der Branche und vertritt die wirtschaftlichen Interessen seiner Mitglieder auf nationaler und europäischer Ebene.
Geschichte
Gründung und frühe Jahre (1908–1938)
Die Wurzeln des Verbandes reichen in das Jahr 1908 zurück, als in Wien der „Verband der Händler mit Zement, Kalk und Gips“ gegründet wurde. In der damaligen österreichisch-ungarischen Monarchie unterstrich die Namensgebung die zentrale Bedeutung mineralischer Bindemittel. Bereits früh suchte der Verband den Dialog mit der Zementindustrie, um Lieferkonditionen für seine Mitglieder zu verhandeln.
Am 23. März 1912 konstituierte sich der Verband als eigenständiger „Verband der Baustoffhändler Österreichs“ (VBÖ). Noch im Gründungsjahr traten namhafte Industriebetriebe wie die Permoser Zementwerke AG und die Wietersdorfer Zementwerke als Förderer bei. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Zusammenbruch der Habsburgermonarchie (1918) musste sich der Verband in der neuen Republik Österreich neu formieren und existierte von 1918 bis 1922 als Fachgruppe im Deutsch-Österreichischen Gewerbebund.
Infolge der Weltwirtschaftskrise wurde 1932 eine Kreditschutzstelle als Selbsthilfeorganisation gegründet, um die Mitglieder vor existenzbedrohenden Forderungsausfällen zu schützen. Mit dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde der VBÖ am 25. Juli 1938 zwangsaufgelöst und in den Reichsverband deutscher Baustoffhändler eingegliedert.
Neugründung und Wiederaufbau (1946–1970er)
Bereits 1946 erfolgte die Wiederbegründung des VBÖ durch Wiener Baustoffhändler, unter anderem durch Fritz Quester, dem Gründer der Fa. [[. Trotz der Aufteilung Österreichs in Besatzungszonen gelang eine bundesweite Vernetzung; die erste Mitgliederversammlung fand im Juni 1946 in Innsbruck mit 138 Firmen statt. Ab 1951 intensivierte der Verband die internationale Zusammenarbeit mit Verbänden in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden, was als Keimzelle der späteren europäischen Organisation UFEMAT gilt.
Im Zuge des Wiederaufbaus stieg die Mitgliederzahl bis 1957 auf rund 250 Unternehmen an, die ca. 90 % des österreichischen Marktvolumens repräsentierten. In den 1970er-Jahren leistete der Verband Pionierarbeit bei der Einführung von Baumärkten als neue Vertriebsform für Privatkunden.
Professionalisierung und Modernisierung (1980er–2000er)
Unter der langjährigen Geschäftsführung von Dr. Raimund Ossinger (bis 1985) und seinem Nachfolger Alois Fröstl (bis 2018) passte der Verband seine Strukturen an den technologischen und wirtschaftlichen Wandel an. Wichtige Meilensteine waren:
1978: Gründung des Österreichischen Baustoff-Ausbildungszentrums (BAFA).
1993: Aktive Mitgestaltung des ARA-Sammelsystems zur Umsetzung der Verpackungsverordnung.
2001: Entwicklung einer Funktionsmatrix zur klaren Aufgabenteilung zwischen Handel und Industrie unter Präsident Dr. Leonhard Helbich-Poschacher.
2008: 100-jähriges Jubiläum und Bestätigung der Rolle als zentrale Säule der Bauwirtschaft.
Aktuelle Entwicklungen (seit 2010)
Die jüngere Verbandsgeschichte ist geprägt von der Digitalisierung („Baustoffhandel 4.0“) und der Bewältigung globaler Krisen. Seit 2018 führt Mag. Susanne Aigner-Haas als erste Frau die Geschäfte des Verbandes. Während der COVID-19-Pandemie (2020/21) sicherte der Verband die Aufrechterhaltung der Lieferketten für das Baugewerbe. Seit 2022/23 stehen der Kampf gegen den Einbruch bei Baugenehmigungen (Lobbying-Initiative „ProBauen“) sowie die Standardisierung von Artikelstammdaten im Fokus der Verbandsarbeit.
Aufgaben und Ziele
Der VBÖ verfolgt primär folgende strategische Ziele:
- Interessensvertretung: Wahrnehmung der Händlerinteressen gegenüber Politik und Industrie.
- Marktpartnerschaft: Förderung des dreistufigen Vertriebswegs (Industrie – Fachhandel – Verarbeiter).
- Ausbildung: Sicherung des Fachkräftenachwuchses über das BAFA.
- Digitalisierung: Erarbeitung von Datenstandards und E-Commerce-Lösungen.
- Service: Bereitstellung von Rechtsberatung (z.B. Compliance-Richtlinien) und Marktanalysen.
Mitglieder
Mitglieder aus dem Baustoffhandel
Dem Verband gehören namhafte Handelsunternehmen und Kooperationen an, darunter:
- A. Pümpel & Co KG
- A. Sochor & Co
- Alois Mayr Bauwaren
- Austrodach Handels GmbH
- Baumarkt Nadlinger
- Baustoff & Metall
- Baustoff Wagner
- Bauwelt Koch
- Bauzentrum Hannak
- C. Bergmann KG
- Canal & Co
- Dach &Wand
- Eurobaustoff Österreich
- Fetter Baumarkt
- Hagebau Egger
- Liebmarkt
- Mayr Alois Bauwaren
- Pointinger Baustoffe
- Poschacher Baustoffhandel
- Pramer Baustoffe
- Rädler Baustoffe
- Quester Baustoffhandel
- Raiffeisen Lagerhaus
- Teubl Handelsgesellschaft
- Schilowsky Baustoffe
- Schuberth
- Wälderhaus
- Wessenthaler Baustoff
- Würth Hochenburger
- Zehetner Viktor & Söhne
Mitglieder aus der Industrie (Förderer)
Der VBÖ unterhält eine enge Partnerschaft mit führenden Herstellern. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem:
- Baumaterial: Wienerberger, Ziegelwerke Eder, Xella
- Dämmstoffe & Bauchemie: Austrotherm, Ardex, Büsscher & Hoffmann, Murexin, Steinbacher, Saint-Gobain Isover, Sika, Swisspor.
- Zement & Bindemittel: Holcim, Kirchdorfer Zementwerke, Baumit, Röfix.
- Dach, Türen & Fenster: Bramac, Domoferm, Hörmann, Internorm, Roto Frank, Velux
- Trockenbau & Putze: Knauf, Rigips, Saint-Gobain Weber, Synthesa.
- Rohrsysteme & Technik: Pipelife, Poloplast, ACO, Schiedel.