Tannberg

Als Tannberg wird ein Siedlungsgebiet (auch: Hochtannberg), ein Ortsteil in Lech und ein historischer Herrschafts-, Verwaltungs- und Gerichtsbezirk (Gericht Tannberg) in Vorarlberg verstanden.
Name
Tannberg ist ein mehrfach verwendeter Name für Berge in Bayern, Oberösterreich, Steiermark, Salzburg Ebenso wird Tannberg zum Beispiel auch als Familienname genutzt und für Ortschaften, als Namensbestandteil zum Beispiel für die Burgruine Tannberg in Oberösterreich sowie den Hochtannbergpass in Vorarlberg. Tannberg wird vielfach mit der Region Hochtannberg sprachlich gleichgesetzt.
In der Publikation Flurnamen Walgau[1] wird Tann von Tanus (gespr. [tanú:s]) abgeleitet, ausgehend von lat.: fontana im Sinne von Quelle angeführt. Die Region Tannberg wäre somit in Vorarlberg die Region der Berge mit vielen Quellen.
Das Siegel des Gerichts Tannberg zeigt hingegen eine Tanne und nach anderer Deutung ist der Name Tannberg von den hier vielfach vorhandenen Tannen abgeleitet.[2][3][4]
Nach anderer Deutung soll der Name von der Parzelle "Tannberg" in Lech zurückgehen, die eine der ersten Siedlungen der Walser am Tannberg war und der Name soll ursprünglich ebenfalls auf die Tanne zurückgehen.[5]
Geschichte
Bei Tannberg bzw. Hochtannberg) in Vorarlberg handelt sich dabei zuerst um ein nicht abgrenzbares Gebiet, in dem zuerst gejagt und eingeschränkt Landwirtschaft betrieben wurde. Mit der Einwanderung und Landnahme der Walser am Ende des 13. Jahrhunderts aus dem Wallis begann der Tannberg bzw. der Hochtannberg in Vorarlberg eine abgegrenzte Region zu werden, die von den Walsern besiedelt war und die bereits ansässige Bevölkerung aufnahm.[6][7] In Damüls sind die Walser bereits 1313 urkundlich nachgewiesen. Da ein Stein in der Kirche von Mittelberg die Jahreszahl 1302 trägt, wird davon ausgegangen, dass auch das Kleinwalsertal bereits Anfang des 14. Jahrhunderts von Walsern besiedelt war und auch in Lech (Tannberg am Lech) die Besiedelung bereits erfolgte. Die Landnahme wurde durch das milde Klima im Mittelalter (mittelalterliches Optimum) und die rund 200 Meter höhere Waldgrenze begünstigt.[8]
Tannberg als eigenständiger Begriff wird erstmals 1351 in einer Urkunde genannt, als die Erbin der Freiherren von Rettenberg, Adelheid von Waldburg, unter anderem die Rechte „im Taeninberg an luten vun an guoten“ an die Brüder Marquard und Oswald von Heimenhofen verkaufte.[7][3][9]
Als 1451 Erzherzog Sigismund von Österreich den Tannberg (Hochtannberg) eroberte, mussten sich die ehemals freien Walser am 11. März 1453 unterwerfen und auf alle Rechte und Freiheiten verzichteten. Die Walser wurden der Herrschaft Bregenz unterstellt und Leibeigene. Um 1500, nach dem Schwabenkrieg, wurden ihnen die alten Rechte und Freiheiten von Kaiser Maximilian I. von Habsburg wieder zurückgegeben.
Tannberg am Lech

Der heutige Ortsteil Tannberg ist ein Teil der Gemeinde Lech. Der Ort Lech wurde bis ins 19. Jahrhundert im Gesamten als Tannberg am Lech (ab 1433) bezeichnet. Im 19. Jahrhundert befanden sich in diesem Ortsteil Tannberg der heutigen Gemeinde Lech rund 30 Gebäude und das direkt anschließend bzw. umliegende landwirtschaftlich genutzte Gebiet umfasste etwa 21 Hektar. Oberhalb des Tannbergs befand sich der Tannbergmähder, ein Gebiet mit rund 60 Hektar (hier ist z. B. heute die Bergstation der Schlegelkopfbahn I und II)
47.21616910.126755 Heute befinden sich im Ortsteil Tannberg etwa 60 Gebäude, die überwiegend zu Wohnzwecken bzw. touristischen Zwecken genutzt werden, unter anderem auch die Talstation und ein Teil der Strecke der Schlegelkopfbahn I und II
47.21004810.141208 sowie der Schlepplift Hinterwies
47.20839910.135511
Der Ortsteil Tannberg liegt nordwestlich der Lech zwischen den heutigen Ortsteilen Omesberg (südlich des Lechs, früher als Omisberg bezeichnet) und Oberlech (nördlich der Lech, früher nur als Burg bezeichnet). Historisch wird der Ortsteil nordöstlich vom Hinterburgtobel begrenzt, südwestlich vom Energlibach. Durch den Ortsteil Tannberg führt seit Alters her die Gemeindestraße nach Zug
47.20103610.109345
Mit der Dorfstraße (L198) wird der Tannberg über die 1665 errichtete und denkmalgeschützte Tannbergbrücke verbunden
47.20759510.140884 Daneben besteht für den heutigen Fahrzeugverkehr eine moderne Plattenbrücke aus Beton. Kurz hinter den Brücken im Ortsteil Tannberg steht die Flur-/Wegkapelle, hll. Joachim und Anna
47.20773610.140547
In der Nähe der Kiche hl. Nikolaus steht heute noch das weiße Haus, indem das Gericht am Tannberg tagte.
