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== Herkunft und Familie == | == Herkunft und Familie == | ||
Gräfin Johanna von Pfirt war eine Nachfahrin der Grafen [[w:Dietrich von Mousson|Dietrich von Mousson, Altkirch und Pfirt]] († 1102/1105) aus dem Haus [[w:Haus Scarponnois|Scarponnois]] und [[w:Wilhelm I. (Burgund)|Wilhelm (I.) von Burgund und Mâcon]] ("''Wilhelm dem Großen''") aus dem [[w:Haus Burgund-Ivrea|Haus Burgund-Ivrea]].<ref name ="claerr9">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 9</ref> Sie war die älteste Tochter des Grafen Ulrich (III.) von Pfirt (* zwischen März 1278 und November 1281<ref name ="claerr9"/>; † 11. März 1324, in Basel)<ref name ="claerr19">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 19</ref>, Herr von Rotenburg (Rougemont)<ref name ="claerr15">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 15</ref><ref name ="czeike">vgl.{{Czeike|1|42||Albrecht II. von Habsburg}} [https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/1112840 digital]</ref>, aus seiner Ehe mit Gräfin Johanna von Mömpelgard (Jeannette de Montbéliard) (* um 1288; † 1349).<ref name ="claerr13">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 13</ref> Über ihre Mutter war sie eine Urenkelin von [[w:Hugo IV. (Burgund)|Herzog Hugo (IV.) von Burgund]]<ref name ="czeike"/>. Ihr Vater unterstützte [[Friedrich der Schöne|Herzog Friedrich (I.) von Österreich]] ("''Friedrich den Schönen''") bei seinem Kampf um die Herrschaft über das [[Heiliges Römisches Reich|Heilige Römische Reich]].<ref name ="claerr15"/> Am 26. März 1324 heiratete sie [[Albrecht II. (Österreich)|Herzog Albrecht II. von Österreich]] ("''Albrecht den Weisen''" / "''Albrecht den Lahmen''"), mit dem sie mindestens sieben Kinder hatte<ref name ="czeike"/>. | Gräfin Johanna von Pfirt war eine Nachfahrin der Grafen [[w:Dietrich von Mousson|Dietrich von Mousson, Altkirch und Pfirt]] († 1102/1105) aus dem Haus [[w:Haus Scarponnois|Scarponnois]] und [[w:Wilhelm I. (Burgund)|Wilhelm (I.) von Burgund und Mâcon]] ("''Wilhelm dem Großen''") aus dem [[w:Haus Burgund-Ivrea|Haus Burgund-Ivrea]].<ref name ="claerr9">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 9</ref> Sie war die älteste Tochter des Grafen Ulrich (III.) von Pfirt (* zwischen März 1278 und November 1281<ref name ="claerr9"/>; † 11. März 1324, in Basel)<ref name ="claerr19">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 19</ref>, Herr von Rotenburg (Rougemont)<ref name ="claerr15">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 15</ref><ref name ="czeike">vgl.{{Czeike|1|42||Albrecht II. von Habsburg}} [https://www.digital.wienbibliothek.at/wbrobv/content/pageview/1112840 digital]</ref>, aus seiner Ehe mit Gräfin Johanna von Mömpelgard (Jeannette de Montbéliard) (* um 1288; † 1349).<ref name ="claerr13">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 13</ref> Über ihre Mutter war sie eine Urenkelin von [[w:Hugo IV. (Burgund)|Herzog Hugo (IV.) von Burgund]]<ref name ="czeike"/>. Ihr Vater unterstützte [[Friedrich der Schöne|Herzog Friedrich (I.) von Österreich]] ("''Friedrich den Schönen''") bei seinem Kampf um die Herrschaft über das [[Heiliges Römisches Reich|Heilige Römische Reich]].<ref name ="claerr15"/> Am 26. März 1324 heiratete sie [[Albrecht II. (Österreich)|Herzog Albrecht II. von Österreich]] ("''Albrecht den Weisen''" / "''Albrecht den Lahmen''"), mit dem sie mindestens sieben Kinder hatte<ref name ="czeike"/>. | ||
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== Leben == | == Leben == | ||
Graf Ulrich (II.) von Pfirt, der Urgroßvater von Johanna, hatte 1271 seine Grafschaft "als freies Eigen" an das [[w:Hochstift Basel|Hochstift Basel]] verkauft und war von diesem mit ihr am 15. Jänner 1271 belehnt worden. Am 30. Mai 1318 erhielt Graf Ulrich (III.) von Pfirt, Johannas Vater, vom [[w:Gerhard von Wippingen|Bischof von Basel]] die Zustimmung, seine Grafschaft an seine Töchtern beziehungsweise seine zukünftigen Schwiegersöhne vererben zu dürfen.<ref name ="claerr17">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 17</ref> Am 25. Jänner 1320 erreichte er, dass diese Entscheidung vom [[w:Johannes XXII.|Papst]] zu [[w:Avignon|Avignon]] bestätigt wurde, am 20. Juli 1320 erreichte er außerdem auch die Nachfolge seiner Töchter für weitere Lehen.