Tannberg

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Datei:Lech-Tannberg-Lech (river)-Omesberg-Lech (centre)-Schraegluftbild Raumplanung Vorarlberg (343129).jpg
Links der Orsteil Tannberg mit der Schlegelkopfbahn I und II, Lech (Fluß), rechts vorne Ortsteil Omesberg und rechts hinten das Zentrum von Lech

Als Tannberg wird ein Siedlungsgebiet (auch: Hochtannberg), ein Ortsteil in Lech und ein historischer Herrschafts-, Verwaltungs- und Gerichtsbezirk (Gericht Tannberg) in Vorarlberg verstanden.

Name

Gebietsname

Tannberg ist ein mehrfach verwendeter Name für Berge in Bayern, Oberösterreich, Steiermark, Salzburg Ebenso wird Tannberg zum Beispiel auch als Familienname genutzt und für Ortschaften, als Namensbestandteil zum Beispiel für die Burgruine Tannberg in Oberösterreich sowie den Hochtannbergpass in Vorarlberg. Tannberg wird vielfach mit der Region Hochtannberg sprachlich gleichgesetzt.

In der Publikation Flurnamen Walgau[1] wird Tann von Tanus (gespr. [tanú:s]) abgeleitet, ausgehend von lat.: fontana im Sinne von Quelle angeführt. Die Region Tannberg wäre somit in Vorarlberg die Region der Berge mit vielen Quellen.

Das Siegel des Gerichts Tannberg zeigt hingegen eine Tanne und nach anderer Deutung ist der Name Tannberg von den hier vielfach vorhandenen Tannen abgeleitet.[2][3][4]

Nach anderer Deutung soll der Name von der Parzelle "Tannberg" in Lech zurückgehen, die eine der ersten Siedlungen der Walser am Tannberg war und der Name soll ursprünglich ebenfalls auf die Tanne zurückgehen.[5]

Ortsübername

Die am Tannberg Wohnenden hatten in früherer Zeit den Ortsübernahme „Birgler“ (hdt.: Bergler).[6]

Die Verwaltungseinteilung / Gerichte) in Vorarlberg 1783

Geschichte

Bei Tannberg (bzw. Hochtannberg) in Vorarlberg handelt sich dabei ursprünglich um ein nicht abgrenzbares Gebiet, in dem zuerst gejagt und eingeschränkt Landwirtschaft betrieben wurde. Das Gebiet gehörten den Herren von Rettenberg im Allgäu und reichte bis zum Tannheimer Tal im Bezirk Reutte (Tirol). Am 21. Juli 1351 wurde das Gebiet, unter anderem die Rechte „im Taeninberg an luten vun an guoten“, von der Erbin der Freiherren von Rettenberg, Adelheid von Waldburg, an die Brüder Marquard und Oswald von Heimenhofen verkauft. In dieser Urkunde wird Tannberg als eigenständiger Begriff erstmals erwähnt.[3][7][8][9]

Mit der Einwanderung und Landnahme der Walser am Ende des 13. Jahrhunderts aus dem Wallis begann der Tannberg bzw. der Hochtannberg in Vorarlberg eine abgegrenzte Region zu werden, die von den Walsern besiedelt war und die bereits ansässige Bevölkerung aufnahm.[7][10] In Damüls sind die Walser 1313 urkundlich nachgewiesen. Da ein Stein in der Kirche von Mittelberg die Jahreszahl 1302 trägt, wird davon ausgegangen, dass auch das Kleinwalsertal bereits Ende des 13. Jahrhundert bzw. Anfang des 14. Jahrhunderts von Walsern besiedelt war und auch in Lech (Tannberg am Lech) die Besiedelung bereits erfolgt war. Die Landnahme wurde durch das milde Klima im Mittelalter (mittelalterliches Optimum) und die rund 200 Meter höhere Waldgrenze begünstigt.[11]

1451 sollen die Walser am Tannberg Graf Ulrich von Werdenberg-Sargans und Hans von Rechberg wegen einer heute unbekannten Streitigkeit auf dem Tannberg gefangen genommen haben. Der Landesherr, Jörg von Heimenhofen, soll das Geleitrecht verletzt haben. Der nahe Verwandte des Kaisers Friedrich III., Erzherzog Sigmunds von Tirol forderte die Entlassung der Gefangenen und erklärte wegen der Verletzung der Geleitrechte Jörg von Heimenhofen die Fehde (dies war noch vor dem Ewige Landfrieden 1495). Die Freilassung der Gefangenen ist von den Walsern am Tannberg abgelehnt worden. Ulrich von Werdenberg ist dann etwas später doch freigelassen worden, Hans von Rechberg blieb gefangen. Erzherzog Sigmund hat sodann Hans von Rechberg mit Waffengewalt befreit und dabei den ganzen Tannberg erorbert.