Die Kiche hl. Nikolaus in Tannberg am Lech war auch das römisch-katholische Zentrum für Warth (bis 1610) und Schröcken (bis 1661) und Hochkrumbach (bis 1678), Zug (bis 1711 und dann wieder ab 1860) und Bürstegg (bis 1726 und dann wieder ab 1859).
Von Lech-Zürs-Tourismus und Vorarlberg Tourismus wird auch eine Wanderregion Tannberg beworben.[10][11][12]
Tannbergtracht
Eine eigene Tracht wird in den Gemeinden Lech, Schröcken und Warth von Frauen und Männern zu besonderen Anlässen getragen. Diese gemeinsame Tracht der Walser wird als Tannbergtracht bezeichnet.[13]
Alpmuseum uf m Tannberg
In Schröcken findet sich bei der Batzenalpe (Sennalp Batzen) das Alpmuseum uf m Tannberg, die vom 2002 gegründeten Kulturverein uf m Tannberg betrieben wird. Seit Februar 2011 steht die alte Alpe Batzen (Alpmuseum samt Inventar als Sammlung) unter Denkmalschutz)
47.24810110.101854[11][14]
Landwirtschaftliche Nutzung
Das Gebiet Tannberg am Lech bzw. die Region Hochtannbergs lag und liegt durchwegs oberhalb der Grenze, an der noch ein Getreideanbau möglich war bzw. ist. Die Bewohner lebten daher vor allem von der Viehwirtschaft und der Verarbeitung von Milchprodukten sowie eingeschränkt vom Handel und später auch von der saisonalen Wanderung von Handwerkern z. B. ins Allgäu / Schwabenland. Großflächige Rodungen waren erforderlich, um ausreichend Viehfutter für die langen Wintermonate zu gewinnen. Daraus resultieren die bis heute in diesem Gebiet bestehenden und das Erscheinungsbild prägenden Bergweiden / Alpen. Die früheren Bewässerungssysteme sind jedoch weitgehend verfallen bzw. verschwunden. Durch Klimaänderungen, vor allem die kleine Eiszeit, die in Vorarlberg sich seit dem 16. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts auswirkte, verarmte die Bevölkerung und es wurden dann auch höher gelegene Ansiedlungen, wie z. B. Hochkrumbach, Bürstegg oder Älpele (Schröcken) zuerst entsiedelt und dann teilweise ganz aufgegeben.[15]
Skifahren
Tannberg am Lech (Lech) bzw. die Region Hochtannberg ist weltweit als eine der Wiegend des modernen Skilaufs bekannt. Vor allem das Arlberggebiet (siehe Skigebiet Ski Arlberg) im weiteren Sinne.
Weblinks
- Der Tannberg – Grenzregion die verbindet! Geschichtlicher Überblick über die Walserregion Tannberg.
Einzelnachweise
- ↑ Flurnamen Walgau, herausgegeben von der Vorarlberger Landesregierung, 2021, S. 40.
- ↑ Aus der Geschichte von Lech, Webseite: gemeinde.lech.at, abgerufen am 13. Juli 2025.
- ↑ 3,0 3,1 Hochtannberg, Webseite: walser-alps.eu, abgerufen am 13. Juli 2025.
- ↑ Lech, Webseite: vorarlberger-walservereinigung.at, abgerufen am 13. Juli 2025.
- ↑ Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 19.
- ↑ Alois Niederstätter: Die Zuwanderung der Walser nach Vorarlberg im 14. Jahrhundert Mythos und Realität, S. 20, Webseite: regionalia.blb-karlsruhe.de, abgerufen am 13. Juli 2025.
- ↑ 7,0 7,1 Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 16 f.
- ↑ Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 18 f.
- ↑ Anders hingegen Hermann Sander: Beiträge zur Geschichte des vorarlbergerischen Gerichts Tannberg, Feldkircher Zeitung vom 29. September 1886, S. 1 ff.
- ↑ Tannberg Themenweg, Webseite: vorarlberg.travel , abgerufen am 31. Jänner 2026.
- ↑ 11,0 11,1 Tannberg, Webseite: lechzuers.com, abgerufen am 31. Jänner 2026.
- ↑ Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4.
- ↑ Margret Dacher: Tracht in Tannberg, Webseite: vorarlberger-walservereinigung.at, vom 12 Januar 2017, zuletzt abgerufen am 31. Jänner 2026.
- ↑ Alpmuseum uf m Tannberg, Webseite: alpmuseum.at, abgerufen am 31. Jänner 2026.
- ↑ Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 20 ff.
47.20862410.137832Koordinaten: 47° 12′ 31″ N, 10° 8′ 16″ O