<ref name ="claerr19>vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 19</ref> Unmittelbar nach seinem Tod heiratete Gräfin Johanna von Pfirt Herzog Albrecht (II.) von Österreich. Über den Ort und das Datum der Eheschließung finden sich in der Geschichtsforschung bisher zwei unterschiedliche Angaben. Nach der einen Version soll die Trauung am 17. März 1324 zu [[w:Brugg an der Aare|Brugg]] stattgefunden haben, nach der anderen Versionen im Mai 1324 glanzvoll zu [[w:Basel|Basel]]. Noch im März 1324 wurde jedenfalls durch den Papst und Albrechts Familie sicher gestellt, dass die Grafschaft Pfirt in den Besitz der Eheleute überging und Albrecht als neuer Graf von Pfirt eingesetzt wurde. Diese Amtseinsetzung wurde am 8. Juni 1324 vom Papst bestätigt, nach der Bischof von Basel versucht hatte, sie für nichtig erklären zu lassen.<ref name ="claerr23>vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 23</ref> Die in Nachbarschaft auch ansässigen [[Habsburger]] zählten seit mehreren Generationen zu den Gegnern und Konkurrenten der Grafen von Pfirt. Dennoch unterstützte Graf Ulrich (III.) nach der Doppelwahl (1314) [[Friedrich der Schöne|König Friedrich (III.) "''den Schönen''"]]. Ausschlaggebend für seine neue politische Ausrichtung, von der er und seine Familie letztlich bis zur [[w:Schlacht von Mühldorf|Schlacht von Mühldorf]] (1322) profitierten, war neben der geographischen Nähe der Habsburger auch deren gute Beziehungen zu den Bischöfen von Basel und Straßburg.<ref name ="claerr15">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 15</ref> | Graf Ulrich (II.) von Pfirt, der Urgroßvater von Johanna, hatte 1271 seine Grafschaft "als freies Eigen" an das [[w:Hochstift Basel|Hochstift Basel]] verkauft und war von diesem mit ihr am 15. Jänner 1271 belehnt worden. Am 30. Mai 1318 erhielt Graf Ulrich (III.) von Pfirt, Johannas Vater, vom [[w:Gerhard von Wippingen|Bischof von Basel]] die Zustimmung, seine Grafschaft an seine Töchtern beziehungsweise seine zukünftigen Schwiegersöhne vererben zu dürfen.<ref name ="claerr17">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 17</ref> Am 25. Jänner 1320 erreichte er, dass diese Entscheidung vom [[w:Johannes XXII.|Papst]] zu [[w:Avignon|Avignon]] bestätigt wurde, am 20. Juli 1320 erreichte er außerdem auch die Nachfolge seiner Töchter für weitere Lehen.<ref name ="claerr19>vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 19</ref> Unmittelbar nach seinem Tod heiratete Gräfin Johanna von Pfirt Herzog Albrecht (II.) von Österreich. Über den Ort und das Datum der Eheschließung finden sich in der Geschichtsforschung bisher zwei unterschiedliche Angaben. Nach der einen Version soll die Trauung am 17. März 1324 zu [[w:Brugg an der Aare|Brugg]] stattgefunden haben, nach der anderen Versionen im Mai 1324 glanzvoll zu [[w:Basel|Basel]]. Noch im März 1324 wurde jedenfalls durch den Papst und Albrechts Familie sicher gestellt, dass die Grafschaft Pfirt in den Besitz der Eheleute überging und Albrecht als neuer Graf von Pfirt eingesetzt wurde. Diese Amtseinsetzung wurde am 8. Juni 1324 vom Papst bestätigt, nach der Bischof von Basel versucht hatte, sie für nichtig erklären zu lassen.<ref name ="claerr23>vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 23</ref> Die in Nachbarschaft auch ansässigen [[Habsburger]] zählten seit mehreren Generationen zu den Gegnern und Konkurrenten der Grafen von Pfirt. Dennoch unterstützte Graf Ulrich (III.) nach der Doppelwahl (1314) [[Friedrich der Schöne|König Friedrich (III.) "''den Schönen''"]]. Ausschlaggebend für seine neue politische Ausrichtung, von der er und seine Familie letztlich bis zur [[w:Schlacht von Mühldorf|Schlacht von Mühldorf]] (1322) profitierten, war neben der geographischen Nähe der Habsburger auch deren gute Beziehungen zu den Bischöfen von Basel und Straßburg.<ref name ="claerr15">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 15</ref> Ende des Jahres 1324 ist sie mit ihrem Ehemann in [[Wien]] und [[Linz]] nachgewiesen, ihr erster Aufenthalt auf dem Areal des heutigen Landes Österreich.<ref name ="claerr45">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 45</ref> Obwohl sie sich während ihres Lebens häufig in [[Wien]] aufhielt, verwaltete sie weiterhin ihre Besitzungen im Oberelsass und unternahm häufig reisen. Das änderte sich auch nicht, als sie in den letzten zehn Jahren ihres Lebens mehrere Kinder zur Welt brachte.<ref name ="claerr54">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 54</ref> | ||
