Gaisbühel (Lech)

Gaisbühel (auch Geisbüel, früher: Geissbühel) ist eine Hochebene und ein Sömmerungsgebiet (Alm) mit Wirtschaftsgebäuden und sonstige Infrastruktur im Gemeindegebiet Lech am Tannberg in Vorarlberg.
Name
Gaisbühel bezieht sich auf einen Hügel, auf dem Ziegen (Geissen) gehalten wurden. Der Name kommt bereits als Geissbühel (Gaispuhil etwa um 1260) im Mittelalter vor.[1]
Lage
Gaisbühel befindet sich am nördlichen Rand der Gemeinde Lech. Das Karhorn (2416 m ü. A.) ist im Nordosten rund 2800 Meter Luftlinie entfernt, die Mohnenfluh (2542 m ü. A.) im Westen rund 1800 Meter. Das Auenfeld befindet sich im Nordnordwesten rund zwei Kilometer Luftlinie entfernt.
Das Ortszentrum von Lech befindet sich südsüdöstlich rund 2 Kilometer Luftlinie entfernt. Der Ortsteil Zug ist im Südwesten rund 3400 Meter Luftlinie entfernt, der Ortsteil Oberlech im Südsüdosten rund 1500 Meter.
Westlich der Parzelle Gaisbühel fließt der Haasenbach[2] vorbei. Östlich entspringt ein namenloser Bach. [3]
Etwa 400 Meter südwestlich befindet sich die Talstation der Weibermahdbahn bzw. Bergstation des Auenfeldjet.
Geschichte
Das Gebiet am Tannberg wurde zuletzt maßgeblich bis vor rund 10.000 Jahren (Würmeiszeit) stark verändert.
Besiedelung und Walser
Die Besiedelung der Region Tannberg durch die Walser (etwa 1280-1300) setzte die bereits vorhandene Nutzung des Gebiets am Gaisbühel fort. Die Walser errichteten am Geisbühl eine dauerhafte Siedlung. 1451 eroberte Erzherzog Sigismund von Österreich den Tannberg. Einer der ältestes schriftlichen Belege am Tannberg in diesem Zusammenhang ist datiert auf den 11. März 1453, in welcher sich Ammann Richter und die ganze Gemeinde am Tannberg Herzog Sigmund von Österreich unterwarfen und auf alle Rechte und Freiheiten verzichteten. Die Walser wurden der Herrschaft Bregenz unterstellt und Leibeigene. Um 1500, nach dem Schwabenkrieg, wurden ihnen die alten Rechte und Freiheiten von Kaiser Maximilian I. von Habsburg wieder zurückgegeben. [4]
Im Bereich des Gaisbühel befinden sich Niedermoorkomplexe, deren Torf früher wirtschaftlich aufgrund des Holzmangels in der Region als Brennstoff genutzt wurde.[5]
Der Gaisbühel wurde als dauerhafte Siedlung vermutlich wegen dieses Holzmangel schlussendlich aufgegeben (siehe auch Hochkrumbach), die Torfgewinnung und -verbrennung war nicht ausreichend. Im Zuge der kleinen Eiszeit (15. bis 19. Jahrhundert) sank die Waldgrenze zudem ab. Das Gebiet wurde sodann nur noch im Sommer als Alpe genutzt.[6]
Alpwirtschaft im Bereich des Gaisbühel
Westlich des Gaisbühel (auf 1792 m ü. A.
47.2288610.129584
befindet sich die Obere Gaisbühelhütte auf 1958 m ü. A.
47.23141810.120276 Östlich ist die Hintere Gaisbühelalpe auf 1775 m ü. A.
47.23075710.13197 und südöstlich die Untere Gaisbühelalpe (Gaisbachalpe) auf 1594 m ü. A.
47.22881510.145126. Im Süden ist die Vordere Gaisbühelhütte auf 1744 m ü. A.
47.23038410.139546
Um 1260 ist in einer Urkunde des Klosters Weingarten der Gaisbühel erwähnt. Das Kloster hatte am Tannberg Besitz, z. B. Alprechte am Wöster und am Gaisbühel, (aufgezeichnet im Codex maior traditionum Weingartensium). Von diesen Gebieten wurde ein Naturalzins in Form von Käse eingehoben.
Im Alpgebäude der Unteren Gaisbühelalpe wurde noch bis 1969 Bergkäse in einem großen kupfernen Käskessel in traditioneller Form erzeugt. Das Alpgebäude wird nicht mehr für die Alpwirtschaft genutzt.[7][8][9]
Über den Gaisbühel und den Auenfeldsattel wurde viele Jahrhunderte Vieh in den Bregenzerwald getrieben.
Der Gaisbühel gehört zur Agrargemeinschaft Gaisbühel mit einer Gesamtfläche von 174,4 Hektar.
Wandern
Es führen mehrere Wanderwege zum Gaisbühl, sowohl von Lech als auch von Schröcken.
Ein kurzer Rundwanderweg mit etwa 2 Stunden Gehzeit führt von Oberlech (Bushaltestelle Schlössle) nach Tannegg auf den Gaisbühel und zurück nach Oberlech.[10][9]
Naturschutz
Um den Gaisbühel befindet sich ein Biotop[11] mit Magerwiese und Moor.[12]. Etwa ein Kilometer südsüdwestlich des Gaisbühel befinden sich das Schutzgebiet Unterer Gipslöcher.
Geologie
Unter dem Gaisbühel befindet sich Mergel und Kalkstein, zum Teil auch Manganschiefer. Teilweise auch Dolomit und Schiefer.[13]
Weblinks
Gaisbühel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons
Einzelnachweise
- ↑ Olaf Sailer: Gaisbühel in Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 52, 55.
- ↑ Gewässerkennzahl: 811113302.
- ↑ Gewässerkennzahl: 82012406.
- ↑ Olaf Sailer: Gaisbühel in Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 52 ff.
- ↑ Olaf Sailer: Gaisbühel in Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 59 ff.
- ↑ Olaf Sailer: Gaisbühel in Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 58, 59 f.
- ↑ Olaf Sailer: Gaisbühel in Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 55 ff.
- ↑ Beschreibung der Stationen - Tannberg Themenweg „Auf den Spuren der Walder am Tannberg“, Webseite: warth-schroecken.at, abgerufen am 29. März 2026.
- ↑ 9,0 9,1 Gaisbühel Alpe: ein Ort voller Nostalgie, Webseite: krone.at vom 12. April 2024.
- ↑ Touren Schlössle - Tannegg - Gaisbühel - Schlössle, Webseite: lechzuers.com, abgerufen am 29. März 2026.
- ↑ Biotop Nummer 11305.
- ↑ Biotopbericht, Webseite: vogis.cnv.at, abgerufen am 28. März 2026.
- ↑ Siehe auch Kreideschiefer-Serie in „Das Karhorn bei Lech/Yorarlberg — eine Deckscholle“, Webseite: zobodat.at, abgerufen am 29. März 2026, S. 391 ff.
47.22945610.129815Koordinaten: 47° 13′ 46″ N, 10° 7′ 47″ O