Zug (Lech)

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Blick vom Rüfikopf nach Zug
der Siedlungskern von Zug im Winter

Zug ist ein historisches Siedlungsgebiet der Walser in der Gemeinde Lech in Vorarlberg und heute überwiegend ein Tourismusort.

Ortsübername

Die Bewohner von Zug hatten in früherer Zeit den Ortsübernamen „Zugmuttla“ bzw. „gmuttlate Zuger“.[1] Als Muttla wurde mundartlich die ungehörnte Geiß (Ziege) verstanden. Im übertragenen Sinne bedeutet gmuttlat auch „abgestumpft“.[2][3]

Lage

Der historische Siedlungskern von Zug befindet sich etwa auf 1510 m ü. A. und liegt etwa 2700 Meter südwestlich des Ortszentrums von Lech im oberen Teil des Lechtals. Südlich des Siedlungskerns von Zug befindet sich in 160 Meter Entfernung die Gemeindegrenze von Dalaas. Die Gemeindegrenze wird in diesem Bereich vom Lech gebildet.

Westlich des Siedlungskerns befindet sich der Grabentobelbach, der unterhalb des Siedlungskern in die Lech mündet (etwa bei Gewässerkilometer 246,01 der Lech).

Das Kriegerhorn (2173 m) ist nördlich etwa 1500 Meter Luftlinie entfernt, der Stierlochhkopf (2354 m) bzw. die Mittagsspitze (2441 m) befinden sich etwa 2200 Meter Luftlinie südlich von Zug, die Madlochspitze (2546) etwa 2600 Meter Luftlinie südsüdöstlich. Südwestlich, etwa 3500 Meter Luftlinie entfernt, ist der Mehlsack (2651 m) und 2800 Meter entfernt der Spullerschafberg (2679).

Der Formarinsee befindet sich südwestlich etwa 9500 Meter Luftlinie entfernt, der Spullersee südsüdwestlich etwa 5 Kilometer entfernt.

Geschichte

Die Geschichte des Ortsteils Zug ist untrennbar mit der Besiedelung des Tannbergs und der Gemeinde Lech sowie dem Gericht Tannberg verbunden. Die Einwanderung und Landnahme der Walser erfolgte am Ende des 13. Jahrhunderts aus dem Wallis.[4][5] Als 1451 Erzherzog Sigismund von Österreich den Tannberg (Hochtannberg) eroberte, mussten sich auch die ehemals freien Walser in Zug am 11. März 1453 unterwerfen und auf alle Rechte und Freiheiten verzichten. Die Walser wurden der Herrschaft Bregenz unterstellt und Leibeigene. Um 1500, nach dem Schwabenkrieg, wurden ihnen die alten Rechte und Freiheiten von Kaiser Maximilian I. von Habsburg wieder zurückgegeben.

Zug war noch im 19. Jahrhundert eine Streusiedlung.

Landwirtschaftliche Nutzung

Das Gebiet um Zug, die Gemeinde Lech (Tannberg am Lech) bzw. die Region Tannberg/Hochtannbergs lag und liegt durchwegs oberhalb der Grenze, an der noch ein Getreideanbau möglich war bzw. ist. Die Bewohner lebten daher vor allem von der Viehwirtschaft und der Verarbeitung von Milchprodukten sowie eingeschränkt vom Handel und später auch von der saisonalen Wanderung von Handwerkern z. B. ins Allgäu / Schwabenland. Großflächige Rodungen waren erforderlich, um ausreichend Viehfutter für die langen Wintermonate zu gewinnen. Daraus resultieren die bis heute in diesem Gebiet bestehenden und das Erscheinungsbild prägenden Bergweiden / Alpen. Die früheren Bewässerungssysteme sind jedoch weitgehend verfallen bzw. verschwunden. Durch Klimaänderungen, vor allem die kleine Eiszeit, die in Vorarlberg sich seit dem 16. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts auswirkte, verarmte die Bevölkerung und es wurden dann auch höher gelegene Ansiedlungen, wie z. B. Hochkrumbach, Bürstegg oder Älpele (Schröcken) zuerst entsiedelt und dann teilweise ganz aufgegeben.[6]

Tourismus

Bergbahnen

In Zug befindet sich die Zugerbergbahn und der Balmengratlift. Vom Ortsteil Tannberg in Lech führt über die Schlegelkopfbahnen und die Kriegerhornbahn eine Verbindung zum Kriegerhorn (2173 m), das nördlich von Zug gelegen ist (etwa 1500 Meter Luftlinie entfernt).

Skifahren

Die Gemeinde Lech bzw. die Region Tannberg/Hochtannberg ist weltweit als eine der Wiegend des modernen Skilaufs bekannt. Vor allem das Arlberggebiet (siehe Skigebiet Ski Arlberg) im weiteren Sinne. Zug wurde im Zuge der Entwicklung des Skitourismus ebenfalls ausgebaut. Zug ist Teil des Skigebiet Ski Arlberg.[7]

Eine etwa 2,8 Kilometer lange Langlaufloipe mit 49 Meter Höhenunterschied beginnt im Ort Lech bei der alten Tannbergbrücke und führt weitgehend am Ufer des Lechs durch den Wald bis nach Zug. Geübte können die Strecke weiter bis zum Gasthaus Älpele nutzen.[8]

Sommertourismus

Das Gebiet um Zug wird verstärkt die letzten Jahrzehnte für den Sommertourismus attraktiv. Es befindet sich in der Nähe von Zug ein großzügiger 9-Loch-Golfplatz mit Restaurant und Fischteich. In der Nähe verläuft die erste Etappe des rund 125 Kilometer langen sehr frequentierten Weitwanderwegs (Lechweg), der durch das ganze Lechtal von Vorarlberg ins Tirol und bis Füssen im bayerischen Allgäu führt.