Johanna von Pfirt korrespondierte mit bedeutenden Kirchenfürsten ihrer Zeit wie den Patriarchen [[w:Bertrand de Saint-Geniès| | Johanna von Pfirt korrespondierte mit bedeutenden Kirchenfürsten ihrer Zeit wie den Patriarchen [[w:Bertrand de Saint-Geniès|Bert rand von Aquileia]] und dem [[w:Johann von Chalon-Arlay|Bischof Johann (I.) von Basel]].<ref>vgl. [[w:Alfred A. Strnad|Alfred Strnad]]: ''Herzog Albrecht III. von Österreich (1365-1395)''. Ein Beitrag zur Geschichte Österreichs im späteren Mittelalter. (Ungedruckte) Dissertation, Universität Wien, 1961. S. 17f.</ref> Politisch ist sie mehrmals als Vertreterin ihres Ehemannes hervorgetreten, in dessen Namen sie auch mehrere Verträge abschloss.<ref>vgl. [[w:Alfred A. Strnad|Alfred Strnad]]: ''Herzog Albrecht III. von Österreich (1365-1395)''. Ein Beitrag zur Geschichte Österreichs im späteren Mittelalter. (Ungedruckte) Dissertation, Universität Wien, 1961. S. 18</ref> Während der Ehe wurde Johanna von Pfirt von der Geschichtsschreibung bis ins 20. Jahrhundert eine durchaus aktive Rolle an der Seite des Ehemannes zugestanden, wobei nicht immer klar erkennbar ist, inwieweit sie nur in einem Zusammenhang genannt ist oder tatsächlich politisch agiert hat. Sie soll wesentlichen Anteil daran gehabt haben, dass [[w:Johann der Blinde|König Johann von Böhmen]] ("''Johann dem Blinden''") für seine Schwiegertochter [[Margarete Maultasch]] auf das [[Herzogtum Kärnten]] Verzicht leistete.<ref name ="claerr51">vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 51</ref> Johanna gründete gemeinsam mit Albrecht die Kartause von Gaming und begleitete ihn auf seiner Wallfahrt nach [[w:Aachen|Aachen]] (1337).<ref>vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 49, S. 52 und S. 54</ref> | ||
== Johanna von Pfirt - ihre Persönlichkeit (eine Annäherung) == | |||
Johanna von Pfirt wird im Wesentlichen positiv gesehen. In der Geschichtsschreibung gilt sie gewöhnlich als temperamentvoll, beherzt und geistreich. Sie soll auch sehr schön gewesen sein und einen aufwändigen Lebensstil gepflegt haben. Dass sie oft reiste, ist belegt, angeblichh soll sie diese Rundreisen sehr gerne unternommen haben. Sie soll außerdem Interesse für Kunst gezeigt haben, zumindest ist belegt, dass sie um 1330 einem Maler aus [[Graz]] einen Auftrag erteilt hat. Auf politischen Gebiet entfaltete sie eine rege Tätigkeit, daneben soll sie auch geschäftlich hervorgetreten sein.<ref>vgl. Gabrielle Claerr-Stamm: ''Johanna von Pfirt'', 1996, S. 19 und 48</ref> In wieweit dieses Bild den Kriterien der aktuellen Geschichtsforschung standhält, wäre noch zu überprüfen. | |||
In einigen Chroniken gilt Johanna als Giftmörderin. Sie soll ihre Schwägerin [[Elisabeth von Niederbayern|Elisabeth]] († 1330), die Ehefrau von [[Otto der Fröhliche|Herzog Otto von Österreich ("''Otto des Fröhlichen''"]] und später auch diesen und dann noch seine Söhne Friedrich und Leopold (beide † 1344) mit Gift ermordet haben.<ref name ="claerr54"/> Nach der zeitgenössischen "Cronica S. Petri Erfordensis moderna" wird ihr außerdem unterstellt, am Tod von [[Ludwig IV. (HRR)|Kaiser Ludwig (IV.) "''den Bayern''"]] († 1347) beteiligt gewesen zu sein, indem sie ihm vergifteten Wein trinken ließ. Diese Geschichte wurde von einigen späteren Chronisten und Geschichtsschreibern übernommen und wesentlich ausgeschmückt. Ursprünglich dürfte es sich bei dieser wohl fiktiven Geschichte aber um eine Abwehrstrategie gehandelt haben, mit welchem versucht wurde, negative Interpretationen über den Tod von Kaiser Ludwig als "schlechter" Tod abzuwenden.<ref>vgl. Manuel Kamenzin: ''Die Tode der römisch-deutschen Könige und Kaiser (1150-1349)'' (= [[w:Bernd Schneidmüller|Bernd Schneidmüller]] - [[w:Karl Ubl|Karl Ubl]] (Hrsg.): ''Mittelalterforschungen''. Bd. 64). Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern, 2020. | |||
ISBN 978-3-7995-4385-9. S. 384-390 und S. 397</ref> | |||
== Erinnerungsstätten an Johanna von Pfirt im heutigen Österreich == | == Erinnerungsstätten an Johanna von Pfirt im heutigen Österreich == |
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