Die Tannberger verloren durch die Eroberung alle ihre Rechte (Walserfreiheit), wie es aus der Ergebungsurkunde vom 11. März 1453 hervorgeht. Die Walser wurden der Herrschaft Bregenz unterstellt und Leibeigene. Der bisherige Eigentümer des Kleinwalsertals, Jörg von Heimenhofen in Fischen schloss am 28. Oktober 1460 einen Vergleich und verzichtete auf das Gebiet Tannberg gegen eine Entschädigung von 1000 rheinische Gulden in bar. Dadurch kam der Tannberg unter die Herrschaft Österreichs.

Um 1500, nach dem Schwabenkrieg, wurden den Walsern am Tannberg die alten Rechte und Freiheiten von Kaiser Maximilian I. von Habsburg wieder zurückgegeben.[12][13][14][15][16][17][18]

Tannberg am Lech

Datei:Tannbergbrücke in Lech 1.JPG
historische Tannbergbrücke, Blick Richtung Dorf/Omesberg
Datei:Lech-Chapel Saint Joachim and Anna-02ASD.jpg
Kapelle hll. Joachim and Anna bei der Tannbergbrücke

Der heutige Ortsteil Tannberg ist ein Teil der Gemeinde Lech. Der Ort Lech wurde bis ins 19. Jahrhundert im Gesamten als Tannberg am Lech (ab 1433) bezeichnet. Die heutige Gemeinde Lech entstand aus den Weilern Anger (Dorfzentrum), Tannberg, Omesberg, Bürstegg, Zug und Zürs.[19]

Im 19. Jahrhundert befanden sich in diesem Ortsteil Tannberg der heutigen Gemeinde Lech rund 30 Gebäude und das direkt anschließend bzw. umliegende landwirtschaftlich genutzte Gebiet umfasste etwa 21 Hektar. Oberhalb des Tannbergs befand sich der Tannbergmähder, ein Gebiet mit rund 60 Hektar (hier ist z. B. heute die Bergstation der Schlegelkopfbahn I und II) Welt-Icon47.21616910.126755 Heute befinden sich im Ortsteil Tannberg etwa 60 Gebäude, die überwiegend zu Wohnzwecken bzw. touristischen Zwecken genutzt werden, unter anderem auch die Talstation und ein Teil der Strecke der Schlegelkopfbahn I und II Welt-Icon47.21004810.141208 sowie der Schlepplift Hinterwies Welt-Icon47.20839910.135511

Der Ortsteil Tannberg liegt nordwestlich der Lech zwischen den heutigen Ortsteilen Omesberg (südlich des Lechs, früher als Omisberg bezeichnet) und Oberlech (nördlich der Lech, früher nur als Burg bezeichnet). Historisch wird der Ortsteil nordöstlich vom Hinterburgtobel begrenzt, südwestlich vom Energlibach. Durch den Ortsteil Tannberg führt seit Alters her die Gemeindestraße nach Zug Welt-Icon47.20103610.109345

Mit der Dorfstraße (L198) wird der Tannberg über die 1665 errichtete und denkmalgeschützte Tannbergbrücke verbunden Welt-Icon47.20759510.140884 Daneben besteht für den heutigen Fahrzeugverkehr eine moderne Plattenbrücke aus Beton. Kurz hinter den Brücken im Ortsteil Tannberg steht die Flur-/Wegkapelle, hll. Joachim und Anna Welt-Icon47.20773610.140547

In der Nähe der Kiche hl. Nikolaus steht heute noch das weiße Haus, indem das Gericht am Tannberg tagte.

Die Kiche hl. Nikolaus in Tannberg am Lech war auch das römisch-katholische Zentrum für Warth (bis 1610) und Schröcken (bis 1661) und Hochkrumbach (bis 1678), Zug (bis 1711 und dann wieder ab 1860) und Bürstegg (bis 1726 und dann wieder ab 1859).

Von Lech-Zürs-Tourismus und Vorarlberg Tourismus wird auch eine Wanderregion Tannberg beworben.[20][21][22]

Tannbergtracht

Eine eigene Tracht wird in den Gemeinden Lech, Schröcken und Warth von Frauen und Männern zu besonderen Anlässen getragen. Diese gemeinsame Tracht der Walser wird als Tannbergtracht bezeichnet.[23]

Alpmuseum uf m Tannberg

In Schröcken findet sich bei der Batzenalpe (Sennalp Batzen) das Alpmuseum uf m Tannberg, die vom 2002 gegründeten Kulturverein uf m Tannberg betrieben wird. Seit Februar 2011 steht die alte Alpe Batzen (Alpmuseum samt Inventar als Sammlung) unter Denkmalschutz) Welt-Icon47.24810110.101854[21][24]