Öffentlicher Verkehr

Straße

Die heutige Zufahrt nach Zug über Lech wird weitgehend seit Jahrhunderten über dieselbe Trasse geführt. Mit der Dorfstraße (L198) wird Zug über die 1665 errichtete und denkmalgeschützte Tannbergbrücke verbunden Welt-Icon47.20759510.140884 Daneben besteht für den heutigen Fahrzeugverkehr eine moderne Plattenbrücke aus Beton. Kurz vor den Brücken im Ortsteil Tannberg steht die Flur-/Wegkapelle, hll. Joachim und Anna Welt-Icon47.20773610.140547 Neben diesen historischen Brücken bestehen heute weitere Brücken zur Querung des Lechs.

Busverbindung

Zug wird durch die Omnibuslinie 706 angefahren. Diese führt vom Ort Lech zum Spullersee (im Sommer). Ein Wanderbus fährt im Sommer bis zum Formarinsee.

Religion

In Zug befindet sich die Expositurkirche Sankt Sebastian. Die Kirche wurde um 1635 erbaut. Sie ist dem hl. Sebastian, einem Pestheiligen, geweiht. Ursprung für den Bau dieses Gotteshauses soll ein Gelübde im Zusammenhang mit der Pestzeit im 17. Jahrhundert gewesen sein.[9] Die Expositur ist seit etwa der Mitte des 19. Jahrhunderts nicht mehr mit einem eigenen Seelsorger besetzt.

Geologie und Gefährdungen

Der Talboden um den Siedlungskern von Zug besteht weitgehend aus Schluff, Sand, Kies, Steine und Blöcke. Im Norden und Süden befindet sich Arlberg-Formation bestehend aus Kalstein mit Dolomiteinschaltungen, teilweise auch Nordalpine Raibler-Schichten bestehend aus Sandstein, sandigem Tonschiefer, Rauwacke und Gips.

Das Gebiet um Zug ist anfällig für Rutschungen und es besteht hier Rutschanfälligkeitsklasse 2 und 3 (mittlere bis hohe Anfälligkeit zu Rutschungen). Die durchschnittliche Schneelast (100-jährig) liegt bei 13,1 kN/m² (Vergleich: im Rheintal teilweise nur bei 1 kN/m²).

Trivia

Denkmalschutz

Von 23 denkmalgeschützen Gebäuden in der Gemeinde Lech stehen vier in Zug (rund 17 %):

  • Expositurkirche St. Sebastian Welt-Icon47.20059810.109467
  • Pfarrhaus Kaplanstöckl Welt-Icon47.2003610.109601
  • Gasthaus Klösterle Welt-Icon47.19971210.099393
  • Wegkapelle hl. Martin Welt-Icon47.20029310.071195

Steinbockkolonie

Im Raum Zug wurde die fast gänzlich durch Jagd ausgerotteten Steinböcke wieder angesiedelt. Inzwischen besteht hier die größte Steinbock-Kolonie Europas mit rund 600 Exemplaren.[10]

Weblinks

 Zug (Lech) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien auf Wikimedia Commons

Einzelnachweise

  1. Artur Schwarz: „Die Ortsübernamen von Vorarlberg“ in „Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins“, 1959, S.55 ff.
  2. Siehe auch Gutram Plangg: „Rätoromanisches Spracherbe in Vorarlberg“ in „Jahrbuch des Vorarlberger Landesmuseumsvereins“, 1964, S. 15 ff.
  3. Siehe auch Flurnamen Walgau, herausgegeben von der Vorarlberger Landesregierung, 2021.
  4. Alois Niederstätter: Die Zuwanderung der Walser nach Vorarlberg im 14. Jahrhundert – Mythos und Realität, S. 20, Webseite: regionalia.blb-karlsruhe.de, abgerufen am 13. Juli 2025.
  5. Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 16 f.
  6. Olaf Sailer: Auf den Spuren der Walser, herausgegeben vom Land Vorarlberg - Raumplanungsabteilung, Bregenz 2010, ISBN 978-3-901325-69-4, S. 20 ff.
  7. Zug am Arlberg auf lechzuers.com
  8. Lech – Zugertal, Webseite: vorarlberg.travel, abgerufen am 10. Februar 2026.
  9. Geschichte, Webseite: pfarre-lech.at, abgerufen am 10. Februar 2026.
  10. Wegabschnitt 1 Formarinsee nach Lech am Arlberg, Webseite: lechweg.com abgerufen am 10. Februar 2026.

47.20103610.109345Koordinaten: 47° 12′ 4″ N, 10° 6′ 34″ O