Landwirtschaftliche Nutzung

Das Gebiet Tannberg am Lech bzw. die Region Hochtannbergs lag und liegt durchwegs oberhalb der Grenze, an der noch ein Getreideanbau möglich war bzw. ist. Die Bewohner lebten daher vor allem von der Viehwirtschaft und der Verarbeitung von Milchprodukten sowie eingeschränkt vom Handel und später auch von der saisonalen Wanderung von Handwerkern z. B. ins Allgäu / Schwabenland. Großflächige Rodungen waren erforderlich, um ausreichend Viehfutter für die langen Wintermonate zu gewinnen. Daraus resultieren die bis heute in diesem Gebiet bestehenden und das Erscheinungsbild prägenden Bergweiden / Alpen. Die früheren Bewässerungssysteme sind jedoch weitgehend verfallen bzw. verschwunden. Durch Klimaänderungen, vor allem die kleine Eiszeit, die in Vorarlberg sich seit dem 16. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts auswirkte, verarmte die Bevölkerung und es wurden dann auch höher gelegene Ansiedlungen, wie z. B. Hochkrumbach, Bürstegg oder Älpele (Schröcken) zuerst entsiedelt und dann teilweise ganz aufgegeben.[25]

Skifahren

Tannberg am Lech (Lech) bzw. die Region Hochtannberg ist weltweit als eine der Wiegen des modernen Skilaufs bekannt. Vor allem das Arlberggebiet (siehe Skigebiet Ski Arlberg) im weiteren Sinne.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Flurnamen Walgau, herausgegeben von der Vorarlberger Landesregierung, 2021, S. 40.
  2. Aus der Geschichte von Lech, Webseite: gemeinde.lech.at, abgerufen am 13. Juli 2025.
  3. 3,0 3,1 Hochtannberg, Webseite: walser-alps.eu, abgerufen am 13. Juli 2025.
  4. Lech, Webseite: vorarlberger-walservereinigung.at, abgerufen am 13. Juli 2025.
  5. Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 19.
  6. Artur Schwarz: „Die Ortsübernamen von Vorarlberg“ in „Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins“, 1959, S.55 ff.
  7. 7,0 7,1 Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 16 f.
  8. Anders hingegen Hermann Sander: Beiträge zur Geschichte des vorarlbergerischen Gerichts Tannberg, Feldkircher Zeitung vom 29. September 1886, S. 1 ff.
  9. Joseph Bergmann: „Untersuchungen über die freien Walliser oder Walser in Graubünden und Vorarlberg“ in „Anzeigeblatt für Wissenschaft und Kunst“, Nr. 107, 1844, S. 31.
  10. Alois Niederstätter: Die Zuwanderung der Walser nach Vorarlberg im 14. Jahrhundert - Mythos und Realität, S. 20, Webseite: regionalia.blb-karlsruhe.de, abgerufen am 13. Juli 2025.
  11. Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 18 f.
  12. Ein kleiner geschichtlicher Überblick über Warth, Webseite: gemeinde-warth.at, abgerufen am 13. Juli 2025.
  13. Ein kleiner Rückblick in die Geschichte, Webseite: jaegeralpe.at, abgerufen am 13. Juli 2025.
  14. Walter Weinzierl: „Über den alten Bergbau in Vorarlberg“, Dornbirn 1972, S. 34 - 43.
  15. Montfort, Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs, 59. Jahrgang, 2007 Heft 2, S. 141.
  16. Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4
  17. Historisches Ortslexikon, Webseite: oeaw.ac.at, abgerufen am 8. Februar 2026.
  18. Bernd Marquardt: Der Landsbrauch und die Poilzeiordnung des Gerichts Mittelberg (1569/88 – 1806) in „Montfort, Vierteljahresschrift für Geschichte und Gegenwart Vorarlbergs“, 2000, S. 32 ff.
  19. Hans Thöni: „Der Arlberg, wo war er früher, wo ist er heute“ in „Bludenzer Geschichtsblätter“, 1994, , S. 33.
  20. Tannberg Themenweg, Webseite: vorarlberg.travel , abgerufen am 31. Jänner 2026.
  21. 21,0 21,1 Tannberg, Webseite: lechzuers.com, abgerufen am 31. Jänner 2026.
  22. Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4.
  23. Margret Dacher: Tracht in Tannberg, Webseite: vorarlberger-walservereinigung.at, vom 12 Januar 2017, zuletzt abgerufen am 31. Jänner 2026.
  24. Alpmuseum uf m Tannberg, Webseite: alpmuseum.at, abgerufen am 31. Jänner 2026.
  25. Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 20 ff.

47.20862410.137832Koordinaten: 47° 12′ 31″ N, 10° 8′ 16″ O